27.12.12

Europaliga

Alba erwartet mit Real Madrid das teuerste Team Europas

Der Etat der Spanier ist dreimal so hoch, in neun von zehn Statistiken sind sie besser. Trotzdem rechnen sich die Berliner Chancen aus.

Von Sebastian Arlt
Foto: picture alliance / dpa

Gelenkig: Rudy Fernandez (l.) soll Real Madrids Basketballer wieder auf den Gipfel in Europa und Spanien führen
Gelenkig: Rudy Fernandez (l.) soll Real Madrids Basketballer wieder auf den Gipfel in Europa und Spanien führen

Natürlich ist Alba Berlin Außenseiter. "Aber das macht mir erst mal keine Angst", sagt Mithat Demirel, der Sportdirektor des Klubs, mit Blick auf den Start seines Teams ins Top 16 der Basketball-Europaliga am Donnerstag gegen Real Madrid (O2 World, 19 Uhr). "Wenn der Ball hochgeworfen wird, dann sind auf jeder Seite fünf Spieler auf dem Feld."

In dieser Hinsicht herrscht dann zumindest Gleichheit, aber in der Realität trennen die beiden Teams Welten. Statistiken lügen nicht: In elf von zwölf Kategorien liegt im Vergleich Real vorn, nur bei der Freiwurfquote ist Alba besser – 75 gegenüber 73,3 Prozent. Geld wirft zwar nicht allein Körbe, aber das Budget spielt allemal eine große Rolle. Da muten die knapp acht Millionen Euro Etat der Berliner doch sehr schmal an gegenüber den von der seriösen spanischen Tageszeitung "El Pais" kolportierten 28 Millionen Euro, die Madrid zur Verfügung hat.

Einsatz von Djedovic fraglich

"Verstecken brauchen wir uns aber nicht", stellt Nihad Djedovic klar. "Dass wir zum Beispiel gegen Maccabi Tel Aviv bis zur letzten Sekunde eine Siegchance hatten, ist doch Beweis genug, dass wir auf dem Niveau mitspielen können." Ob der Flügelspieler selbst allerdings dabei sein wird, dürfte sich erst kurz vor der Partie entscheiden, denn der Bosnier leidet unter einer Achillessehnenentzündung. Am Sonntag in Würzburg musste er nach neun Minuten Einsatzzeit passen.

"Wir wollen attackieren", verspricht Demirel dennoch. "Eine Chance hat man immer", sagt auch Geschäftsführer Marco Baldi, der allerdings hat feststellen müssen, dass Alba "etwas die Klarheit im Spiel verloren gegangen ist". Die Verletzung von Vule Avdalovic und die laufende Integration der Zugänge Derrick Byars und Je"Kel Foster sorgten dafür, dass bei den Berlinern einiges durcheinandergeraten ist. Beleg dafür waren zuletzt die beiden Niederlagen gegen Oldenburg und in Würzburg. "Wir müssen uns die gerade Linie erst wieder erkämpfen", sagt Baldi.

Real Madrid mit bestem Start seit 25 Jahren

Eine Linie, auf der Real hingegen stramm geradeaus marschiert. Den besten Start in der spanischen Eliteliga ACB seit 25 Jahren hat Madrid hingelegt: 14 Spiele, 14 Siege. Nach der Vorrunde in der Europaliga hatte sich der Klub Platz eins in seiner Gruppe gesichert. Aber nicht nur das beeindruckt. Es ist natürlich auch die Aura, die diesen Klub umgibt, in dem nur Fußball und Basketball gespielt wird. "Gegen Real, das ist einfach eine besondere Sache", schwärmt Djedovic.

Acht Mal, so oft wie kein anderer Klub, war Real die beste europäische Mannschaft; insgesamt 14 verschiedene europäische Titel wurden geholt.

Fernandez verdient in Madird drei Millionen Euro

Aber, und das hat die Verantwortlichen bei Real doch sehr beunruhigt, letztmals war Madrid 1995 Europas Bester, aus dem Jahr 2007 datiert die letzte von insgesamt 30 spanischen Meisterschaften. Nun wird in einem Kraftakt zugeschlagen. Vor allem dem Erzrivalen FC Barcelona soll Hören und Sehen vergehen. Mit einem Kader, in dem selbst als zwölfter Mann im brasilianischen Nationalcenter Rafael Hettsheimer noch ein Topmann steht.

Aber was ist der schon gegen Spielmacher Sergio Llull, Sergio Rodriguez, Felipe Reyes – und vor allem Rudy Fernandez? Der 27-Jährige ist der Star im Team. Jährlich drei Millionen Euro kassiert der Spanier, den Real für insgesamt drei Jahre bis 2015 verpflichtet hat. Er ist damit der bestverdienende Spieler in Europa. Nur in der NBA kann man mehr kassieren. Und in der besten Liga der Welt war Fernandez ja auch schon aktiv: von 2008 bis 2011 bei den Portland Trail Blazers und 2011/2012 bei den Denver Nuggets.

Aus der NBA zurück nach Spanien

Er spielte in den Jahren in Übersee eine gute Rolle (im Schnitt immer um die neun Punkte und drei Assists), doch eine Bandscheiben-Operation und später immer wieder Rückenprobleme bremsten ihn des Öfteren. Und Fernandez, Welt- und Europameister mit Spanien, hatte Heimweh. Versüßt wurde ihm die Heimkehr durch besagten millionenschweren Vertrag, in der Heimat hat er zudem lukrative Werbeverträge. Nun soll er Real zu altem Glanz führen. Doch schon wieder zwickt es ein wenig im Rücken.

Sollte er heute dosierter eingesetzt werden, macht es vielleicht öfter "Boom Boom". So lautet nämlich der Spitzname des US-Amerikaners Jaycee Carroll (29). Ein nicht ganz so bekannter Spieler, obwohl er 2010 und 2011 im Trikot von Gran Canaria Topscorer in der ACB war. Bevor er 2004 sein Studium an der Utah State University begann, zog der junge Mormone zwei Jahre lang für die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" als Missionar durch Chile. Danach startete er als Korbjäger durch. Er ist viertbester Dreierschütze in der Geschichte der College-Liga NCAA. Inzwischen hat er auch einen Pass von Aserbaidschan, kurzerhand wurde er "eingemeindet", um für den Kaukasus-Staat an der EM-Qualifikation teilzunehmen.

Hoch, höher, Fernandez Der 27-Jährige soll Real nach nicht so erfolgreichen Jahren wieder auf den Gipfel in Europa und Spanien führen pa/dpa

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