Ein Jahr in den USA
Alles anders: Auch das Fach "Recycling" steht auf dem Highschool-Stundenplan
Es ist jetzt gerade erst eine gute Woche her, dass mein einjähriges Auslandsjahr in einem Vorort von Detroit, Michigan, begonnen hat. Noch ist hier in den USA alles neu und sehr aufregend. Mein Start verlief ziemlich gut, wofür ich sehr dankbar bin: Die Familie – meine Gastmutter Kara, mein Gastvater John und meine drei Gastgeschwister Ian (19), Meredith (16) und Isobel (13) – hat mich sehr nett aufgenommen ...
Von Vanessa Schultz (16)
... und ich weiß schon nicht mehr, was ich ohne sie wäre. Auch Freunde, die ich durch Meredith und das Volleyball-Training kennengelernt habe, habe ich bereits gefunden. Ich bin froh, dass Meredith’ Freunde auch mich mögen und kein Problem damit haben, wenn ich etwas mit ihnen unternehme.
Die Schule hat zwar noch nicht begonnen, doch am Freitag war ich in meiner neuen Schule, der Ferndale Highschool, um meine Fächer zu wählen. Ich bin mit Kara und Meredith ins Office gegangen, wo ich meine Beraterin, Mrs. Minneci, kennengelernt habe. Sie erzählte mir, dass sie selbst auf der Highschool Deutsch gelernt habe. Ich bekam eine Liste mit rund 50 Fächern zur Auswahl, darunter einige, mit denen ich in einer Schule nicht gerechnet hätte: zum Beispiel "Jewellery". Dabei geht es tatsächlich um die Herstellung von Schmuck. Oder Recycling. Das sind Schulfächer, mit denen die Schüler hier ihren Abschluss machen! Jeder Schüler muss sechs Fächer wählen. Nur sechs! Mein Stundenplan sah am Ende folgendermaßen aus: Jewellery (weil meine Beraterin unbedingt dafür war), English Literature, Integralrechnung, Spanisch, amerikanische Geschichte und Bildhauerei.
Es sei schön, eine deutsche Austauschschülerin zu haben, meinte Mrs. Minneci. "Wenn Du nichts dagegen hast, wäre es gut, wenn Du gelegentlich zusammen mit den Lehrern im Unterricht über Deutschland und den Holocaust sprechen würdest." Darauf war ich bereits vorbereitet, denn die Austauschorganisation hatte gesagt, dass die Schulen in den USA das oft machen würden.
Nach dem Gespräch zeigte mir die Gastfamilie noch meine Klassenräume. Die Schule hat zwar nur rund 1000 Schüler, was für eine amerikanische Schule ziemlich klein ist, aber das Gebäude ist riesig – ebenso wie der Schulhof mit Wiesen und einem Teich.
Danach bin ich gleich zum Volleyballtraining gegangen. Mit den Mädels dort habe ich gleich ein nettes Verhältnis aufgebaut. Schon beim ersten Training wollten alle wissen, wer ich bin und woher ich komme. Gleich habe ich mein erstes Spiel und davor treffen wir uns noch bei Hanna aus meinem Team und werden dort Pizza essen.
Anfangs ist es ein merkwürdiges Gefühl, in einem fremden Haus zu leben, in einem fremden Bett zu schlafen und niemanden zu kennen. Und klar, man vermisst seine Familie und Freunde zu Hause. Doch durch all das, was ich hier tagtäglich erlebe, bin ich insgesamt froh, mich zu diesem Jahr entschlossen zu haben. Von Zeit zu Zeit werde ich Euch auf dieser Seite wieder von meinem Jahr in den USA berichten. See you!
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