Workshop
Der Mauerfall, multimedial
Montag, 14. September 2009 04:00"Geschichte? - Oh nein, nicht schon wieder, interessiert uns doch nicht!" Was hat Geschichte mit uns zu tun, haben wir uns häufig gefragt, wenn es im Unterricht um längst Vergangenes ging. Die Ereignisse schienen weit weg, die vielen Jahreszahlen, Namen, Geschehnisse und Prozesse waren abstraktes Wissen, wenig greifbar.
Ein Workshop zum Thema "20 Jahre Fall der Mauer" in der Konrad-Adenauer-Stiftung belehrte uns jedoch eines Besseren. Ziel des Workshops war es, junge Menschen anzusprechen. Das Projekt ging nämlich von der bisher noch nicht hinreichend geklärten Frage aus, wie geschichtliche Hintergründe Jugendlichen auf interessante Art und Weise nahe gebracht werden können.
Die Ereignisse rund um den Mauerfall kannten wir nur vom Hörensagen und von Fotos, die jubelnde Menschen zeigen, wie sie die Grenzübergänge stürmten. Neugierig, ob es wohl gelingen kann, Jugendliche ab 16 für das geschichtliche Thema des Mauerfalls zu interessieren, machten wir uns auf den Weg zur Stiftung, um an der Abschlusspräsentation von sieben weiterführenden Schulen aus Berlin und Brandenburg teilzunehmen. Zwei Tage lang hatten sich die Workshop-Teilnehmer alles selbst erarbeitet, erlesen und somit Erfahrungen gewonnen. Es gab verschiedene Gruppen, die z. B. an einem Filmprojekt arbeiteten, eine Theaterproduktion auf die Beine stellten oder gemeinsam nach künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten suchten. Bei der Präsentation am Ende tauschten sich die Jugendlichen gegenseitig über ihre Ergebnisse aus.
Wir waren schon sehr erstaunt, als es plötzlich hieß, dass jetzt die Theatergruppe kommt! Was hat denn eine Theatergruppe in einem Geschichtsvortrag zu suchen, fragten wir uns. Nun ja, diese Vorstellung war der Knackpunkt, denn von diesem Moment an konnten wir uns voll und ganz auf die Präsentation konzentrieren. Die Gruppe hatte ein großes Plakat, welches sie - in einer Reihe aufgestellt - festhielt und es dann, nachdem sie bis zwanzig gezählt hatte, zerriss und sich dabei fallen ließ. Es bedarf schon einiger Fantasie, um eine Mauer mit einem Plakat so darstellen zu können! Erstaunlich, was man in zwei Tagen alles schaffen kann. Am Beispiel verschiedener Bilder der Fotogruppe wurde uns noch einmal vor Augen geführt, wie damals der Todesstreifen aussah. Die eindrucksvollsten Bilder werden noch lange Zeit präsent sein. Zum Abschluss zeigte die Kunstgruppe ihre sehr gelungenen, auf Leinen gemalten überdimensionalen Bilder. Das absolute Highlight der Präsentation war die Aufzeichnung eines Interviews mit einem Flüchtling, der eine spektakuläre Flucht aus der DDR gewagt hat: Er und sein Freund sind mit einem Surfbrett über die Ostsee geflohen und haben unterwegs gewaltige Strapazen erlebt, die in einem Live-Telefonat spannend und oft lustig dargestellt wurden.
Auch Witze sorgten für eine anschauliche und humorvolle Präsentation, z. B. dieser: "Warum weiß man, dass die Menschen aus dem Osten nicht von den Affen abstammen können?" Antwort: "Ist doch klar, Affen hätten es nie über 20 Jahre ohne Bananen ausgehalten!" Unser Fazit: Geschichte scheint doch ein interessantes Fachgebiet zu sein. Die Frage ist nur, wie man mit ihr in Berührung kommt und ob man selbst bereit ist, Vorurteile diesem Thema gegenüber zu überwinden. Und das ist in diesem Fall gelungen!
Maria Riehl & Ann-Katrin Steinerstauch , Anna-Freud-Oberschule, Charlottenburg











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