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07.10.11

Schüleraustausch

Ein Jahr ins Ausland, aber wie?

"Auslandsaufenthalte sind seit Beginn der 90er-Jahre immer populärer geworden – in meiner Jugend war das nicht so", erzählt mir Sylvia Schill. Rund 16400 Schüler aus Deutschland verbringen derzeit nach ihren Angaben ein Jahr im Ausland. In einem Café sitzt mir die Austausch-Expertin gegenüber und beantwortet all meine Fragen. Weil ich gerade selber im Auswahlverfahren einer Organisation bin, habe ich mich entschlossen, ein wenig mehr zum Thema zu recherchieren.

© infografik morgenpost online
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Sylvia Schill ist hauptberuflich als Referentin bei der Kultusministerkonferenz tätig, nebenberuflich leitet sie den Recherchen-Verlag, den sie gründete, als sie anfing, sich mit ihrem Buch "Ein Schuljahr in den USA und weltweit" zu befassen. Aus eigener Erfahrung weiß ich inzwischen, dass es eher schwierig ist, sofort die passende Austauschorganisation zu finden, denn es gibt sehr viele. Bei mir war es sogar Zufall, dass meine Mutter im Internet auf eine Gesellschaft stieß, die für uns in Frage kam. "Schon die Suche ist schwer, da es in Deutschland in der Tat keine offizielle Stelle gibt, an die man sich wenden kann, mit Ausnahme des Bayerischen Jugendrings", stimmt Expertin Schill zu, die selbst drei Jahre bei einer Austauschorganisation gearbeitet hat. "Hier in Berlin gibt es aber oft die Möglichkeit, Veranstaltungen zum Thema zu besuchen." Eine solche findet zum Beispiel am 29. Oktober statt: Die SchülerAustausch-Messe im Roten Rathaus. Hat man allerdings nicht das Glück, in einer Großstadt zu wohnen, wird man sich wohl weiterhin auf die Suche im Internet verlassen müssen. Oder auf die Tipps von Freunden, die bereits im Ausland waren.

Ein anderes Problem: die G8-Reform an den Gymnasien. Viel wird noch immer über die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre diskutiert und ob es sich wirklich gelohnt hat, das eine Jahr wegfallen zu lassen. Eltern, Lehrer, Schüler und Politiker sind da oft verschiedener Meinung. Für einen Auslandsaufenthalt wäre G9 natürlich ideal, so Schill. "Trotzdem sollte man G8 meiner Meinung nach nicht zurückdrehen, das ist gar nicht notwendig. Und wenn man ernsthaft einen Austausch in Erwägung zieht, sollte man auch in Kauf nehmen, dass danach möglicherweise eine Klasse wiederholt werden muss." Und zumindest für die Jungen sei das eine Jahr durch die Abschaffung der Wehrpflicht wieder ausgeglichen.

Nach Sylvia Schills Darstellung hat die Umstellung auf G8 bis jetzt keine negativen Folgen für die Zahl der Austauschschüler gehabt, und wenn sich die ersten betroffenen Jahrgänge an das System gewöhnt hätten, werde es wohl in Zukunft auch keine Probleme mehr geben. Interessant ist der Trend, dass Schüler und Eltern mehr und mehr Kurzzeitprogramme bevorzugen und so das G8-Problem umgehen. Denn wer "nur" drei Monate ins Ausland geht und nicht ein ganzes Jahr, hat meist keine Probleme, danach wieder in die alte Klasse zurückzukehren.

Den "klassischen" Austausch, bei dem eine Begegnung der Kulturen auf gegenseitiger Basis abläuft, gibt es heute übrigens kaum noch. Stattdessen weicht er mehr und mehr Programmen von Organisationen, die Schüler für Geld ins Ausland schicken. Aber warum gibt es diese Entwicklung? Sylvia Schill erklärt dies am Beispiel der USA: "In Deutschland liegt die Zahl der Austauschschüler, die nach Amerika wollen, bei ungefähr 9040, während das Interesse in den Vereinigten Staaten deutlich niedriger ist: Nur 300 bis 400 amerikanische Schüler wollen nach Deutschland."

Mit Heimweh umgehen lernen

Auch wenn ein Austausch nicht zuletzt in persönlicher Hinsicht eine große Herausforderung ist, weil man sich auf eine Gastfamilie und eine fremde Kultur einlässt, nimmt man doch viele neue Erfahrungen mit. In Zeiten der Globalisierung wird ein Auslandsaufenthalt auch für die eigene Zukunft und Karriere Vorteile bringen. Trotzdem sollte man sich vor solch einem wichtigen Schritt selber prüfen, meint Sylvia Schill. "Sei ehrlich zu dir selbst und überlege, ob du von allein dazu bereit bist, diesen Weg zu gehen, oder ob du vielleicht nur dem Wunsch deiner Eltern nachgehst. Außerdem sollte dir bewusst sein, dass dich im Ausland eine fremde Kultur und ein anderer Lebensstandard, als du ihn von Zuhause gewohnt bist, erwarten können. Und vergiss nicht, dass du eine Zeit lang von Freunden und Familie getrennt sein wirst, und mit Heimweh umgehen können musst." Ein Austausch ist eine gute Sache – also habt keine Angst, diesen Schritt zu wagen!

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