Jugendreporter in China und im Kongo
Schul-Reise rund um den Globus
Zeit aufzustehen. Es ist sieben Uhr morgens im zentralchinesischen Suzhou, einer Sechs-Millionen-Stadt in der Nähe Shanghais. Die Schule beginnt um 8.20 Uhr. Nach dem Frühstück warte ich vor dem Compound, einer Wohnanlage, gemeinsam mit über 200 anderen Kindern auf den Schulbus. Fünf Jahre habe ich, Pius, in China gelebt. Und bin dort auf eine britische Privatschule gegangen, die 20 Fahrminuten von meinem Zuhause entfernt lag.
Schulsprache war Englisch. Als Fremdsprachen wurden Chinesisch und Spanisch unterrichtet. Doch für viele der aus 42 Nationen kommenden Schüler gab es erst einmal keine Chinesisch-Stunden, sondern Englisch-Nachhilfe. Ähnlich wie in Deutschland setzten sich die Hauptfächer aus Englisch, Mathematik und einer zweite Sprache, also Chinesisch, zusammen. Es war Pflicht, eine Uniform zu tragen, die für alle aus einem weißem Hemd, einem rot-blauen Schlips und dunkelblauen Socken bestand. Die Jungen trugen dunkelblaue Hosen, die Mädchen trugen rot-blau karierte Röcke. Eine Klasse bestand aus 16 bis 18 Schülern. Die Klassenräume waren mit Teppichboden, Klimaanlage, verstellbaren Tischen, Projektoren und White- und Smartboards ausgestattet.
Zwar gab es Mittagessen, doch das Schwierigste am Tag war es, das herunterzubekommen. Meist war es zu scharf gewürzt, das Gemüse zerkocht und der ewige Reis zu pappig…
Nach einem ganztägigen Schultag, der um 15.30 Uhr endete, fuhr ich auf einer achtspurigen Straße wieder mit dem Schulbus heim. Zurück in meinem eingezäunten Wohngebiet, verabredete ich mich oft mit Freunden, um nach dem Erledigen der Hausaufgaben noch gemeinsam einige Runden mit den Inlinern zu drehen. In den heißen Monaten zwischen Mai und September ging man auch gerne ins Schwimmbad, da die Temperaturen dann bis auf 40 Grad Celsius steigen konnten. Bei einer gefühlten Luftfeuchtigkeit von 99 Prozent konnte nur noch ein kühles Bad Erfrischung bieten. Verwunderlich war, dass man trotz der Hitze die Sonne nie sah, denn nicht nur der hohe Wassergehalt der Luft, sondern auch der enorme Dreck verdüsterte den Himmel.
Jeder Ort, an dem man sich befindet, birgt eben angenehme und unangenehme Erinnerungen …
Respekt füreinander
Hallo, mein Name ist Felix und ich habe von 2009 bis 2011 mit meiner Familie in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, gelebt. Am Anfang war es nicht gerade leicht, da ich noch gar keine Auslandserfahrung hatte. Wir sind dorthin gezogen, weil mein Vater dort eine Stelle bekommen hatte.
Es gibt sehr viele verschiedene Schultypen in Kinshasa: Ich habe drei von ihnen ausprobiert. Der erste Schultyp ist die belgische Schule. Ich war für ein halbes Jahr dort und konnte vorher gar kein Französisch. Das System ist recht einfach – Hauptsache Disziplin und viel lernen. Die Disziplin galt aber nur für Schüler. Wenn sich zum Beispiel Schüler auf dem Hof geprügelt haben, haben die Lehrer einfach weggeschaut – auch wenn sie Aufsicht hatten. Die Klassen bestanden aus 20 bis 30 Schülern. Meine Mitschüler waren nicht gerade nett zu mir, aber sie hatten auch Respekt, weil sie mich nicht wirklich kannten.
Es gibt auch noch die staatliche Schule. Zwar bin ich in Kinshasa nie selbst auf eine gegangen, aber zumindest habe ich einmal einen Blick in ein Klassenzimmer geworfen. Es besteht aus einem meist dreckigen und staubigen Raum mit Holzbänken und einer Tafel. Die Lehrer verdienen nur 80 bis 120 Dollar im Monat – wenn sie überhaupt einmal Geld bekommen… Ich denke, dass es nicht besonders angenehm ist, in eine solche Schule zu gehen.
Die zweite Schule, die ich besucht habe, war die englischsprachige Schule. Nachdem mir die belgische Schule nicht gefallen hatte, hat sich meine Mutter nach einer anderen Schule umgesehen und über Freunde eine gefunden, auf der ich mein Englisch verbessern konnte. Es war eine sehr kleine Schule, die von Kindern aus den verschiedensten Ländern besucht wurde, viele von ihnen aus Indien. Ich war eigentlich in der siebten Klasse, aber die Schule hatte keine siebte, sondern nur eine sechste Klasse. Ich konnte dort mitmachen, wurde aber im Stoff der siebten Klasse unterrichtet. Wir waren in der Klasse nur zu dritt. Die Klassenräume waren sehr klein, meine Klasse war eine Art Durchgang. Gefallen hat mir diese Schule, weil ich die verschiedenen Kulturen genauer kennengelernt konnte.
Die dritte und für mich beste Schule in Kinshasa war die amerikanische: Nach einem Jahr in Kinshasa bin ich dorthin gekommen. Auch diese Schule war sehr international. Das System ist sehr locker und entspannt, die Lehrer sind nett. Sie wohnen auf dem riesigen Schulgelände. Es gibt mehrere Gebäude und um die ganze Schule herum ist eine große weiße Mauer mit Stacheldraht gezogen. Bei aller kulturellen Unterschiedlichkeit waren die Schüler doch gleich. Insgesamt haben sie sich gegenseitig respektiert. Es wurden zwar auch mal Witze übereinander gemacht, doch die nahmen zum Glück alle locker. Mein großer Bruder hat z. B. mit seinen Klassenkameraden ein Fußballspiel "Schwarz" gegen "Weiß" gespielt – dabei waren sie die besten Kumpels.
Eine Klasse bestand aus 20 bis 28 Schülern, insgesamt hatte die Schule nur ungefähr 250 Schüler. Kein großes Wunder, denn sie hat viel Geld gekostet. Zum Glück hat der Arbeitgeber meines Vaters einen großen Teil bezahlt. In jedem Fall vermisse ich diese Schule sehr!
Pius Ladenburger (China), Kl. 8m, Kath. Schule Salvator, Reinickendorf; Felix von Stumpfeldt (Kongo), Kl. 9b, Moser-Schule, Charlottenburg
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