Vokalpop
Zwei Welten - das neue Album der Wise Guys ist zum Küssen
Es ist bereits das zwölfte Album jener fünf Jungs, die sich Ende der achtziger Jahre an einem Kölner Gymnasium zu einer A-cappella-Schulband zusammenschlossen: Wie sich das neue Album der Wise Guys "Zwei Welten" anhört.
Es ist bereits das zwölfte Album jener fünf Jungs, die sich Ende der achtziger Jahre an einem Kölner Gymnasium zu einer A-cappella-Schulband zusammenschlossen. Damals nannten die Lehrer sie Besserwisser - auf Englisch Wise Guys. Der Name der Band stand fest. Der deutschsprachige Vocal Pop ist bis heute ihr Markenzeichen geblieben. Doch die Besserwisser von einst haben sich im Lauf der Zeit in Alleskönner verwandelt. Mit ihrem neuen Album "Zwei Welten" haben sich die Wise Guys ein weiteres Mal selbst übertroffen.
Der Titel des Albums entstammt einem der sechzehn Songs. Das Lied beschreibt zwei Menschen, die sich zur selben Zeit am selben Ort befinden und sich trotzdem verfehlen. Nur für flüchtige Momente finden sie zueinander und erhaschen einen Blick auf die Welt des anderen. Mit den Jahren sind die Wise Guys eine Spur melancholischer geworden, nachdenklicher. Songs wie "Jetzt ist deine Zeit" oder "Nach Hause" zeigen das eindrücklich.
Dank ihrer markanten und wandelbaren Stimmen können die fünf Sänger die Illusion einer ganzen Big Band erschaffen, mit Schlagzeug, Bässen, Bläsern und allem Drumherum. Neben melodiösem Pop haben sie Hip-Hop, Hardrock oder Choräle im Repertoire. Der unverkennbare Sound kann voluminös oder zart sein. Er ist immer raffiniert und zum Küssen präzise.
Zum Glück besteht keine Gefahr, dass die Wise Guys ihrer schwindenen Jugend wegen den Humor verlieren: "Scheiße, Scheiße, Scheiße, Mann! Ich glaub, ich werd' vierzig!" heißt die Titelzeile des entsprechenden Songs, der mit den Worten endet: "Ach Herr, nimm mir die Haare. Ich trage diese Bürde. Aber, bitte, bitte, bewahr mir meine Würde!" Der Song "Deutsche Bahn", der unser aller Frust auf das Verkehrsunternehmen auf geniale Weise bündelt, verleitet auch den verbittertsten Bahncard-Besitzer zum Mitsingen. Auch "Guten Morgen", das Lied eines verzweifelten Morgenmuffels, der unter lauter Frühaufsteher geraten ist, dürfte viele begeisterte Anhänger finden.
Während ihrer energiegeladenen Bühnenshows präsentieren die Wise Guys schräge Choreographien, glamouröse Backgroundchöre, komische Moderationen. Sie füllen bei ihren Konzerten landauf landab riesige Säle, in denen sie ein gemischtes Publikum aus Kindern, Teenies, Eltern und Großeltern geschlossen von den Sitzen reißen. Vorgetäuschte Texthänger seitens der Band werden vom Saal mühelos ausgeglichen. Die Wise Guys geben sich nicht wie abgehobene Stars. Sie haben immer Bodenhaftung behalten. Eigentlich sind sie noch immer die fünf Jungs vom Gymnasium, wenngleich inzwischen längst Familienväter. Man merkt die Lebenserfahrung ihren Liedern an, nicht ihrem Benehmen. Vielleicht liegt darin der Grund, warum die mediale Wahrnehmung dem Erfolg der Band so hoffnungslos hinterherhinkt. Die Wise Guys bezeichnen sich selbst als die "erfolgreichste unbekannte Band Deutschlands".
Die Berliner müssen sich noch bis zum 22. September gedulden; dann machen die Wise Guys auf ihrer "Zwei Welten"-Tour einen Stopp in der Columbiahalle. Bis dahin hilft nichts anderes, als zu Hause die CD einzulegen, den neuen Songs zu lauschen und grinsend um den Couchtisch zu hüpfen. Insofern fällt das Warten nicht schwer, denn das neue Album der Wise Guys wird mit jedem Hören noch besser. Und im September sind die Berliner Fans dann garantiert textsicher.
(Wise Guys: "Zwei Welten", Universal Music Domestic Pop, mehr unter: www.wiseguys.de)















