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25.06.11

Homosexualität

Werden Schwule an Berlins Schulen diskriminiert?

Die große Christopher-Street-Day-Parade am Wochenende war der Höhepunkt des so genannten Pride-Festivals, mit dem Lesben und Schwule sowie Bi- und Transsexuelle gegen ihre gesellschaftliche Diskriminierung mobil machen wollen. Aufsehen erregte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), als er zum Start des Festivals die Feindlichkeit gegen Homosexuelle an Schulen attackierte: Es gehe nicht an, dass ,du schwule Sau’ die wohl verbreitetste Beschimpfung auf Schulhöfen sei, so Wowereit. Der Bürgermeister forderte die Berliner auf, eine Atmosphäre zu schaffen, "in der Minderheiten nicht nur respektiert, sondern auch akzeptiert werden".

© Getty Images/Getty
Christopher Street Day Parade
In den Farben des Regenbogens warb die Parade zum Christopher Street Day für Toleranz.

Mithilfe einer Kampagne wurde in jüngster Zeit berlinweit für mehr Toleranz geworben: Plakate mit dem Slogan "Zeig Respekt für Schwule und Lesben" waren in Schulen, an Bushaltestellen und in Ämtern zu sehen. Doch wie weit geht die Toleranz der Berliner mit der Minderheit wirklich? Wie sieht es an den Schulen aus? Mit diesen und anderen Fragen hat sich jetzt ein Jugendreporterinnen-Team aus dem Canisius-Kolleg in Tiergarten beschäftigt:

"Hr. Maier und Hr. Maier…", so oder ähnlich könnte eine Textaufgabe beginnen, die die Organisation LSVD (Lesben- und Schwulenverband Deutschland) in Zukunft immer häufiger in Mathematik-Büchern platzieren will, um den Umgang mit dem Thema Homosexualität selbstverständlicher zu machen. Die Sportinitiative "Respect Gaymes", "Miles – Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule" und "Soccer Sound" heißen ein paar Projekte, die der LSVD zur Unterstützung der Integration von Homosexuellen und zur Aufklärung über das Thema anbietet. Sowohl Break Dance als auch das Treffen in einer Gruppe zum Gespräch mit Homosexuellen gehören zum breiten Angebot dazu.

Doch wie werden die Homosexuellen in Berlin wirklich aufgenommen?

Dazu haben wir Umfragen am Zoologischen Garten, Nollendorfplatz, Tiergarten und Potsdamer Platz gestartet, bei denen sich Folgendes herausgestellt hat:

Von 75 Befragten aus verschiedenen Altersgruppen waren 46 Prozent für die Integration Homosexueller in die Gesellschaft. Sie gaben zudem an, homosexuelle Freunde zu haben. "Ich bin offen, was Homosexualität betrifft", so die Aussage einer Frau, die sich auch für mehr Toleranz aussprach. 13 Prozent der Befragten waren gegen Homosexualität. Geäußert wurde die Ablehnung beispielsweise folgendermaßen: "Ich meine, Homosexuelle sollten sich therapieren lassen! Homosexualität ist eine Krankheit!" Acht Prozent der Befragten waren zwar gegen Homosexualität, haben aber dennoch Kontakte mit Homosexuellen. "Ich finde Homosexualität nicht gut, denn Männer und Frauen sind füreinander geschaffen. Ich habe aber trotzdem schwule und lesbische Freunde und Freundinnen und akzeptiere ihre Sexualität", so die zwiespältige Ansicht einer jungen Dame. 33 Prozent der Befragten wollten sich uns gegenüber nicht zum Thema äußern.

Integrationsgedanke nicht überall da

An den Schulen wird Homosexualität nach unseren Beobachtungen häufig verachtet. Selbstverständlich gibt es unterschiedliche Meinungen von Schülern zu Homosexualität, doch werden Ausdrücke wie "Du Homo" oder "Mann, bist du schwul!" eher abwertend benutzt. Nicht selten kommt es auch zu Prügeleien an Schulen aufgrund von Homosexualität. Und wie denken Lehrer darüber? Sie haben eine ganz andere Sicht und die meisten von ihnen haben nichts dagegen.

In einem Gespräch zum Thema sagte Pater Tobias Zimmermann vom Canisius-Kolleg: "Jeder sollte seine Liebe leben dürfen". Dies solle nicht Grund für eine Schlägerei sein oder als Schimpfwort benutzt werden.

Wir jedenfalls vertreten die Meinung, dass Homosexuelle respektiert und akzeptiert werden sollten. Es ist uns egal, ob jemand homosexuell oder heterosexuell ist, solange er mit seiner Sexualität glücklich ist.

Da sich die Integration von Homosexualität über Jahrhunderte sehr stark verändert hat und es viele Projekte zur Unterstützung Homosexueller gibt, ist es zu diesem eigentlich guten Ergebnis heute gekommen.

Aber wie lange wird es wohl noch dauern, bis der Integrationsgedanke in allen Köpfen angekommen ist?

Sophia Koch, Mathilda Drews, Patricia Nowak und Fia Becker, Kl. 7c, Canisius-Kolleg, Tiergarten

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