Post aus Santiago
Wo Schüler ihre Lehrer duzen - und was Chile sonst noch ganz besonders macht
Gerade traf ein großer Umschlag mit einem seltenen Stempel in der Redaktion ein: Auf dem Weg von Südamerika nach Berlin hat der Brief Tausende von Kilometern zurückgelegt, er kommt aus Santiago de Chile. Darin stecken viele spannende Artikel von Jugendlichen, die eine achte Klasse der Deutschen Schule in der chilenischen Hauptstadt besuchen. Und die mit Hilfe des Internets am Projekt "Schüler machen Zeitung" teilnehmen. In ihren Artikeln schreiben die Jugendlichen über ihr Land – und einen Alltag, der anders ist:
Von Louisa Kreis, Paulina A. & Barbara R., Kl. 8 F, Colegio Alemán, Santiago de Chile, Chile
"Chile ist ein schönes Land. Es gibt nicht nur die unterschiedlichsten Klimazonen, sondern auch die eindrucksvollsten Landschaften. Im Norden findet man die trockenste Zone der Welt, die Atacama-Wüste. San Pedro ist eine Oase und das attraktivste Reiseziel im Norden. In diesem bezaubernden Dorf gibt es viele kleine Gassen, in denen man die Abende verbringen kann. Dort befinden sich eine Menge Restaurants, in denen man bei offenem Feuer gemütlich essen kann, und diverse Läden. Außerhalb von San Pedro gibt es auch viel zu sehen, etwa verschiedene Salzseen, mondartige Landschaften und beeindruckende Geysire.
Der zweite Touristenmagnet ist die Osterinsel, die sehr weit vom Festland entfernt liegt und dennoch zu Chile gehört. Da möchte jeder einmal hin, denn Natur und Kultur sind interessant und speziell. Die Hauptattraktion sind die bekannten Moais. Das sind riesige Figuren aus Lavagestein, die ursprünglich dazu gedacht waren, die Insel und deren Bewohner zu beschützen. Die Kleidung, die Feste, die Landschaft mit ihren Vulkanen machen es aus, dass alle Besucher fasziniert nach Hause fahren.
Eine dritte Attraktion befindet sich im Süden: Chile besitzt einen Teil der Antarktis. Diese Gegend ist nur per Boot erreichbar und besteht größtenteils aus Kanälen, von denen aus man riesige Gletscher besichtigen kann. Chile ist ein bezauberndes Land mit einzigartigen Naturwundern.
Die Deutsche Schule: eine Mini-Welt
Wir besuchen die Deutsche Schule von Santiago, Chiles Hauptstadt. Hier gibt es fünf verschiedene Klassen pro Jahrgangsstufe: In die A-, B- und C-Klassen gehen eher die Schüler, die nicht so viel Deutsch sprechen; in die D-Klasse gehen die Schüler, die ein bisschen mehr Deutsch sprechen und die F-Klasse ist die Abi-Klasse, welche vor zwei Jahre gebildet wurde.
Unsere Klasse ist eine richtige Mini-Welt, man findet in ihr Peruaner, Deutsche, Schweizer, Chilenen, ,,Halbe-Halbe”, Mexikaner usw. ...
Die Schule besteht aus verschiedenen ,,Sedes”, das heißt, dass es in Santiago drei verschiedene Deutsche Schulen gibt: eine für den Prä- und Kindergarten-Bereich, eine für die Schüler von der ersten bis zur sechsten Klasse und eine für die Jahrgänge sieben bis zwölf. In diese letzte gehen wir, es ist die größte der drei ,,Sedes”. Sie besteht aus verschiedenen ,,Blöcken” – in denen jeweils drei Jahrgänge untergebracht sind. In einem dritten sind Bio-, Chemie- und Physikfachräume, Bibliothek, drei Filmräume, Musiksäle, drei Computerräume, Kunst- und Technologiesäle. Wir haben auch eine Sporthalle mit vier Umkleidekabinen. Unter der Sporthalle gibt es noch zwei kleine Säle, einen für Judo und einen anderen, der als Tanzsaal gilt. Außerdem gibt es für den Sportunterricht noch zwei Rasenplätze und zwei Basketballfelder, eine Leichtathletikbahn und ein Volleyballfeld.
Eine "Kleiderwahlquälerei" hat morgens keiner von uns, weil es Pflicht ist, Uniform zu tragen; ganz praktisch eigentlich... und gar nicht so schlimm. Jeder Schüler hat drei Pflichtsprachen: Spanisch (logisch), Deutsch (auch klar) und Englisch. Ab Klasse neun haben Schüler auch Wahlpflichtfächer. Übrigens: Dass man die Lehrer siezt, ist hier ganz komisch; das Duzen ist selbstverständlich."
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