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11.04.11

Computersucht

Verloren im virtuellen Spielzimmer

Lauter Einsen und Zweien auf dem Zeugnis. Das Sozialverhalten wird mit sehr gut bewertet und das bei durchschnittlich sechs Stunden Computerspielen am Tag. Solche Schüler gibt es wirklich - und trotzdem sind viele Lehrer der Meinung, dass Computerspiele die schulischen Leistungen verschlechtern. Als süchtig gilt man obendrein.

Aber wann ist man wirklich süchtig? Kann jemand, der spielsüchtig ist, überhaupt noch gute Leistungen bringen? Und wie kann Computerspielsucht verhindert werden? Zu diesen Fragen haben wir Jannis Wlachojiannis von der Beratungsstelle "Lost in Space" in Kreuzberg interviewt.

Viele Leute denken, dass die Zeit, die man vor dem PC verbringt, entscheidend für die Suchtfrage ist. Aber die Zeit ist dabei nicht relevant - ausschlaggebend ist nach Darstellung des Experten "der Kontrollverlust". Alltägliche Angelegenheiten haben die Süchtigen nicht mehr im Griff und sie geraten ihnen außer Kontrolle. Dazu gehören beispielsweise die Leistungen in der Schule oder soziale Kontakte. Je mehr Erfolg man in Spielen hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass man sich im Spiel verliert und weniger Erfolg im realen Leben hat. Sobald man wirklich süchtig ist, kann man an nichts anderes mehr denken als an das Spielen am PC. Dadurch verschlechtern sich dann zwangsläufig auch die Leistungen in der Schule. Jannis Wlachojiannis sagt dazu: "Wenn man viel spielt, lässt die Konzentrationsfähigkeit nach." Notwendig ist daher ein offener Umgang mit der Sucht und dass der Süchtige Unterstützung bekommt, indem ihm Alternativen im realen Leben geboten werden. Wichtig ist zu lernen, auf das zu verzichten, was abhängig macht, beispielsweise ein bestimmtes Spiel. Die meisten Computerspielsüchtigen reagieren auf Entzug wie Alkohol- oder Drogensüchtige auf die Wegnahme ihres Suchtmittels: Sie werden unruhig und fangen an zu zittern. Daher ist es wichtig, dass der PC nicht abrupt aus dem Leben des Süchtigen entfernt wird. Das könnte z. B. zu Schlafstörungen oder Aggressionen führen.

Richtig Computerspielsüchtigen hilft meist nur eine Beratung oder Therapie. Professionelle Hilfe erhält man bei Beratungsstellen wie z. B. "Lost in Space" ( www.computersucht-berlin.de ). Hier wird den Süchtigen geholfen, wieder Anschluss an das reale Leben zu finden. "Wir motivieren und unterstützen die Leute", so Jannis Wlachojiannis. Auch die Leute aus dem Umfeld eines Süchtigen können helfen, indem sie z. B. darauf achten, dass er mehr Zeit in andere Aktivitäten investiert. Familie und Freunde sollten aufmerksam und offen für sein Problem sein und Hilfe anbieten. Längerfristig sollte für eine gewisse Eigenverantwortung beim Süchtigen gesorgt werden.

Wichtig ist es aber, zwischen Süchtigen und Vielspielern zu unterscheiden: Im Gegensatz zum Abhängigen kann ein Vielspieler in der Schule auch gute Noten erzielen, obwohl er sehr viel Zeit am PC verbringt. Maßgeblich ist, dass Hausaufgaben und Lernen stets Vorrang haben, und man die reale Welt nicht aus den Augen verliert.

Um Computerspielsucht vorzubeugen, ist es bedeutsam, ein starkes Selbstwertgefühl zu haben. Jeder Mensch braucht Anerkennung. Personen, bei denen dies nicht deutlich wird, flüchten oft in eine virtuelle Welt. Bei Kindern können die Eltern dadurch helfen, dass sie Interesse an ihren Spielen zeigen, denn jeder, der sich unwichtig bzw. unverstanden fühlt, ist suchtgefährdeter.

Quelle: Alexander Dreesen & Marco Boest, Kl. 8a, Evangelische Schule Neukölln
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