Schüler & Medien Flirten – ohne Handy ist es intensiver

Foto: Britta Pedersen / dpa

Boy meets Girl: Jugendreporterin Saskia erzählt zwei Kurzgeschichten, Sie haben denselben Anfang, doch zwei sehr verschiedene Ausgänge. Ihr werdet schnell verstehen, warum...

Zwei Geschichten will ich Euch heute erzählen – sie haben einen identischen Anfang, aber einen sehr unterschiedlichen Ausgang. Warum? Das werdet Ihr sicher sehr schnell verstehen. Wir alle stehen vor den gleichen Fragen: Macht Technik abhängig? Wie wirkt sich das ständige Online-Sein auf unsere soziale Bindungen aus? Leiden dadurch die Persönlichkeit und die Fähigkeit, mit anderen Menschen aus dem realen Leben zu kommunizieren? Wie werden Werte vermittelt? Und woher bekommt man Anregungen, tiefer über bestimmte Entwicklungen nachzudenken, wenn man sich nicht mehr mit guten Büchern und Filmen auseinandersetzt?

Es war brütend heiß in der Bar. Doch nicht nur der Hitze wegen war mir warm. Deine Blicke sorgten jedes Mal für ein Kribbeln. Schon die ganze Zeit begegneten sich unsere Augen. Erst zufällig, dann gezielt. Und Dein Lächeln – es verursachte Sprünge in meinem Magen. Ich wünschte mir von Minute zu Minute mehr, dass Du mich ansprichst! Und ich musste auch nicht lange warten. Wir redeten den ganzen Abend, und es kam mir vor, als würden wir uns schon ewig kennen. Trotzdem konnte ich Dich noch nicht so richtig einschätzen. Deshalb zögerte ich auch einen Moment, als Du mich fragtest, ob ich noch mit zu Dir kommen möchte. Wir kamen zu Deiner Wohnung, und ich war aufgeregt, aber auch neugierig. Du fragtest, ob ich ein paar Minuten warten würde, damit Du schnell duschen konntest. Du hattest nach einem extrem heißen Tag noch keine Gelegenheit dazu gehabt. Dein Handy vibrierte mehrfach, aber Du lächeltest mich an und stelltest es auf lautlos.

Ich machte es mir bequem und schaute mich um. Irgendwie mochte ich Deine Wohnung. Zuerst konnte ich mir nicht erklären, weshalb ich mich hier so wohl fühlte. Es waren keine außergewöhnlichen Möbel oder Kunstwerke vorhanden. Aber es standen in den Regalen jede Menge Bücher. Drei oder vier lagen auf dem Boden vor Deiner Couch. Auch CDs und DVDs waren überall verteilt. Ich stand auf und begab mich auf die Suche – auf die Suche nach Dir! Mein Herz klopfte, als ich die Buchtitel sah. Viele davon kamen mir bekannt vor, weil ich sie selbst schon gelesen hatte. Mir fielen sofort 1000 Fragen ein und mich interessierte Deine Meinung zu den Büchern. Auch Deine Filmsammlung war beeindruckend. Es schien, dass Du ebenso wie ich einen Hang zu tiefsinnigen Filmen hast. Und die Musik! Wir hatten schon in der Bar festgestellt, dass unser Musikgeschmack ähnlich war. Doch nun war ich vollkommen überrascht. Ich finde es faszinierend, einen noch Unbekannten über seine Bücher, seinen Film- und Musikgeschmack kennenzulernen. Als Du aus der Dusche kamst, sah ich Dich mit vollkommen anderen Augen an. Ich wusste gar nicht, was ich Dich zuerst fragen sollte. Auf jeden Fall spürte ich bereits jetzt, dass ich in Dir jemanden gefunden hatte, der in vielen Bereichen mit mir auf einer Wellenlänge ist. Und ich freute mich auf eine lange Nacht voller guter Gespräche...

Und welche Bücher liest Du?

Es war brütend heiß in der Bar. Doch nicht nur der Hitze wegen war mir warm. Deine Blicke sorgten jedes Mal für ein Kribbeln. Schon die ganze Zeit begegneten sich unsere Augen. Erst zufällig, dann gezielt. Und Dein Lächeln – es verursachte Sprünge in meinem Magen. Ich wünschte mir von Minute zu Minute mehr, dass Du mich ansprichst! Und ich musste auch nicht lange warten. Wir redeten den ganzen Abend, doch leider war Dein Handy auch die ganze Zeit mit dabei. Sobald sich eine Gelegenheit ergab, wanderte Dein Blick zum Bildschirm. Zweimal musstest Du sogar kurz rausgehen, um ein längeres Telefonat zu führen. Du hast Dich dann bei mir entschuldigt und brachtest mich wieder zum Lachen. Dein Lachen sorgte bei mir wieder für Sprünge in meinem Magen. Trotzdem konnte ich Dich nicht so richtig einschätzen. Deshalb zögerte ich auch einen Moment, als Du mich fragtest, ob ich noch mit zu Dir kommen möchte. Wir kamen in Deine Wohnung, und ich war aufgeregt, aber auch neugierig. Du fragtest, ob ich ein paar Minuten warten würde, damit Du schnell duschen konntest. Du hattest nach einem extrem heißen Tag noch keine Gelegenheit dazu. Dein Handy vibrierte mehrfach, gab alle möglichen Töne von sich, und Du nahmst es tatsächlich mit ins Bad. Währenddessen machte ich es mir auf der Couch bequem und sah mich um. Deine Wohnung war groß und ganz hübsch. Was mich allerdings etwas irritierte, war das Fehlen von Büchern, Filmen oder CDs. Mein Blick wanderte zu den Regalen. Sie waren fast leer, bis auf ein paar Computerzeitschriften und einigen Computerspielen. Ich sah Deinen Laptop neben dem Bett, ein eBook lag auf dem Tisch und ich sah ein Tablet und anderes Technik-Spielzeug, das in deiner Wohnung verteilt war.

Nachdem Du aus dem Bad kamst, fragte ich Dich ein wenig unsicher, was Du so magst. Ob Du denn keine Bücher liest, Dir keine Filme anschaust und welche Musik Du magst. Du erklärtest mir, dass Du mehrere Playlists auf dem Laptop hast und Du Deine Lieblingsmusik lieber herunterlädst statt Dir CDs zu kaufen. Zum Lesen von Büchern hast Du einfach nicht die Zeit, und Filme schaust Du Dir im Internet an. Ich hörte Dir zwar zu, konnte aber nicht mitreden.

Dein Handy empfing ständig SMS und Facebook-Nachrichten. Ich merkte, dass Du Dich nur noch oberflächlich mit mir unterhieltest, während Du Deinen virtuellen Freunden zurückschriebst. Ich hatte keine Lust mehr, bei Dir zu bleiben. Worüber sollten wir uns unterhalten? Du hattest ja Deine Handy-Gesprächspartner! Mir fiel nichts mehr ein, und ich hatte nur noch den Wunsch, nach Hause zu gehen. Ein wenig traurig war ich natürlich, denn rein äußerlich warst Du genau mein Typ. Aber das reicht eben nicht. Als ich mich verabschiedete, hatte ich das Gefühl, Du warst irgendwie erleichtert.

Saskia Barner, Klasse 11 Med 15, Akademie für Internationale Bildung, Charlottenburg

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