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05.06.09

Basketball-Bundesliga

Verspielt Alba die Europaliga?

Nur der Meistertitel sichert die Duelle mit den Besten des Kontinents. Doch die Hoffnungen auf eine Wildcard könnten sich für Alba zerschlagen. Wollen die Berliner in die Europaliga einziehen, müssen sie die kommenden drei Spiele gewinnen.

© dpa
Alba Berlin
Das Play-off verläuft ganz anders, als sich Luka Pavicevic und Alba Berlin das vorgestellt hatten

Die Deutsche Meisterschaft und damit das erneute Erreichen der Europaliga ist das wichtigste Saisonziel Alba Berlins. Der Basketball-Verein aus der Hauptstadt will sich auf dem ganzen Kontinent präsentieren, wie es in der vergangenen Saison mit dem Erreichen der Top 16 und einem Zuschauerdurchschnitt von 11.264, dem zweitbesten Wert in Europa, gelungen ist. Nach einer erfolgreichen Titelverteidigung sieht es aber momentan nicht aus. Die Berliner liegen im Play-off-Halbfinale gegen die Telekom Baskets Bonn nach zwei Spielen mit 0:2 zurück. Samstagabend (20 Uhr) kämpfen sie in der O2 World um ihre letzte Chance, im Rennen zu bleiben und ein viertes Spiel am Dienstag in Bonn zu erzwingen (live im Morgenpost-Ticker) .

Diese Aufgabe erscheint auch angesichts der Verletzungsprobleme Albas als schwierig. Immanuel McElroys Einsatz ist wegen verschiedener Blessuren eher unwahrscheinlich, Rashad Wright kann spielen, aber nur unter Schmerzen, nachdem er sich vor drei Tagen in Bonn einen Finger ausgerenkt hatte. Umso mehr werden die Pläne in der Euroleague-Zentrale in Barcelona, die europäische Top-Klasse neu zu strukturieren, mit Interesse verfolgt. Besonders das Gerücht, es werde eine Wildcard vergeben, weckt Hoffnungen. Denn Alba, mit seiner professionellen Organisation, den vielen Fans in der O* World und dem glanzvollen Final Four Anfang Mai, scheint ein Anwärter auf diese Wildcard zu sein. So verkündet Albas Aufsichtsratsvorsitzende Axel Schweitzer trotz der schwierigen sportlichen Lage verblüffend optimistisch: "Ich bin sicher, dass wir auch in der nächsten Saison in der Europaliga spielen."

TV-Markt ist das Problem

Die Pläne sind so gut wie fertig. 2009/2010 soll es für die Europaliga 13 A-Lizenzen geben für Klubs, die langfristig einen Startplatz erhalten. Dies sind Champion Panathinaikos Athen, Olympiakos Piräus, Real Madrid, FC Barcelona, Tau Vitoria, Unicaja Malaga, ZSKA Moskau, Maccabi Tel Aviv, Montepaschi Siena, Lottomatica Rom, Fenerbahce und Efes Istanbul sowie Zalgiris Kaunas. Dazu kommen acht B-Lizenzen für ein Jahr, die vorrangig an nationale Titelträger gehen – wie den Deutschen Meister. Acht Teams (keines aus Deutschland) bewerben sich in einem Qualifikationsturnier um weitere zwei Plätze. Die letzte der insgesamt 24 Lizenzen soll der Gewinner des Eurocups erhalten. Dies ist Lietuvos Rytas Vilnius. Doch die Litauer haben als Champion ihres Landes sowieso schon eine B-Lizenz erobert; deshalb wird es eine Wildcard geben.

"Ich gehe fest davon aus, dass es so kommen wird", sagt Jan Pommer, der als Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL) an den Beratungen teilgenommen hat. Er bestätigt, "dass Alba höchstes Ansehen in Europa genießt". Und doch macht Pommer den Berlinern nicht die größten Hoffnungen. "Gegen Alba spricht der deutsche Sport-TV-Markt." Während die Europaliga in anderen Ländern Millionenerlöse aus Fernsehübertragungen verzeichnet, ist Basketball in Deutschland ein Fall für Eurosport und das vor allem übers Internet empfangbare "BBL-TV".

Außerdem ist die neue Struktur eben noch nicht beschlossen – und die Entscheidungsfindung in den europäischen Basketball-Gremien meistens schwierig. Neidisch versuchen die großen Verbände in Spanien, Griechenland oder Frankreich, ihre Pfründe zu sichern. So könnte es dazu kommen, dass die Wildcard nicht nach sportlichen, sondern nach politischen Motiven erteilt wird. "Es gibt keine gesicherte Rechtslage dafür", sagt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi, "wir befassen uns nicht mit solchen Szenarien. Wenn wir nicht Meister werden, gibt es keinen Platz in der Europaliga – danach sieht es aus."

Platz im Eurocup ist sicher

Nur ein schwacher Trost wäre da, dass die Berliner immerhin mit einem Platz im zweitklassigen Eurocup (früher Uleb-Cup) planen können. Der ist ihnen aufgrund des BBL-Rankings sicher, in dem das Abschneiden in Play-off, BBL-Pokal und Hauptrunde mit Punkten belohnt werden. Und was wird, wenn die Oldenburg Baskets Meister werden, die keine Europaliga-taugliche Halle (mindestens 5000 Zuschauer) haben, und nicht nach Bremen umziehen wollen? "Der Vizemeister rückt nach", sagt BBL-Sprecher Dirk Kaiser. Die Euroleague-Regularien sehen aber etwas anderes vor: Dann greift eine Europa-Rangliste, der freie Platz würde an ein russisches Team vergeben. Und die Eliteklasse würde ganz ohne deutsches Team in die neue Saison starten.

Komplizierte Verhältnisse. Das Einfachste aus Alba-Sicht wäre, die Serie gegen Bonn doch noch zu drehen und Meister zu werden. Aber auch dieses Vorhaben stellt sich derzeit überaus kompliziert dar.

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