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20.11.09

Shirin Ebadi & Seyran Ates

Meine Vorbilder: weiblich, muslimisch

Für mich als junge Frau ist die türkisch-kurdischstämmige Juristin und Frauenrechtlerin Seyran Ates ein Vorbild: Sie fordert in ihrem neuen Buch "Der Islam braucht eine sexuelle Revolution" ein Umdenken innerhalb der muslimischen Gesellschaft. Für ihren mutigen Einsatz für die Gleichbehandlung von Mann und Frau, gegen sexuelle Unterdrückung und Ehrenmorde, kurz für ihr Plädoyer für eine tolerantere Gesellschaft wurde die Berlinerin schon früher bedroht und verletzt. Auch nach Erscheinen ihres aktuellen Buches hat sie Morddrohungen erhalten und sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Seyran Ates hat Mitstreiterinnen – auch auf muslimischer Seite. Zu ihnen zählt die iranische Juristin, Frauenrechtlerin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi.

Sie erklärte jetzt in Berlin, wie die Menschen, insbesondere Frauen und Kinder, unter dem Mullah-Regime im Iran zu leiden haben. Auch sie verlangt eine Veränderung in der muslimischen Kultur. So etwa missachte die iranische Regierung die Gleichberechtigung aller Menschen. Das Leben und die Aussage einer Frau seien nur halb so viel wert wie die eines Mannes. Ein Beispiel: Erleiden beide einen Unfall, bei dem sie dieselben Schäden davontragen, bekommt der Mann aufgrund seiner Stellung doppelt so viel Entschädigung wie die Frau. Das iranische Regime wolle sich nicht zu den Menschenrechten bekennen, da diese "eine Erfindung, eine Ideologie des Westens" seien.

Auch Shirin Ebadi ist eine sehr mutige Frau. 1969 schloss sie ihr Studium der Rechtswissenschaften in Teheran ab und wurde die erste Richterin des Irans. Sie lebt im Iran, reist jedoch viel um die Welt, auch um für die Rechte der Frauen einzutreten. Als demokratische Frau muslimischen Glaubens ist sie ein Vorbild vieler Mädchen und Frauen, das Stärke und Mut vermittelt.

Als ich sie bei den Berliner Lektionen im Renaissance-Theater erlebte, einer Vorlesung über die Menschenrechts-Situation im Iran, war ich beeindruckt von dieser kleinen Frau, die Großes vollbracht hat. Sie wirkte sehr ruhig; es schien, als fühle sie sich wohl. Während ihrer Rede reagierte das Publikum immer wieder empört, wenn Shirin Ebadi über Ungerechtigkeiten im Iran sprach.

Nach der Vorlesung empfängt eine große Menschenmenge die Friedensnobelpreisträgerin von 2003. Alle wollen sie persönlich kennenlernen und hoffen, ein Autogramm zu bekommen. Als ich an der Reihe bin, kann ich es kaum abwarten, ihr zu sagen, wie großartig ich sie finde und plötzlich merkte ich, wie mein Herz vor Freude heftig zu pochen beginnt.

Die "Berliner Lektionen" finden regelmäßig als öffentliches Forum im Renaissance-Theater statt. Unterschiedliche Persönlichkeiten geben dabei Lehrstunden über ihre Erfahrungen in einer sich verändernden Welt. Mehr unter: www.berlinerfestpiele.de

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