10.11.12

Basketball

Was Alba noch von der europäischen Spitze trennt

Beim 76:78 gegen Maccabi Tel Aviv haben die Berliner viel Herz gezeigt. Am Ende fehlten Impulse von der Bank und vor allem Erfahrung.

Von Theo Breiding
Quelle: BMO
10.11.2012 7:17 min.
Alba Berlin hat in der Europaliga gegen den haushohen Favoriten Maccabi Tel Aviv nach großem Kampf mit 76:78 verloren. Die Spieler Zach Morley und Nihad Djedovic kommentieren die Partie.

Wir werden nie erfahren, was David Blatt gesagt hätte, wenn der Distanzwurf von Heiko Schaffartzik in letzter Sekunde im Korb gelandet und er nicht noch einmal davon gekommen wäre. So aber blieb Maccabi Tel Aviv in der Europaliga auch im fünften Spiel ungeschlagen und der Coach setzte dennoch zu einer Lobeshymne auf die Gastgeber an.

Es sei das "erwartet schwere Spiel, aber auch ein Vergnügen gewesen", sagte Maccabis Coach nach Albas hauchdünner 76:78-Niederlage. Berlins Mannschaft sei "gut geführt und diszipliniert. Ein so gutes Team mit so einer fantastischen Arena und Atmosphäre gehört zu den Besten Europas. Ich hoffe und glaube, dass die Mannschaft es in die nächste Runde schaffen wird. Ich bin Alba-Fan – zumindest bis zum Rückspiel."

Alba fängt sich nach 0:12-Start

Blatt ist nicht nur ein unterhaltsamer Redner, sondern ein Mann, der auf Hunderte von Spielen auf allerhöchstem internationalem Niveau zurückblicken kann. Er trainierte europäische Topteams wie Efes Pilsen Istanbul, Benetton Treviso oder auch Dynamo Moskau, ist seit über zehn Jahren in der Euroleague zu Hause. Als Russlands Nationaltrainer wurde er 2007 Europameister und gewann bei den Spielen in London in diesem Jahr Bronze.

Nun hat sein Gegenüber Sasa Obradovic als Spielmacher von Welt- und Europameister-Mannschaften und Meistertrainer in Deutschland und der Ukraine auch nicht gerade wenig erlebt. Der Unterschied an Erfahrung machte sich auch viel eher bei den Akteuren auf dem Parkett bemerkbar. Und zwar gleich, als Alba mit 0:12 startete. "Der Druck liegt in der Euroleague immer zuerst auf der Heimmannschaft, wir waren locker und Alba fest", erklärte Blatt. "Als sich die Berliner dann aber gefangen hatten, haben sie die Partie auch gleich übernommen."

Berlinern fehlt die Routine

Die Geschichte von Albas misslungenem Start lässt sich am besten an Nihad Djedovic erzählen. Der Bosnier wurde nach Patzern bereits nach einer guten Minute unter den üblich herben Beschimpfungen Obradovics vom Feld genommen. Im zweiten Viertel machte er dann 14 seiner 17 Punkte und brachte Alba ins Spiel. Aber Djedovic ist 22 Jahre alt, wollte dann auch in der Folge mehrfach zu schnell zu viel und musste wieder pausieren. Maccabis Topscorer Devin Smith, 29 Jahre alt, war mit seinen 20 Punkten durchgängig präsent und am Ende der Mann für vier der letzten sechs Punkte der Gäste.

"Vor allem am Ende, als es darauf an kam, hatte Maccabi sehr erfahrene Spieler auf dem Feld", erklärte Djedovic. "Spieler, die wissen, wie man mit einer solchen Situation umgeht." Seine Auswechslung gleich zu Beginn empfand er als normal. Wo er herkomme, werde man nach solchen Fehlern grundsätzlich angebrüllt. "Für unseren Coach zu spielen, ist nicht einfach, weil er sehr präzise Vorstellungen hat. Aber nicht nur ich bin zurückgekommen, sondern die ganze Mannschaft. Und wir hatten den letzten Wurf, mit dem wir hätten gewinnen können."

Rabenschwarzen Tag für Albas Schaffartzik

Nun hatte Maccabi nicht nur die erfahreneren Spieler, sondern auch mehr davon. Von Blatt bekamen zehn Spieler mehr als zehn Minuten Spielzeit, Obradovic setzte acht Spieler ein. Maccabis Taktik war "Deon Thompson und DaShaun Wood aus dem Spiel zu nehmen, was uns in der ersten Hälfte auch ganz gut gelang", erklärte der Gäste-Coach. Wenn dann Heiko Schaffartzik als Schütze einen rabenschwarzen Tag hat, was passieren kann, ist die Zahl derer, die den Karren ziehen können, überschaubar. Schaffartzik, ansonsten in allen Belangen mit tadellosem Spiel, traf nur einen von zwölf Würfen – geradezu folgerichtig auch den in letzter Sekunde nicht.

Dass die Personaldecke auf höchstem Niveau so dünn ist, hat auch mit Pech zu tun. Pech, das zwei, die hätten helfen können, besonders schwer traf. Nathan Peavy ist einer, der sowohl unter dem Korb als auch aus der Distanz für Gefahr sorgen könnte, doch er verletzte sich noch während der Saisonvorbereitung schwer.

Peavy fehlt Albatrossen und muss erneut operiert werden

Nachdem zuerst ein Impressionsbruch des Oberschenkelknochens operativ versorgt werden musste, wurde am Freitag am gerissenen Kreuzband des rechten Knies operiert. Brian Randle, als durchaus hoffnungsvoller Ersatz für zwei Monate verpflichtet, läuft mit einer gereizten Plantarsehne des linken Fußes im Gummischuh – Prognose: ungewiss.

Die Frage, was wäre wenn, stellt sich im Spitzensport nun mal nicht, wenn über Sieg und Niederlage längst entschieden ist. Maccabi spielt am Sonntag zu Hause gegen Hapoel Gilboa/Galil, Alba beim Mitteldeutschen BC.

"Diese Niederlage darf uns nicht nachhängen", forderte Obradovic halb enttäuscht, halb stolz. "Wir hätten gewinnen können, und wenn man gegen einen solchen Riesengegner bis zur letzten Sekunde im Spiel ist, darf man nicht unzufrieden sein." Sein Fazit: "Daraus lernen und am Sonntag wieder so spielen."

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