06.10.12

Basketball

Dirk Nowitzki ist heiß auf die neue Saison

Der NBA-Star spielt mit Dallas in Berlin. Vorher hat er noch die Morgenpost-Redaktion besucht - und über seinen Geburtstag gesprochen.

Foto: Reto Klar

NBA-Superstar in der Hauptstadt: Dirk Nowitzki spielt am Sonnabend mit seinen Dallas Mavericks in der O2 World gegen Alba Berlin. Einen Tag vorher schaute er noch...

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In diesen Tagen dreht sich in der Hauptstadt alles um den Basketball-Superstar aus der NBA. Einen Tag vor der Partie gegen Alba besuchte Nowitzki die Redaktion der Berliner Morgenpost – im Trainingsanzug im dunklen Van und mit Security.

Morgenpost Online: Wie haben Sie geschlafen mit den sieben Stunden Zeitunterschied auf der inneren Uhr?

Dirk Nowitzki: Na, ich bin ja mittlerweile ein erfahrener Reisender und hatte nach der Landung auch den ganzen Tag Action. Ein paar Jungs von uns haben am Nachmittag richtig lange geschlafen. Ich habe gesehen, dass Delonte (West, d.Red.) schon um vier Uhr rumgetwittert hat. Der hat überhaupt nicht geschlafen, und so sah er dann auch morgens beim Training aus. Wenn man sich am ersten Tag hinlegt, kommst du überhaupt nicht mehr rein.

Morgenpost Online: Zu einem Staatsbesuch fehlt eigentlich nur noch die Polizeieskorte für Sie.

Dirk Nowitzki: Ja, es ging schon los mit dem roten Teppich vor dem Hotel, da haben die Jungs mächtig gestaunt.

Morgenpost Online: Wird der Rummel oft zur Last oder können Sie den auch als Anerkennung genießen, für das, was Sie erreicht haben?

Dirk Nowitzki: Für mich ist es immer noch komisch, dass ich als Basketballer einen solchen Rummel in Deutschland auslöse. Das fasziniert mich und macht auch Spaß, wenn ich meinen Twitter checke und sehe, wie viele Fans morgen kommen. Und es macht mich auch stolz, dass respektiert und akzeptiert wird, was ich über die Jahre geleistet habe.

Morgenpost Online: Das Spiel gegen Alba war in einer Stunde ausverkauft, das schafft sonst nur U2.

Dirk Nowitzki: Ich habe gehört, es ging sogar noch schneller, das ist wirklich Wahnsinn. Ich glaube, wir hätten auch ein größeres Stadion füllen können. Es ist schön zu wissen, dass so viele Menschen an meiner Karriere teilnehmen wie auch letztes Jahr, als wir Meister geworden waren. Das hätte ich nie für möglich gehalten, was dann in Würzburg los war und wie viele Leute mir erzählt haben, dass sie nachts um drei oder vier aufgestanden sind, um die Spiele zu sehen und dann am nächsten Tag total platt zur Arbeit oder an die Uni gegangen sind. Das hat mir sehr viel bedeutet.

Morgenpost Online: Sie haben im Sommer geheiratet und waren vor dem Berlin-Besuch gerade mal zehn Tage in Dallas und erstmals an Heim und Herd zu Ihrer Frau zurückgekehrt. War das ein Unterschied, als Ehemann nach Hause zu kommen?

Dirk Nowitzki: Ein wenig schon. Wir hatten ja einen wunderschönen Sommer, haben viele tolle Sachen gemacht und erlebt. Ja, jetzt komme ich immer nach Hause zu meiner Frau. Die ist übrigens in Berlin und kommt auch mit zum Spiel, fliegt dann aber am Sonntag zurück und wir weiter nach Barcelona. Das wollte sie sich hier nicht entgehen lassen, und meine Familie ist auch aus Würzburg gekommen. Das ist für uns alle ein Riesenevent.

Morgenpost Online: Ihre Mannschaft hat sich sehr verändert. Wie ist das, wenn ein Neuer zum ersten Mal in die Kabine kommt, in der einer wie Sie ist, ein Superstar, der Dreh- und Angelpunkt des Teams ist? Geben die Ihnen erst mal schüchtern die Hand?

Dirk Nowitzki: Wir haben viele Junge, die sich gefreut haben, mich zum ersten Mal zu sehen. Ich bin ja erst spät nach Dallas gekommen. Den Respekt haben sie schnell abgelegt, im Training ging es jetzt schon ganz schön zur Sache. Es macht Spaß mit den Jungen, die wollen lernen. Wir hatten die letzten Jahre eine ältere Mannschaft, da hat jeder so seine Routine. Und die Jungen müssen ja erst ihre eigene Routine finden. Sie fragen viel und schauen sich viel ab, gucken, wie verhält er sich mit den Medien und mit der Öffentlichkeit. Vor dem Training, nach dem Training, wie macht er sich warm. Das musste ich ja auch alles machen, und da jetzt zu helfen, macht Spaß.

Morgenpost Online: Kaum jemand arbeitet so hart an sich. Steckt der Wille, unbedingt gewinnen zu wollen, noch immer in Ihnen?

