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Spurensuche 20 Jahre nach der Wende

Warum die Mauer uns etwas angeht

Weshalb sollte uns die Geschichte der Mauer eigentlich interessieren? Zum Beispiel, weil Marlenes Mutter in der DDR kein Abitur machen durfte, weil sie in der Kirche aktiv war? Sie stellte darauf einen Ausreiseantrag. Solche und andere Beispiele fanden Neuntklässler aus Berlin, als sie auf Spurensuche gingen.

Schuelerforscher: Geschichte der Berliner Mauer
Foto: Michael Brunner
Jeder leistete seinen Beitrag: die Neuntklässler aus dem Schliemann-Gymnasium, vorne Emilia und Marlene.

– Philipps Mutter war aktiv in der Umweltbibliothek tätig, zu deren Zielen die Erreichung demokratischer Grundrechte gehörte – immer im Kampf gegen die Bespitzelung durch die Staatssicherheit.

– Emilias Opa wurde mit 18 für drei Jahre ins Gefängnis gesperrt, da er die Idee hatte, nach West-Berlin zu flüchten und von einem seiner Freunde verraten wurde.

– Jessicas Oma wurde durch die Mauer von ihrem Mann getrennt, war dadurch schwer traumatisiert.

Diese und ähnliche Schicksale wurden von erschreckend vielen Mitschülern unserer Klasse berichtet, als wir uns mit diesem Thema auseinandersetzten. So zeigte sich, wie unsere Familien fast alle mit der Mauer und der nachfolgenden geschichtlichen Entwicklung verbunden sind. Das Volk hat eine Zeitenwende erzwungen!

Besucher aus aller Welt betrachten mit Interesse, was von „Berlins berühmtesten Bauwerk“ noch zu finden und für die Nachwelt aufbewahrt ist. Dazu fahren sie durch die ganze Stadt. Weil die Infrastruktur wieder hergestellt ist, müssen sie an keiner Mauer mehr Halt machen. Straßenbahnen, Busse, S- und U-Bahn erhalten nicht nur die Mobilität der Touristen, sondern auch die der Berliner in Berufsverkehr und Freizeit.

Einige Gedenkorte für die Opfer der Mauer haben wir besucht, um Geschehenes zu begreifen. So erkundeten wir bei einer Exkursion die Geschichte der Bernauer Straße. Wie kein anderes „Bauwerk“ in Deutschland wurde die Berliner Mauer zum Symbol für menschliche Schicksale und politische Konfrontationen. In diesem Jahr jährt sich der Tag des Mauerfalls bereits zum 20. Mal. Die Berliner Mauer ist aus der wiedervereinigten Stadt verschwunden, aber die Erinnerung daran ist lebendig. Tatsächlich sind die für Jahrzehnte getrennten Stadthälften nun wieder spürbar zusammengewachsen.

„Es wuchs zusammen, was zusammen gehört“, unser Berlin: Genau das ist die Aussage unseres Projekts, bei dem 15 Schüler der Klasse 9/3 aus dem Heinrich-Schliemann-Gymnasium in Prenzlauer Berg mit dem Ehepaar Flegel einen „Mauerstein“ gestalteten. Damit beteiligen wir uns an einem großen Berliner Projekt. Auf dem Stein sollen unsere Gedanken zum Thema Mauerfall dargestellt werden, weil Berlin 1961 auf so unmenschliche Weise geteilt wurde.

Unsere Arbeit ging in kleinen Schritten voran. Bei einem Brainstorming sammelten wir zuerst Ideen. Schnell wurde klar, dass nicht alle Einfälle gestalterisch umsetzbar waren. Immer wieder veränderten wir die Entwürfe, bis wir genau wussten, was wir wollten. Unsere Stadt, die unmittelbare Umgebung, sollte im Mittelpunkt stehen. Gabriele Flegel, unsere Geschichtslehrerin, hat versucht, uns den historischen Ablauf zu verdeutlichen: Massenflucht und Bürgerrechtsbewegungen, Demokratie und Freiheit, Staatssicherheit und Ausreisewelle – Begriffe, die für uns Gestalt annahmen. Hans Flegel hat als Kunsterzieher mit uns den künstlerischen Teil der Arbeit organisiert. Skizzen, Klebearbeiten, die Grundierung des Steins, das Auftragen der Mauerstruktur und dann die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Viele Versuche scheiterten, denn nicht jeder ist ein „Künstler“. Dennoch war unser Ziel, dass jeder Projektteilnehmer seinen Beitrag leisten sollte.

Wir werden dabei sein, wenn am 9. November 2009 um 20.15 Uhr 1000 Mauersteine durch den Dominoeffekt umstürzen werden und damit an die Verschmelzung von Ost und West und das Gefühl von Freiheit erinnern sollen…



Erschienen am 11.09.2009

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