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Geschwister-Beziehungen

Stress im Kinderzimmer

„Ich hasse dich!", schreit Karl und schon fliegen die Fetzen. Kuscheltiere, Legosteinchen und andere Dinge werden durchs Kinderzimmer geschleudert. Gerade als die Eltern hereinstürmen, wirft Eva ein Kuscheltier, das prompt Papa am Kopf trifft. Beide Kinder bekommen eine Standpauke und verziehen sich schmollend. Solche Streitereien zwischen Geschwistern gibt es täglich. Doch Geschwister müssen sich auch mal streiten, denn man muss schließlich seine eigene Meinung vertreten und nicht immer nachgeben.

Schüler
Foto: Joachim Schulz/J. Schulz
Zwischen Geschwistern geht es oft rund: Das zeigen die Jugendreporterinnen Lejla, Laila und Lena in dieser nachgestellten Szene

Das Kinderzimmer bietet für solche Auseinandersetzungen den nötigen Platz. Hier können wir uns selbst ausprobieren. Wir entdecken unsere Schwächen, Stärken und Talente. Eine Studie von Sozialpsychologen der englischen Universitäten Ulster und De Montfort unter 571 Menschen im Alter zwischen 17 und 25 Jahren hat ergeben: Menschen, die mit Schwestern aufgewachsen seien, könnten besser mit Krisen umgehen als Menschen, die nur Brüder hätten. Sie seien ausgeglichener, optimistischer, hätten ein besseres Sozialverhalten und seien ehrgeiziger. Und wirklich – es zeigte sich ein positiver Effekt in traurigen Situationen bei Kindern mit Schwestern. Offenbar neigen Jungen eher dazu, ihre Probleme zu verinnerlichen und schrecken so auch andere ab, über ihre Gefühle zu reden.

Rivalität

Wird ein weiteres Kind in der Familie erwartet, verändert sich die Familienstruktur. Die Zeit, die die Eltern vorher allein mit dem erstgeborenen Kind verbracht haben, verteilt sich nun anders. Das Erstgeborene wird gewissermaßen „vom Thron verdrängt“, steht also nicht mehr allein an erster Stelle. Das Kind sollte auf diese Situation vorbereitet werden, sagen Psychologen. So könnte das erstgeborene Kind bei der Gestaltung des Zimmers für die neue Schwester oder den neuen Bruder helfen. Dann fühlt sich das Kind einbezogen und lernt von Anfang an, wie man sich als Geschwisterkind verhält.

Weil jeder den anderen übertreffen und Mamas und Papas Liebling sein will, entstehen schnell Streitigkeiten. Die Eltern sollten die Rivalität nicht noch fördern, indem sie die Kinder vergleichen oder ein Kind bevorzugen, denn jedes Kind hat seine Stärken und Schwächen. Aber auch Rivalität hat manchmal Vorteile, da man lernen kann sich durchzusetzen.

Eifersucht

Eifersucht kann in vielen Situationen des Familienlebens auftreten. Doch am häufigsten entsteht Eifersucht bei großen Geschwistern, die ein neues Geschwisterkind bekommen haben. Sie merken, dass sich nicht mehr alles um sie dreht und werden eifersüchtig. Eifersucht kann bei einigen Kindern sogar zu Krankheiten, wie zum Beispiel Husten oder Hautausschlägen, führen. Aggressionen gegenüber ihren Geschwistern zeigen eifersüchtige Kinder, sobald sie mit dem Geschwisterkind alleine sind – um nicht gesehen zu werden. Meistens ärgern sie sich, indem sie sich entweder körperlich oder verbal verletzen.

Voneinander lernen

Eine besondere Beziehung zwischen Geschwistern entsteht sehr langsam. Geschwisterliebe entwickelt sich; sie kann nicht immer sofort da sein. Kleinere Aufgaben, wie zum Beispiel Flasche geben oder Windeln wickeln, festigen nach Meinung von Experten die Beziehung zwischen Erst- und Neugeborenem und stärken das Selbstbewusstsein des Älteren. Geschwister bringen sich gegenseitig viel bei. Radfahren und Schuhe binden gehören dazu. In dieser Zeit baut sich das Vertrauen zwischen den Geschwisterkindern auf. Doch ein richtiges Vertrauensverhältnis kann nur dann entstehen, wenn sich die Eltern nicht in die Angelegenheiten ihrer Kinder einmischen! Außer wenn es soweit geht, dass ein Kind verletzt wird.

Die gemeinsame Erziehung und die vielen Erlebnisse, die man miteinander teilt, führen dazu, dass sich Geschwister oft sehr ähnlich werden. Dieses wiederum erleichtert das Verständnis füreinander, das sie benötigen, um sich miteinander zu verbünden.

Schwere Zeiten für die Eltern

Mit etwa zwölf Jahren ist die Pubertät erreicht. In dieser Zeit kann es vorkommen, dass sich die Geschwister fast ganz aus dem Weg gehen, denn die Interessen ändern sich (zum Beispiel, wenn man sich verliebt und einen Freund bzw. eine Freundin hat). Natürlich sind sich Geschwister auch nicht immer einig. Doch wenn die Pubertät überstanden ist, kommen die Geschwister meist wieder zusammen. Eine Umfrage, an der 192 Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufen fünf bis acht an unserer Schule teilgenommen haben, hat ergeben, dass genau 20 Prozent der befragten Personen, die Geschwister haben, auf die Frage: „Glaubst du, dass ein Leben ohne Deine Schwester/Deinen Bruder nicht so stressig wäre?“ mit „Ja“ geantwortet haben. Ganze 80 Prozent aber antworteten „nein“.

Weitere Beiträge von Schülern waren beispielsweise: „Ein Leben ohne meinen Bruder? Auf keinen Fall!“ oder auch: „Ein Leben ohne meine Schwester wäre viel leichter für mich.“ Es gab auch Kinder mit Halbgeschwistern, die wir ebenfalls befragten. Hier eine Aussage eines Schülers: „Nein, nicht ohne meinen Bruder, aber ich könnte auf meine Halbschwester verzichten“…. Doch egal, welche Kommentare Kinder über ihre Geschwister abgeben, sie haben sie immer von Herzen lieb, wie wir herausgefunden haben. Denn die Liebe zu den eigenen Geschwistern ist die vielleicht am längsten anhaltende Zuneigung eines Menschen, die man je bekommen wird.

Das erlebt auch die Mutter aus der oben beschriebenen Szene. Als sie nach einer halben Stunde nachschaut, um zu fragen, ob sich ihre beiden Kinder jetzt wieder eingekriegt haben, traut sie ihren Augen kaum: Eva und Karl spielen friedlich zusammen….

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