Dirk Nowitzki: Im letzten Sommer hatte ich ein paar Probleme. Die EM kam zu früh, ich war nicht ganz fit. Danach war ich erst mal total durch mit dem Basketball, habe zweieinhalb Monate fast gar nichts gemacht. Der Sommer war dann nicht leicht. Ich habe dafür einen hohen Preis gezahlt. Ich habe sehr unkonstant gespielt, mein Knie war ständig geschwollen. Da war ich schon ziemlich angefressen, dass die Leute gesagt haben, vielleicht ist er zu alt, vielleicht kann er nicht mehr so. Deshalb bin ich jetzt richtig heiß, das gebe ich ganz offen zu. Jetzt macht es auch wieder richtig Spaß. Ab Mai habe ich Fitness gemacht. Ich will noch mal zeigen, dass ich gut und vor allem konstant spielen kann. Dass sich die Mannschaft auf mich verlassen kann.

Morgenpost Online: Die amerikanische Handelskammer nutzte Ihren Berlin-Besuch, um Ihnen den Transatlantic Partnership Award zu verleihen. Der Letzte, der den Preis erhielt, war Bill Gates.

Dirk Nowitzki: Ich habe von den letzten fünf, sechs Preisträgern gehört. Das ist schon komisch, wie ich als Sportler da reinpasse. Dass ich einen Ball in einen Korb werfen und damit so viele Leute begeistern kann, ist manchmal schwer zu verstehen. Natürlich ist das eine wahnsinnige Ehre für mich und ein komisches Gefühl zugleich.

Morgenpost Online: Dr. Eric Olsen, ein Molekularbiologe aus Texas, hielt die Laudatio. Was verbindet Sie beide?

Dirk Nowitzki: Meine Frau, damals noch meine Freundin, hat in Dallas eine Überraschungsparty zu meinem Geburtstag organisiert. Dafür hat sie allerhand Leute eingeladen, die nicht nur Basketball im Kopf haben, sondern auch ein bisschen mehr. Also hat sie auch drei Nobelpreisträger eingeladen, und die kamen alle drei. Und auch Dr. Olsen, ein Riesen-Basketballfan. Dass er das jetzt gemacht hat, passt.

Morgenpost Online: Er sagte, Sie würden das Beste der USA und Deutschlands repräsentieren. Da kann man nur gratulieren.

Dirk Nowitzki: Danke. Ich muss sagen, dass ich mich auf beiden Plätzen gut eingelebt habe und vieles mitgenommen habe: Hier die Kultur, Disziplin und Bodenständigkeit, dort mehr das relaxte Leben, dieses layed back. Ich habe das ein bisschen kombiniert. Geehrt werde ich natürlich vor allem wegen der zwei Stiftungen, die ich habe, wo wir über die Jahre viele gute Sachen gemacht haben.

Morgenpost Online: Wenn wir beide zwei talentierte, junge Basketballer wären und von der NBA träumen, was würden Sie uns raten?

Dirk Nowitzki: Zunächst einmal, den Schulabschluss zu machen. Man weiß nie, was mit der Karriere passiert. Einmal das Knie kaputt, und schon ist alles vorbei. Dann muss man etwas haben, auf das man zurückgreifen kann. Diese Nachricht gebe ich immer weiter, wenn ich mit Kids spreche, wo auch immer auf der Welt ich bin. Und im Basketball sollte es erst mal nur um Spaß gehen. Wenn man 16, 17, 18 ist und sieht, dass da Potenzial ist, dann muss man Trainingsstunden reinhängen. Das war auch für mich früher nicht immer schön, wenn ich jeden Tag mit meinem Golf zwei zum Training gefahren bin.

Morgenpost Online: Und wenn wir dann genommen werden, wenn wir es in die NBA schaffen – was erwartet uns dann?

Dirk Nowitzki: Routine finden. Viel zuschauen bei Älteren. Ich hatte damals das Glück, viele Leute in Dallas vorzufinden, von denen ich mir viel abschauen konnte. Wie man in ein Spiel geht, wie man sich in der Öffentlichkeit verhält, viele Dinge. In den ersten zwei Jahren muss man so viel lernen, wie es nur geht. Spielsituationen lernen, Systeme kennen. Und man muss sich kulturell natürlich zurechtfinden. Das war für mich am Anfang auch schwer, weg von der Familie zu sein. Das hat eine Weile gedauert, bis ich mich zurechtgefunden habe.

Morgenpost Online: Was dürfen wir von dem Spiel gegen Alba erwarten?

Dirk Nowitzki: Ich habe Mithat Demirel getroffen, und er hat mich gefragt, was wäre, wenn wir verlieren würden. Ich habe ihm gesagt, dass wir uns das nicht leisten können, ganz einfach. Ich glaube, dass es ein gutes Spiel wird. Klar, haben wir erst vier, fünf Tage trainiert. Aber ich will hier in Deutschland mit Dallas natürlich nicht verlieren. Wir werden versuchen, unseren besten Ball zu spielen. Ich freue mich drauf.

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