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24.01.13

Das Baugewerbe hat Nachwuchsmangel.

Dabei sind die Einstiegsmöglichkeiten vielfältig, die Berufsaussichten gut.

Von Andreas Monning
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Ronny Babenscheider schätzt seinen Arbeitsplatz auf dem Bau. Nach dem Schulabschluss mit Mittlerer Reife absolvierte der heute 25-Jährige zwar zunächst eine Ausbildung zum Fachlageristen, orientierte sich aber gleich im Anschluss neu: Er lernte Tiefbau Facharbeiter, Spezialisierung Rohrleitungsbau. Heute arbeitet der Geselle beim Teltower Unternehmen TRP-Bau, das sich unter anderem auf Kanal-, Druckrohrleitungs- sowie Straßenbau spezialisiert hat.

"Man kommt viel rum", erläutert Babenscheider seine Motivation, frühzeitig einen beruflichen Schwenk zu vollziehen. Noch wichtiger aber: Im Baugewerbe habe man viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Man kann beispielsweise den Schweißerpass machen, Expertenwissen in Trafostationen oder Gasanlagen zu erlangen reizt ihn ebenfalls. "So eröffnet man sich Perspektiven", sagt Babenscheider.

Hartes Klima

Im seinem Job übernimmt der Rohrleitungsbauer vor allem die Vorbereitung von Baustellen. Jetzt im Winter, wo witterungsbedingt die Auftragslage dünner wird, kümmert er sich als Springer auf mehreren Baustellen um die Abschlussarbeiten wie das Entfernen von Material und die Wiedererstellung von Oberflächen. Dass sein Arbeitgeber ihn in der kalten Jahreszeit freistellt, muss er nicht befürchten. "Dank des Saison-Kurzarbeitergeldes gibt es bei uns im Winter keine witterungsbedingten Kündigungen", sagt Margitta Hering, Personalleiterin bei TRP-Bau.

"Die Unternehmen der Baubranche sind äußerst bemüht, ihre Beschäftigten nicht zu verlieren", bestätigt Axel Wuschel, Geschäftsführer des Bauindustrieverbandes Berlin Brandenburg. Der drastische Stellenabbau durch die Automatisierung der Branche, die seit Mitte der neunziger Jahre nachhaltig für Verunsicherung gesorgt habe, gehöre der Vergangenheit an. Im Zuge der sogenannten Baukrise sank die Beschäftigtenzahl von 715.000 Arbeitnehmern auf knapp die Hälfte, vor allem gering qualifizierte Beschäftigte verloren ihre Stelle. Die Konsolidierungsphase ist aber weitestgehend abgeschlossen, die Baubranche bietet wieder zukunftssichere Arbeitsplätze.

Bessere Chancen

Dass sich die Situation in der Bauwirtschaft grundlegend gewandelt hat, erkennt man auch daran, dass heute die Klagen der Unternehmen über Fachkräfte- und Nachwuchsmangel dominieren. "Der entsteht vor allem durch eine Überalterung der Belegschaft, kombiniert mit geburtenschwachen Jahrgängen und einer wachsenden Zahl nicht ausbildungsreifer Bewerber", so Branchenprofi Wuschel. Daraus ergäben sich aber auch positive Folgen – zumindest für die Beschäftigten: Beschäftigungsverhältnisse würden sicherer, die Bezahlung steige tendenziell, Aufstiegschancen nähmen zu.

Wer mit dem mitunter rauen Ton im Baugewerbe umgehen kann und auch bei Wind und Wetter gerne draußen ist, findet eine breite Palette an Einstiegsmöglichkeiten, darüber hinaus zahlreiche Spezialisierungen. Vom Maurer über den Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzisolierer bis zum Zimmermann bietet alleine das Handwerk viele Ausbildungsberufe. "Nachwuchs wird in allen Bereichen gebraucht", weiß Axel Wuschel. Besonders Bedarf habe allerdings der Tiefbau mit seinen Bereichen Tiefbaufacharbeiter, Brunnenbauer, Gleisbauer, Kanalbauer sowie Straßenbauer.

Neben dem breiten Berufsangebot gibt es auch finanzielle Argumente für die Entscheidung zum Bau zu gehen: In der Regel verdient man in der Baubranche schon als Lehrling überdurchschnittlich. Als Tiefbaufacharbeiter mit Spezialisierung Rohrleitungsbau beispielsweise tarifliche 580 Euro im ersten Ausbildungsjahr. Im zweiten bereits 901 Euro und 1138 Euro im dritten Jahr. Beim Feuerungs- und Schornsteinbauer sind es sogar 937 Euro im zweiten, sowie 1226 Euro im dritten Jahr. Nach der Lehre erhalten in Brandenburg beschäftigte Gesellen nach Tarif 14,52 Euro Stundenlohn, in Berlin sind es rund 16 Euro.

Neben Handwerkernachwuchs benötigt die Bauwirtschaft auch junge Führungskräfte mit handwerklichem Können und technischem Know-how, die Planung, Organisation und Mitarbeiterführung übernehmen. Der Besuch eines Berufskollegs für Bautechnik etwa führt in diesen Bereich. Die Ausbildung hier dauert ebenso wie die übliche Lehre am Bau drei Jahre, im Anschluss können Meisterkurse besucht werden. Voraussetzungen sind der Realschulabschluss sowie ein Ausbildungsvertrag, beispielsweise als Maurer, Beton- und Stahlbetonbauer, Straßenbauer, Gleisbauer oder Bauzeichner. Durch entsprechenden Zusatzunterricht kann man parallel zur Ausbildung auch die Fachhochschulreife erwerben, um später beispielsweise Bauingenieurswesen oder Elektrotechnik zu studieren.

Duale Studiengänge

Schulabgängern mit Fachhochschulreife oder Abitur steht von Anfang an der akademische Berufsweg offen. Klassisch wäre ein Studium Bauingenieur, viele Unternehmen bieten aber auch duale Studiengänge an. Hier werden praktische Handwerksfähigkeiten mit Management- und Führungskompetenz verknüpft. Je nach Fachhochschule und Studiengang kann nach drei beziehungsweise vier Jahren der Facharbeiter-Abschluss sowie der erste akademische Abschluss in Form eines Bachelor (FH) oder Diplomingenieurs (FH) erworben werden. Weitere Abschlüsse wie der Master sind danach ebenfalls möglich. Entsprechende Fachhochschulstandorte gibt es mittlerweile bundesweit.

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