30.10.2012, 15:38

Danzig bildet das Tor zu einem alten Kulturraum Charme der Hanse

Foto: dpa

„Friede, Freiheit, Eintracht“, so lautet die Inschrift auf dem Hohen Tor, das den Anfang der Danziger Prachtmeile, den sogenannten Königsweg, markiert. „Es müsse Frieden sein in deinen Mauern“, prangt als Aufschrift auf dem sich anschließenden Goldenen oder Langgässer Tor.

Indes, die frühere Hansestadt an der Ostsee hatte in den Zeitläuften nicht immer dieses Friedensglück. Die Region Pommerellen, in der Danzig liegt, wechselte in den vergangenen 1000 Jahren mehrfach zwischen slawischen und deutschen Herrschern, wurde im Zweiten Weltkrieg schwer verwüstet. Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat in seiner Danziger Trilogie, zu der "Die Blechtrommel" gehört, dem Untergang ein literarisches Denkmal gesetzt.

Das Danzig von heute ist dynamisch und zieht immer mehr Touristen an. Im Stadtteil Glowne Miasto, der einstigen Rechten oder Rechtsstadt, findet man eindrucksvolle Zeugnisse aus dem goldenen Zeitalter und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Zahllose Gassen kreuzen die Hauptstraßen, die von den prunkvollen Stadttoren herunter zum Ufer der Mottlau führen. Spaziert man auf dem Königsweg durch die Langgasse (ul. Dluga) weiter, gelangt man zum Langen Markt (Dlugi Targ), dem Herz der Innenstadt. Die Häuser zeigen die ganze Kunstfertigkeit polnischer Restaurateure, die weltweit als die Besten gelten. Auch dem Neptunbrunnen mit dem 650 Kilogramm schweren Meeresgott aus Bronze und dem mächtigen Becken aus schwarzem Marmor haben sie eine Frischzellenkur verpasst.

Die Prachtentfaltung ist aber nicht auf die Paradestrecke beschränkt. In der parallel verlaufenden Brotbänkengasse (ul. Chlebnica) sowie der Frauengasse (ul. Mariacka) stehen die für Danzigs Blütezeit so charakteristischen Häuser mit Beischlägen (Terrassenaufgängen), unter denen sich im Souterrain hübsche Läden, Galerien oder Gastronomie eingerichtet haben. Überragt wird hier alles von der Marienkirche. Das Gotteshaus gilt als die größte Backsteinkirche der Welt, fasst 25.000 Gläubige. Am Ufer der Mottlau steht das Wahrzeichen, das Krantor. Hier finden sich neben Patrizierhäusern die wichtigsten Baudenkmäler des alten Danzigs. Den Zugang zur Mottlau bildet das im flämischen Renaissancestil erbaute Grüne Tor. Unbedingt besuchenswert ist das Rechtsstädtische Rathaus mit seiner stadtgeschichtlichen Ausstellung. Vom Rathausturm aus kann man sich einen Überblick über den alten Kulturraum Dreistadt verschaffen, den Danzig mit Gdingen und Zoppot bildet. Dem Besucher wird an der Danziger Bucht eine solche Vielfalt geboten, dass der Rat nur lauten kann: wiederkommen. Serdecznie witamy – herzlich willkommen.

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