01.12.12

Basketball

Alba freut sich auf weitere Festspiele in der Euroleague

"Heute ist ein schöner Tag": Zum zweiten Mal nach 2008 qualifiziert sich Berlins Basketball-Verein für die Top 16 in Europa.

Foto: AFP

Yes, we can! DaShaun Wood freut sich auf die Top 16
Yes, we can! DaShaun Wood freut sich auf die Top 16

Der Trainer hatte gerade eine ganze Menge Details aufgezählt, die ihm alle nicht gefallen hatten. Die letzten Minuten des Spiels, die Rebounds, mangelnder Siegeswille, ach überhaupt. Da wurde der unzufrieden dreinblickende Sasa Obradovic vorsichtig von einem Journalisten gefragt, ob es nicht auch etwas zu loben gebe – schließlich hatte doch seine Basketballmannschaft von Alba Berlin soeben durch ein 67:64 (36:28) über Polens Meister Prokom Gdynia den Einzug in die Top 16 der Europaliga geschafft. Da stutzte der Serbe, lächelte und antwortete: "So bin ich. Immer sehe ich die negativen Dinge." Er müsse noch lernen, dass er wenigstens mit den Reportern anders reden müsse als mit seinen Spielern. Denen hatte er zuvor in der Kabine klargemacht, was sie gefälligst beim nächsten Mal anders machen müssten.

Dort sei die Stimmung trotzdem prächtig gewesen, berichtete Alba-Geschäftsführer Marco Baldi: "Die Reaktionen waren total euphorisch. Da herrschte die Überzeugung: Wir haben was ganz Großes erreicht." Wohl zu Recht, dass eine deutsche Mannschaft so weit kommt, kam seit der Neuordnung der Euroleague 2001/2002 erst zweimal vor: 2008 schaffte es Alba selbst, 2005 gelang es den Baskets Bamberg. Dass die Berliner nun sogar bereits nach acht von zehn Vorrundenspieltagen weiter sind, setzt dem Erfolg die Krone auf. "Heute ist ein schöner Tag", freute sich Baldi, "wir wissen diesen Erfolg zu schätzen. Europaliga macht richtig Freude. Ob aus taktischer Sicht, von der Qualität der Spieler oder den Emotionen her: Das ist für mich der geilste Basketball, den es gibt."

14 zusätzliche Spiele für Alba

Seine Begeisterung mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass die Berliner allzu oft vergebens angerannt sind, überhaupt in der Königsklasse mitmischen zu dürfen. Nur dreimal in den vergangenen zehn Jahren waren sie dabei. Nun ist es geschafft: In den nächsten Monaten werden sich wieder die Topteams des Kontinents in der O 2 World vorstellen. Real Madrid, ZSKA Moskau, Chimki Moskau, Efes Istanbul, Zalgiris Kaunas, Partizan Belgrad und erneut Maccabi Tel Aviv könnten das nach jetzigem Stand sein; die zweite Runde der Euroleague findet in zwei Achtergruppen statt. Jeder gegen jeden in Hin- und Rückspiel – das bedeutet für die Berliner 14 zusätzliche Spiele, die Hälfte davon daheim.

Und das bei einem ohnehin schon umfangreichen Programm. Es begann mit dem Festtag gegen Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks Anfang Oktober. Ende März ist Berlin Gastgeber des Top Four um den deutschen Pokal. Zum normalen Bundesligabetrieb kommen jetzt 14 weitere Spiele, dabei ist die Bundesligapartie Alba gegen Ludwigsburg bis jetzt wegen des überquellenden Terminkalenders noch gar nicht festgelegt. Und was ist mit der zusätzlichen Belastung für die personell ohnehin nicht üppig besetzte Mannschaft?

Alba hat eine einzigartige Gelegenheit und greift zu

Baldi ficht das alles nicht an. "Unsere Mannschaft hat die richtige Mentalität", frohlockt der Manager, "sie ist leidensfähig und will diese Spiele." Der Amerikaner Zach Morley etwa änderte den Status auf seiner Facebook-Seite am Freitag mit "Top 16 Euroleague. Yes!"

Man merkt Baldi aber an: Er will sie auch, diese Spiele. Alba ist jetzt da, wo es sich zugehörig fühlt, unter den Großen Europas. Natürlich bestehe die Gefahr, "dass uns der Sprit ausgeht. Wir können weniger trainieren, müssen mehr über die Spiele zusammenfinden. Das ist unser Weg jetzt." Aber es komme ihm nicht in den Sinn, ob die Belastung sich in der Meisterschaft störend auswirken könne. Baldi nimmt ein Beispiel aus dem Basketball zu Hilfe, um die Situation zu erklären, in der sein Verein jetzt steckt. Wenn ein Spieler sich einen Rebound greifen könne, müsse er schnell zupacken, dürfe nicht lange überlegen – "sonst ist er weg. Wir haben jetzt diese Gelegenheit, und das ist eine riesige Herausforderung. Aber natürlich nehmen wir sie an."

Auch Sasa Obradovic scheint sich mit der Situation anfreunden zu können. Als Trainer von RheinEnergie Köln war er 2006/2007 in der Vorrunde gescheitert, im zweiten Anlauf ist nun auch er einen Schritt weiter. "Wir werden weniger Druck haben", sagt er, "jeder Sieg gegen einen dieser Gegner wird wie ein Geschenk sein. Wir haben nichts zu verlieren." Vielleicht dann auch ein bisschen weniger zu meckern.

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