15.05.12

Basketball

Alba braucht jetzt ein Wunder im Play-off

Berlins Basketballern droht das Aus. Sie können es aber abwenden – wie diese Saison schon die Volleys, Füchse und Eisbären.

Quelle: BMO
14.05.12 2:09 min.
Die Basketballer von Alba Berlin stehen vor dem Aus.

Sätze, die mit "Alba könnte" oder "Alba müsste" anfangen, sind nicht mehr gefragt. Die Zeit der Konjunktive ist vorbei. Wenn Berlins Basketballteam am Dienstag um 19 Uhr in der s.Oliver-Arena in Würzburg aufläuft, zählt nur noch eines: ein Sieg. Sonst ist die Saison vorbei. Denn nach zwei Niederlagen in Folge liegt Alba in der Best-of-five-Serie des Viertelfinales mit 1:2 Siegen zurück. Das Team muss jetzt können, nämlich den Matchball der Würzburger abwehren, um ein entscheidendes fünftes Spiel am Donnerstag in der heimischen O2 World zu erzwingen.

"Die Wahrheit kommt immer", sagt Geschäftsführer Marco Baldi. In schwierigen Situationen zeige sich die Mentalität: "Schwieriger kann unsere Situation nicht werden. Wir haben in dieser Saison mehrfach bewiesen, dass wir begeisternden Basketball spielen können, aber darum geht es jetzt nicht mehr." Albas starker Mann spricht stattdessen von einer "inneren Überzeugung" und von einer "Opferbereitschaft" jedes einzelnen, die, da sein Team "mit dem Rücken zur Wand" steht, vonnöten seien. "Die Vorzeichen sind aber alles andere als gut", räumt Baldi ein.

Anders gesagt: Nach den beiden vergangenen Spielen gegen Würzburg, in denen Berlin mit 66:79 und 84:91 klar den Kürzeren zog, braucht Alba schon so etwas wie ein Wunder, um die Serie zurück in die Hauptstadt zu bringen. Was sicherlich schwierig sein wird, aber auch nicht unmöglich. Gerade Berliner Teams haben in jüngster Vergangenheit gezeigt, dass man nicht unbedingt auch stürzen muss, wenn man am Abgrund steht.

Drei Wunder "Made in Berlin"

Die BR Volleys wehrten im fünften Satz des alles entscheidenden fünften Finalspiels zwei Matchball ab, bevor der Block von Scott Touzinsky auf das Hachinger Parkett tropfte und er und sein Team als deutscher Meister mit Freudensprüngen durch die Halle tobten. Am gleichen Tag lagen die Berliner Eisbären in Mannheim im vierten Finalspiel 14 Minuten mit 2:5 zurück. Sie glichen dann in der regulären Spielzeit noch zum 5:5 aus, gewannen 6:5 und wurden zwei Tage später – Sven Felski feierte sein 1000. Spiel – zum sechsten Mal in acht Jahren Meister. Auch die Handball-Füchse machten nur eine Woche nach den Wundern von Haching und Mannheim Unmögliches noch möglich. Sie hatten das Hinspiel der Champions League im spanischen Leon am Wochenende zuvor mit einer Differenz von elf Toren verloren. Das noch zu reparieren, galt als aussichtslos. Aber das dritte Wunder "Made in Berlin" binnen einer Woche geschah. Die Füchse gewannen 29:18 und zogen ins europäische Final Four.

"Grundsätzlich ist ja im Sport fast immer alles möglich. Sicherlich ist es mit dem eigenen Publikum im Rücken einfacher, mit vollem Selbstvertrauen an die Sache heran zu gehen", sagt Mithat Demirel. Wichtig sei, "dass die Mannschaft an ihre Stärke, mit der sie ja viele Spiele gewonnen hat, glaubt. Und diesen Glauben darf man nie verlieren. Dann ist man zu vielem fähig und wird irgendwann das Glück erzwingen, das bislang fehlte."

Albas Sportdirektor hat als Spieler nicht nur Wunder miterlebt, sondern war auch für sie zuständig. Im deutschen Pokalfinale 2003 dribbelte er in 4,6 Sekunden vom eigenen Korb zu dem der Kölner, versenkte mit links und der Schlusssirene einen Korbleger und führte Alba zum Titel. Zwei Jahre zuvor war Demirel Spielmacher der Nationalmannschaft, die bei der EM in Antalya gegen Griechenland nach zwölf Minuten 10:32 zurücklag. Deutschland wehrte das Debakel nicht nur ab, sondern gewann 80:75, beendete das Turnier als Vierter und qualifizierte sich für die Weltmeisterschaften 2002 in Indianapolis, wo das Team dann Bronze gewann.

"Schlaue Worte" helfen nicht

Die Ausgangsposition für Alba sei jetzt "schwierig", die Bedingungen "erschwert", erklärt Demirel, und "schlaue Worte" von denen, die so etwas schon erlebt hätten, würden jetzt nicht helfen. "Die Spieler wissen alle selbst, worum es geht und haben es in dieser Saison auch schon bewiesen. Das, was wir brauchen, wird auch kein einzelner schaffen, das geht nur als Mannschaft."

Die aber wirkte am Sonntag ängstlich und war weit entfernt davon, mit der gleichen Intensität zu Werke zu gehen wie die Würzburger. "Wir haben sie vor allem im zweiten Spiel extrem aufgebaut", gibt Demirel zu. "Wir haben versucht, Basketball zu spielen, und das haben die Würzburger nicht zugelassen. Dann wurden wir überrannt. Jetzt haben sie enormes Selbstvertrauen." Das Momentum sei nun auf Seiten der Franken, deren Stil es ist, dem Gegner zu allererst Rhythmus zu nehmen, sagt Demirel. "Wir haben uns selbst in die Lage gebracht und müssen es jetzt halt auch unter diesen Bedingungen schaffen und versuchen, dort trotz allem zu gewinnen."

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