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14.01.12

Glosse

Wie man mit dicken Schultaschen in der S-Bahn überlebt

Die S1 heeßt im Berlina Jargong ja nich zu Unrecht "Beamtenschleuder", weil se jede Menge dieser Spezies zu ihrem Arbeets- (oda Schlaf-)platz kutschiert. Wenn man nu rejelmäßich zur Hauptvakehrszeit uff diesa Linie fährt, kann man die erstaunlichsten Einblicke in det Innenleben unserer deutschen Beamten kriejen.

In die meisten von ihnen steckt nämlich noch jede Menge aus der Zeit der Jäjer und Sammler. Mit dem Sammeln fängt der ausjewachsene S-Bahn-Jast beim Einsteijen schon an: Er sammelt Vorurteile. Er ärjert sich über diese Masse an Schülern inne Bahn. Die Kleenen sind so laut und unruhich: "Können die nich so früh am Taje ma’ still uff ihre vier Buchstaben sitzen?" Noch schlimma aber sind die Halbstarken oder politisch korrekter die Juchendlichen: "Früher wären wa für müde Leute, die zu ’ner wichtijen Tätichkeit fahren aba uffjestanden. Und übahaupt, wie die aussehen, wie die dasitzen und sich daneben benehmen!"

Nähert sich die Bahn aber ’nem Bahnhof mit größerer Schule, dann erwacht der Jäjer im Beamten und die zu erobernde Beute iss een höchst bejehrenswertet, aber seltenet Jut: een Sitzplatz. Een irret Jlitzern erscheint in die Oogen, mit schnellem Seitenblick werden mögliche Nebenbuhler int Ooge jefasst und die Aktentasche wejen der Windschnittichkeit fest an’n Körper jedrückt, kaum det die reizenden Kleenen ihre viel zu dicken Schultaschen uffsetzen und Richtung Tür jehen wollen.

Manchmal werden die Kinda bei dem erbarmungslosen Kampf um den Sitzplatz wieda int Abteil zurückjeschoben statt raus, aber jeder Kampf fordert nu mal leider ooch Opfa. Is die Jacht erfolgreich valoofen, setzt der Jäjer und Sammler wieda sein vornehmet Beamtenjesichte uff, entfaltet seine Zeitung und nischt lässt mehr uff det dunkle Erbe in seinem Blut schließen…

Valentin Doer, Felix Mourier und Clemens Feltkamp, Kl. 8m, Kath. Schule Salvator, Reinickendorf

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