71:82-Pleite
Aus für Alba - Titelverteidiger scheitert gegen Bonn
Für Alba ist der Traum von der neunten Meisterschaft und dem fünften Double-Gewinn geplatzt. Im entscheidenen fünften Spiel der Halbfinalserie unterlagen die Berliner in der ausverkauften O2 World mit 71:82 gegen die Telekom Baskets Bonn.
Von Frank Weiss
In den letzten Minuten des Spiels schien Marco Baldi immer tiefer auf seinen Sitz hinter der Werbebande zu rutschen. Der Geschäftsführer von Alba Berlin mochte nicht mehr mit ansehen, wie sein Team die Halbfinalserie um die deutsche Basketballmeisterschaft verlor. Zwei Spiele hatten die Berliner gegen die Baskets Bonn aufgeholt, sich in ein entscheidendes fünftes Spiel gerettet, um dann in ausverkaufter Halle vor 14.800 Zuschauern in der O2 World mit 71:82 (31:42) zu verlieren. Das Hauptziel der Saison, die Titelverteidigung, haben die Berliner damit verpasst. "Ich glaube immer noch, wir sind das bessere Team", sagte ein enttäuschter Casey Jacobsen. "Doch Bonn hat es bewiesen. 20 Punkte Rückstand gegen Bonn sind ein bisschen zu viel."
Als Luka Pavicevic um 20.05 Uhr die Arena betrat, gab es zunächst eine herzliche Begrüßung mit Bonns Coach Michael Koch. Eine Geste, die wohl auch vom Respekt für den Gegner geprägt war. Denn beiden Übungsleitern war natürlich bewusst, nach den folgenden 40 Minuten würde eine extrem spannende und umkämpfte Halbfinalserie zu Ende gehen. Und wie in den Partien zuvor, war auch Spiel fünf von der ersten Minute an Intensität kaum zu überbieten. Alba ließ Bonn mit einer aggressiven Verteidigung erneut kaum zum Zug kommen, konnte sich dabei allerdings nur einen kleinen Vorsprung erarbeiten. Schließlich wissen auch die Gäste zu verteidigen. Dennoch schien es beim Stand von 13:7 Mitte des ersten Viertels ganz gut für die Berliner zu laufen.
Als Bonn plötzlich auch die schwersten Würfe traf
Nach 15 Spielminuten jedoch kam ein Bruch in das Alba-Spiel. Sie konnten die hohe Intensität nicht aufrechterhalten. Nun folgte etwas, das den Berlinern schon bei der Niederlage im ersten Spiel wehtat: Bonn traf plötzlich auch die schwersten Würfe. Bis zur Pause verwandelten sie fünf von sechs Dreipunktwürfen. Mit jedem Treffer kam mehr Sicherheit in das Spiel der Gäste, während Alba zunehmend nervöser wurde. Zur Pause hatte Bonn nach einer 12:0-Serie beim Stand von 31:42 damit schon drei Punkte mehr erzielt als im gesamten dritten Spiel.
Der dritte Durchgang begann mit einem Ballverlust von Alba erneut alles andere als ideal. Bonn schien die Halbzeitpause nicht aus dem Rhythmus gebracht zu haben. Winsome Frazier traf einen unglaublichen Dreier aus rund acht Metern. Vincent Yarbrough legte direkt den neunten Distanztreffer im zehnten Versuch nach – Alba lag da mit 35:55 hinten. Pavicevic nahm eine Auszeit. Angefeuert von den Fans bissen sich die Berliner zurück in die Partie. Bonn wiederum übertrieb es nun mit den Würfen aus der Distanz. Alba dagegen ließ sich nicht dazu hinreißen mit Dreiern die Aufholjagd erzwingen zu wollen. Sie spielten ihre Systeme durch und der Rückstand schmolz etwas. Mit einem 48:55 ging es schließlich in den Schlussabschnitt.
Freiwürfe in der entscheidenden Phase nicht genutzt
Turbulente Szenen spielten sich dann zu Beginn dieses Viertels ab. Steffen Hamann wollte mit einem Hechtsprung den Ball erobern, konnte ihn nicht kontrollieren, so dass bald alle Spieler auf dem Parkett der Kugel hinterher sprangen. Mangelnden Einsatz konnte man keinem der Akteure vorwerfen. Bonn spielte nun wieder überlegter und nicht so überheblich im Abschluss. Es war dann ausgerechnet der übergewichtige Center John Bowler, der nach vier Fehlversuchen wieder aus der Distanz für die Gäste traf. Ein für Alba schmerzhafter Treffer zum 53:63.
Noch waren da jedoch sieben Minuten zu spielen. Die Berliner fanden jedoch keine Sicherheit mehr in ihrem Spiel. So wurden auch zu viele Freiwürfe in der entscheidenden Phase der Partie nicht genutzt. So konnte der Rückstand nicht mehr aufgeholt werden. "Da hatten wir das Zurückkommen wohl schon überstrapaziert", sagte Sportdirektor Henning Harnisch. Mit versteinerter Miene und einem kurzem "Good job" gratulierte Luka Pavicevic seinem Gegenüber Michael Koch, während im Hintergrund die Bonner Spieler den Finaleinzug feierten.
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