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14.01.12

Interview

Wie leben Zoo-Tiere im Winter?

Welche Zoo-Tiere müssen im Winter ins Gehege? Welche sind gegen Kälte unempfindlich? Und: Wird es den Vierbeinern im Winter langweilig? Dazu haben die Jugendreporter Carl und Jonas Zoo-Kurator Dr. Ragnar Kühne interviewt:

© picture alliance / Zoonar/Zoonar
Flusspferde
Die Flusspferde müssen auch im Winter nicht frieren. Die Schleuse ihres Hauses nach draußen wird einfach zugemacht.

Carl: Welche Tiere können im Winter in den Freigehegen des Zoos bleiben?

Ragnar Kühne: Die überwiegende Zahl der Tiere kommt auch im Winter nach draußen. Man denkt es manchmal nicht, aber die Elefanten beispielsweise sind jeden Tag im Freien, auch wenn es ganz kalt ist. Nur die Zeiten ändern sich. Sie sind dann nicht so lange draußen. Während die Elefanten im Sommer und Herbst noch den ganzen Tag draußen sein können, kommen sie, wenn es ganz, ganz kalt ist, nur noch morgens und am Nachmittag mal kurz zum Lüften raus, manchmal nur eine halbe Stunde. Und das betrifft sehr viele Tiere. Die Affen etwa können sich das zur überwiegenden Zahl selbst aussuchen. Da gibt es Klappen, die sie nutzen können, um nach draußen zu gehen. Ein paar Tieren muss man es allerdings verwehren.

Und welche Tiere holen Sie ganz rein?

 Wir haben einige Tiere, z. B. Vögel, die wir im Winter reinholen. Sie kommen in Winterquartiere. Diese können die Besucher dann nicht mehr sehen, z. B. die Sichler, die Löffler und die überwiegende Zahl der Pelikanarten. Auch manche kleine tropische Vögel dürfen an den meisten Tagen nicht nach draußen fliegen. Bei den großen Tieren ist es so, dass man besonders darauf achten muss, dass sie sich keine Erfrierungen zuziehen, bei den afrikanischen Tieren sind beispielsweise die Ohren besonders empfindlich. Und ein Nashorn darf nicht so lange draußen bleiben wie ein Elefant. Bei Huftieren ist es wichtig, dass es nicht glatt ist. Eine trockene Kälte können sie aber mal ertragen, also eine Giraffe kann man auch mal nach draußen schicken, wenn es unter null Grad und trocken ist.

Jonas: Warum können diese Tiere im Winter draußen bleiben und wie schützen sie sich vor der Kälte?

Nehmen wir als Beispiel noch einmal die Elefanten. Sie haben zwar keine Haare, aber dafür eine unglaublich große Körpermasse. Sie kühlen nicht so schnell aus wie ein kleines Tier, das man draußen schnell schockgefroren hätte. Man muss die Tiere trotzdem ein bisschen schützen, auch in der kurzen Zeit, indem man sie animiert sich zu bewegen. Deshalb verteilt man Futter auf der Außenanlage, so dass sie ein bisschen hin und her laufen. Wenn sie sich wenig bewegen, muss man sie schnell reinholen.

Jonas: Aber wie werden die Tiere drinnen beschäftigt? Die Elefanten und Vögel haben dort ja nicht so viel Platz wie draußen.

Bei den Elefanten gibt es drinnen auch eine Lauffläche. Außerdem wird der Elefantenbulle regelmäßig trainiert. Körperpflegeaktivitäten wie z. B. Fuß- und Nagelpflege beschäftigen die Tiere auch. Man muss auch nicht jedes Tier beschäftigen. Manche sind "dümmer", da ist das nicht erforderlich. Einige sind geselliger, die fordern das. Dazu gehören z. B. die Seelöwen, also die Robben. Da das Wasser in einem ständigen Filterkreislauf bewegt wird, wodurch es nie einfriert, können sie auch im Winter in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.

Carl: Wie werden die Tiere, wie z. B. Flusspferde, die im Wasser leben und aus wärmeren Gebieten kommen, im Winter gepflegt?

Es gibt wenige Zoos, die Flusspferde auch im Winter nach draußen lassen. Bei Kälte bleiben sie aber im Wasser. In einigen europäischen und osteuropäischen Zoos hat man früher Flusspferde gesehen, die regelrecht als Eisbrecher fungiert haben. Die wiederum sind auch wegen ihrer Körpermasse hart im Nehmen. Bei uns kommt das nicht vor. Bei uns haben die Flusspferde ein Innenhaus mit einem riesigen Wasserbecken mit über 600 Kubikmeter. Die Schleuse nach draußen wird zugemacht.

Jonas: Wie wird die Wärme im Flusspferdhaus erzielt? Sie brauchen ja eine bestimmte Wassertemperatur!

Die Warmhäuser werden ganz normal geheizt. Dazu müssen wir Energie einkaufen. Beim Flusspferdhaus stehen auf dem Dach auch Solarkollektoren. Im Winter, wenn die Sonne nicht so viel scheint, müssen wir mehr Energie einkaufen, um das Wasser aufzuheizen. Bei den Flusspferden ist die Wassertemperatur mindestens 19 Grad, bei den wärmeliebenderen Zwergflusspferden ist das Wasser über 21 Grad warm. Im Keller wird das Wasser über Wärmeaustauscher erwärmt und dann nach oben gepumpt.

Carl: Gibt es auch Tiere, die Winterschlaf halten?

Ja, aber wir haben ganz wenige. Die Alpenmurmeltiere bei uns sind schon eingewintert. Sie werden reingeholt und meist um Ostern herum wieder in die Freigehege gesetzt. Sie werden wie in der freien Natur von Tag zu Tag träger und kommen dann nicht mehr aus dem Bau. Dann weiß man, dass man sie hereinholen muss. Sie haben eine Überwinterungskiste, aufgebaut wie ein mehrräumiges Schlafquartier. Notfalls kommen sie noch einmal zur Nahrungsaufnahme aus ihrer Schlafkammer. Dann schlafen sie aber. Die Körpertemperatur wird heruntergeregelt. Wenn sie aufwachen, brauchen sie erst einmal ein paar Minuten, um sich zu aufzuwärmen.

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