03.08.12

Soziale Netzwerke

Verliert Facebook seinen Reiz?

In den USA ist die Zahl der aktiven Facebook-Nutzer innerhalb der letzten sechs Monate um 1,1 Prozent gesunken. Auch in Deutschland zeigt sich dem Blog "Allfacebook" zufolge ein leichter Abwärtstrend.

Foto: dpa
Facebook Chronik-Ansicht in Deutschland gestartet
On oder off? Die Zahl der langweiligen Posts bei Facebook steigt, wie viele Jugendliche finden...

Von Juni auf Juli sank die Zahl der aktiven Mitglieder, also derer, die in den letzten 30 Tagen mindestens einmal im Netzwerk waren, hierzulande um rund 204000. Das ist im Vergleich zu den über 23 Millionen Nutzern in Deutschland zwar nicht viel, doch bedeutet der Rückgang möglicherweise eine Trendwende. Was denken Jugendliche über die Zukunft des Netzwerks? Dazu haben wir eine kleine Umfrage gestartet.

Einer der Hauptgründe, die soziale Plattform zu nutzen, ist bei allen befragten Jugendlichen das Schreiben bzw. Chatten mit Freunden: Es geht darum, neue Kontakte zu knüpfen und mit Bekannten in Kontakt zu bleiben. Doch offenbar gibt es noch andere Gründe, im Netz aktiv zu werden. In letzter Zeit häufen sich nichtssagende Posts wie "Wenn Du Deine Mutter liebst, dann drücke auf ,gefällt mir'" oder "ich gehe jetzt mal duschen".

Die 16-jährige Perihan Derin postet, wenn sie etwas wichtig findet oder Meinungen hören will: "Es nervt, dass die Leute immer posten, was niemanden interessiert, nur weil ihnen langweilig ist!" Trotz häufig belangloser Statusmeldungen verbringt sie mindestens alle zwei Tage eine Stunde bei Facebook und ist täglich öfter mit Handy online. Nicht wenige Schüler checken auch im Unterricht immer mal wieder die Facebook-Seite.

Doch haben wir wirklich nichts anderes zu tun, als uns bei Facebook einzuloggen?

Ljuba Feklistova (18) meint: "Wenn meine Freunde nicht schreiben würden, wäre mir bei Facebook langweilig, dann würde ich nicht online sein, sondern Brötchen essen." Sie wünscht sich von Facebook, dass die Seite öfter mal ihr Design wechselt oder neue Features anbietet, damit es nicht zu eintönig wird.

Experte Jens Wiese, der zusammen mit einem Partner das Blog "Allfacebook.de" betreibt, meint, dass derzeit zwar kein dramatischer Rückgang zu verzeichnen ist, es aber langsam zu einer Sättigung kommen wird: "Deutschland hat nur begrenzt viele Nutzer, die regelmäßig online sind. Wenn diese Grenze erreicht ist, kann Facebook nicht mehr weiter wachsen."

Ist diese Grenze langsam erreicht? Saskia (17) nutzt Facebook inzwischen wesentlich weniger als vor ein paar Monaten, da sie findet, dass die Hauptmeldungen auf der Startseite immer unsinniger und eintöniger werden. Laut "Spiegel" ist mit diesem Gefühl nicht alleine, mehr als ein Viertel der Jugendlichen sind von Social Media wie Facebook, Twitter und Youtube genervt, von den Angeboten gelangweilt. Trotzdem nutzt auch Saskia die Plattform, wenn sie gerade nichts zu tun hat : "Der erste Gedanke, wenn mir langweilig ist, geht dahin, was wohl die anderen machen, und dann schaue ich mal, was im Netz los ist." Auch sie ist mehrmals täglich mit dem Handy bei Facebook, wenn sie eine Mitteilung über neue Nachrichten erhält.

"Man kann dort Spiele spielen, schreiben, wenn einem langweilig ist, man findet Leute die ähnlich empfinden und so beginnt ein Gespräch. Man ist einfach zu faul rauszugehen", erklärt Perihan, wo sie den Vorteil des sozialen Netzwerks sieht. Einschränkend fügt sie aber noch hinzu: "Jetzt ist Sommer und man ist viel motivierter, mal rauszugehen und unternimmt etwas. Dabei vergisst man Facebook und konzentriert sich wieder auf das reale Leben." Für Ljuba gehört es zu den positiven Seiten, dass Facebook anders als Telefonieren kostenlos ist und man Neuigkeiten erfährt, ohne viel rumfragen zu müssen.

Doch es gibt auch Schattenseiten. So sind alle Interviewten höchst unzufrieden über Facebooks Datenweitergabe und die mangelhaften Möglichkeiten, dies durch die Privatsphäreeinstellungen zu unterbinden. Die Daten werden alle gespeichert, selbst gelöschte Daten bleiben im Netz, Interessen, Namen und Informationen von Nutzern werden an Werbeagenturen verkauft. Im Interview fallen deshalb Worte wie "dreist", "unmöglich" und "besorgniserregend". Saskia gibt an, dass sie es blöd findet, dass all ihre Freunde sehen was sie liked. Auch Ljuba denkt so ähnlich: "Es wird viel geändert, zum Beispiel die Datenrichtlinien oder das neue Profil, und man muss zustimmen. Man hat keine Wahl, das abzulehnen." Entweder das, oder man löscht seinen Account….

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