Basketball
Für Alba Berlin ist die Saison nur die Hälfte wert
Nach der Heimniederlage im entscheidenden fünften Play-off-Halbfinale gegen die Telekom Baskets Bonn ist die Saison für den noch amtierenden Basketball-Meister Alba Berlin früher beendet als erwartet. Morgenpost Online sprach mit Geschäftsführer Marco Baldi über die Folgen des Ausscheidens.
Von Dietmar Wenck
Morgenpost Online: Herr Baldi, wie erklären Sie dieses Ende der Saison?
Marco Baldi: Das jetzt gleich zu erklären, ist natürlich schwierig. In so einer Serie entscheidet: Wer spielt seine Qualitäten aus? Bonn hat heute seine Qualitäten ausspielen können, hat den Rebound dominiert. Und hat ohne großes Mannschaftsspiel, aber mutig eins gegen eins gespielt mit dem Risiko, auch nicht zu treffen. Heute haben sie alles getroffen. Insofern muss man das einfach akzeptieren und sagen: Glückwunsch nach Bonn! Was uns betrifft, bei uns waren heute einige Spieler krampfig unter dem Druck der großen Aufgabe. Deshalb versucht man als Favorit immer, solche Entscheidungsspiele möglichst zu vermeiden. Wenn es doch dazu kommt, musst du alles aufs Feld bringen, was du hast. Und das war heute bei uns nicht der Fall.
Morgenpost Online: Wie lautet Ihr Resümee nach dieser Spielzeit?
Marco Baldi: Es waren alle Voraussetzungen da, eine ganz große Saison zu spielen. Wir haben den Umzug in die O* World mit extrem kurzer Vorbereitungszeit gewagt. Das Ergebnis hat die Erwartungen weit übertroffen. Wir haben Basketball in Deutschland in einer völlig neuen Dimension angeboten. Wir haben in Europa eine gute Figur abgegeben, den deutschen Pokal gewonnen, haben gezeigt, dass wir da sein können, wenn es drauf ankommt. Aber der krönende Abschluss hat gefehlt. Ohne Meisterschaft ist die Saison nur die Hälfte wert.
Morgenpost Online: Das heißt wohl, dass Sie nächste Saison nicht in der Europaliga spielen. Was bedeutet das für Alba Berlin?
Marco Baldi: Das war unser Ziel. Es nicht erreicht zu haben, ist ein schwerer Schlag. Natürlich hat der Eurocup, in dem wir jetzt spielen, eine andere Ausstrahlung als die Euroleague. Das macht alles endlos viel schwieriger für uns auf unserem Weg. Es bricht jetzt hier nicht alles zusammen, das Haus Alba steht und ist kein wackeliges Gebilde. Aber der verlorene Titel hat Auswirkungen auf unser Budget, auf die Zusammenstellung der Mannschaft, gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Situation. Die Krise trifft auch uns. Wir haben große Ziele in Europa, um die zu erreichen, muss man eher draufsatteln. Doch das wird nun im nächsten Jahr nach heutiger Einschätzung nicht möglich sein.
Morgenpost Online: Es heißt, Sie würden noch auf eine Wildcard für die Europaliga hoffen.
Marco Baldi: Wir müssen erst mal davon ausgehen, dass wir nicht Europaliga spielen. Wenn sich eine Lücke ergibt, werden wir so schnell wir können da sein. Aber das versuchen andere auch.
Morgenpost Online: Sie haben den Vertrag mit Trainer Luka Pavicevic schon vor dem Play-off verlängert. Sagen Sie jetzt: eine richtige Entscheidung? Obwohl er jetzt auch zum Teil recht heftig kritisiert wird?
Marco Baldi: Es gab noch nie einen Alba-Trainer, der außerhalb der Kritik stand. Damit muss man leben. Aber für die Hexenjagd auf ihn habe ich kein Verständnis. Wir haben ja nicht mit Luka verlängert, weil wir gedacht haben: Wir werden sowieso Meister. Uns war schon klar, dass das kein Selbstläufer wird. Wir sind hundertprozentig überzeugt von seiner Arbeit und seiner Einstellung. Er ist ein Glücksfall für Alba Berlin und den deutschen Basketball.
Morgenpost Online: Ihm wird vorgeworfen, er würde zu wenig auf deutsche Spieler setzen.
Marco Baldi: Ja, viele werfen ihm das vor. Die Kritik kommt auch aus Bonn. Komisch ist nur: Jedes Mal, wenn wir sagen, lasst uns die Quote erhöhen, dann stimmt Bonn dagegen. Lassen wir das. Es geht auch nicht nur darum, auf Quoten zu schauen, sondern darum, viele Spieler zum Basketball zu bringen. Und Trainer auszubilden. Wir stecken sehr viel Arbeit in beide Bereiche, ich glaube, mehr als jeder andere.
Morgenpost Online: Wie muss sich die Mannschaft nächste Saison verändern? Was fehlt noch?
Marco Baldi: Das kann ich heute nicht sagen. Unsere Mannschaft von diesem Jahr hatte alles. Herz. Individuelle Qualitäten, die in dem mannschaftlichen Konzept unseres Trainers meistens auch aufgegangen sind. Nur: Wenn man dann nicht Meister geworden ist, kann eben doch nicht alles richtig gewesen sein.
Morgenpost Online: Haben Sie jetzt schon ein neues Ziel?
Marco Baldi: Erst mal müssen wir uns berappeln und sehen, in welchem europäischen Wettbewerb wir spielen. Vom Meistertitel will ich in diesem Moment nicht reden. Aber klar ist: Wir werden wieder attackieren.
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