Basketball
Für Alba-Spieler Kalampokis ist Otto Rehhagel ein Held
Der griechische Basketballer Kalampokis spricht über die Lage in der Heimat, seine Zeit bei Alba Berlin und Hertha-Trainer Otto Rehhagel.
Als Ioannis Kalampokis Ende Februar mitten in der Schuldenkrise von PAOK Saloniki zu Alba Berlin wechselte, betonte er, dass nicht etwa finanzielle Schwierigkeiten seines alten Klubs der Grund für seinen Abschied gewesen wären, sondern allein die sportliche Perspektive. Für PAOK gab es im Eurocup und in der griechischen Liga nichts mehr zu gewinnen. Bislang ist die Rechnung des 33-Jährigen aufgegangen. Albas Chancen auf die Meisterschaft sind nach dem Auftaktsieg im Viertelfinale gegen Würzburg noch intakt. Am heutigen Mittwoch (19 Uhr) treten die Berliner zum zweiten Spiel der Best-of-five-Serie bei den Franken an. Morgenpost Online sprach mit Kalampokis.
Morgenpost Online: Sie spielten noch für PAOK, als Alba Anfang Januar in Würzburg mit 65:84 die höchste Saisonniederlage kassierte. Was haben Ihre Kollegen über die Stimmung dort erzählt?
Ioannis Kalampokis: Dass es da sehr schwierig ist zu spielen, gegen einen sehr aggressiven Gegner, in einer sehr aggressiven Atmosphäre. Aber ich glaube, der psychologische Vorteil liegt jetzt bei uns. Wir haben sie in der Hauptrunde und jetzt zweimal hintereinander geschlagen. Wir sind taktisch gut vorbereitet, es wird auf unsere mentale Einstellung ankommen.
Morgenpost Online: Kann Sie denn noch etwas erschüttern? In Griechenland werden Gegner ja schon mal bespuckt und mit Münzen beworfen.
Ioannis Kalampokis: Da spielt man oft in so kleinen Hallen wie der in Würzburg. Ich glaube aber, die Fans hier sind nicht ganz so fanatisch. In Griechenland übertreiben sie es ab und an, hier unterstützen sie mehr ihre eigene Mannschaft wie auch bei uns. In so einer Atmosphäre zu spielen, macht Spaß.
Morgenpost Online: Am Sonntag wurde in Ihrer Heimat gewählt. Die Parteien, die den Sparkurs durchsetzten, verloren massiv Stimmen. Die Ultra-Rechten gewannen, die radikale Linke wurde zweitstärkste Partei. Alle Versuche, eine Regierung zu bilden, schlugen bislang fehlt. Haben Sie gewählt?
Ioannis Kalampokis: Nein, aber ich verfolge die Situation.
Morgenpost Online: Ist das ein schlechtes Wahlergebnis?
Ioannis Kalampokis: Nein, und zwar aus einem ganz einfachen Grund. Es war eine demokratische Wahl und das Ergebnis muss man respektieren. Ich glaube aber, dass die Entwicklung auf Neuwahlen hinausläuft.
Morgenpost Online: Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Ihren Freunden zuhause darüber?
Ioannis Kalampokis: Fast jeden Tag. Denen geht es wie mir, und ich glaube, wie den meisten Menschen in Griechenland. Niemand weiß im Moment so richtig, was gut und was schlecht für unser Land ist. Wie gesagt, ich bin mir ziemlich sicher, dass noch in dieser Woche die Entscheidung für eine neue Wahl Mitte Juni fallen wird.
Morgenpost Online: Zurück zum Sport: Ihre Rolle bei Alba ist eine andere als sie es in Saloniki war. Für PAOK spielten sie rund 26 Minuten pro Partie, hier nur etwa die Hälfte. Wie kommen Sie damit zurecht?
Ioannis Kalampokis: Ich bin hier, um zu helfen. Als ich kam, war die Mannschaft ja völlig intakt und spielte erfolgreich. Ich bin hier, um kleine Schwächen zu beheben. Ich habe jetzt schon eine andere Rolle, aber ich fühle mich voll integriert, rede viel mit den Trainern, die Mannschaft hilft. Ich versuche, dass, was ich mache, richtig zu machen.
Morgenpost Online: Wissen Sie eigentlich, dass Sie in der gleichen Stadt mit einem großen Volkshelden aus Griechenland leben?
Ioannis Kalampokis: Mit wem?
Morgenpost Online: Mit Otto Reh…
Ioannis Kalampokis: Ja, natürlich Otto Rehhagel. Er ist wirklich ein Held. Als er unser Team zum EM-Sieg geführt hat, hat er wirklich jeden, und ich meine nicht nur die Fans, mitgerissen. Man hatte auch keine andere Chance, in den Zeitungen, im Fernsehen, alles drehte sich um Fußball und ihn. Es war ein historisches Ereignis und Fußball ist die bei weitem beliebteste Sportart. Otto Rehhagel ist bei uns beliebt und berühmt, und ich wünsche ihm für das Play-down mit Hertha viel, viel Glück.















