Bildung
Volle Klassen, Unterrichtsausfall, knappe Lehrmittel: An Berlins Schulen knirscht es überall
Derzeit gibt es eine bundesweite Streikwelle: Schüler und Studenten demonstrieren - auch in Berlin - für bessere Bildung. Die Forderungen vieler Schüler sind kleinere Klassen mit maximal 20 Schülern, mehr Lehrer, mehr Geld für Lehrmittel. Teile der Schülerschaft fordern darüber hinaus die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems. Als Schülerin eines Berliner Gymnasiums im Südwesten Berlins mit mehr als 550 Schülern muss auch ich mich täglich mit den Unzulänglichkeiten des Schulsystems und dem geringen Finanzbudget der Schule(n) herumschlagen.
Von Cara Conrad, Kl. 8.3, Lilienthal-Gymnasium, Lichterfelde
Stichwort Klassengröße: Mit 32 bis 37 Schülern pro Klasse ist ein individuelles Lehren für die Lehrer und Lernen für die Schüler unmöglich. Hinzu kommt, dass gerade an meiner Schule (ein fast 100 Jahre altes Gebäude) die Räume überhaupt nicht für derartige Klassengrößen konzipiert wurden. Also drängele ich mich mit meinen Mitschülern an viel zu kleinen Tischen auf unergonomisch geformten Stühlen.
Bevor ich auf das staatliche Gymnasium wechselte, war ich sechs Jahre auf einer privaten Grundschule. Auch dort war sicherlich nicht alles optimal. Aber die Klassenfrequenzen waren mit durchschnittlich 22 Schülern viel besser zum Lernen geeignet.
Auch Unterrichtsausfall war dort fast gar kein Thema. Jetzt, an der staatlichen Schule, erlebe ich, dass fast jede zweite Woche Unterricht ausfällt. Mal sind Lehrer krank, mal nehmen sie an Weiterbildungsmaßnahmen teil und es ist kein Ersatz vorhanden. Das hat zur Folge, dass wir in einigen Fächern stofflich nicht so weit sind, wie wir sein sollten. Es ist zu befürchten, dass die Lernlücken bis zum Mittleren Schulabschluss weiter ansteigen werden. Hinzu kommt die Verkürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Jahre, die bewirkt hat, dass die Lehrpläne noch voller geworden sind. Dadurch haben wir zum Teil sehr lange Unterricht. Für das Mittagessen gibt es eine kleine Kantine (in einem Raum, der uns für den Unterricht fehlt).
Geld für Lehrmittel ist tatsächlich knapp. So müssen wir beispielsweise für Kopien von Unterlagen für den Unterricht bezahlen, da die Lehrer in einigen Fächern weniger mit den eigentlichen Büchern als mit Fremdtexten und –übungen arbeiten.
Auch die technische Ausstattung könnte besser sein. Beispielsweise sind Smartboards an Stelle von Kreidetafeln (kommt mir vor wie Steinzeit) in Privatschulen inzwischen ein gängiges Arbeitsmittel. In meiner Schule gibt es erst vier davon und das auch nur, weil Spenden und die finanzielle Unterstützung des Hilfsvereins unser Schule wesentlich dazu beigetragen haben. Auch Beamer existieren nur in ganz wenigen Unterrichtsräumen. Immerhin gibt es drei Computerräume, in denen der ITG-Unterricht stattfindet.
Das dreigliedrige Schulsystem sollte aus meiner Sicht beibehalten werden, denn sobald man mit leistungsschwächeren Schülern in einer Klasse sitzt, würden sich die Lernlücken mit großer Wahrscheinlichkeit weiter vergrößern.
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