Interview
Landesschülersprecherin: "Berlins Klassen sind viel zu groß"
Sie ist 14 Jahre alt und vertritt die Interessen von knapp 300 000 Berliner Schülern: Beatrice Knörich ist seit einem halben Jahr Vorsitzende des Landesschülerausschusses. Sie besucht die neunte Klasse des Gebrüder-Montgolfier-Gymnasiums in Treptow. Im Interview mit Jugendreporterin Tomke Schubert (15) spricht sie über ihre politischen Ziele:
Sie ist gerade 14 Jahre alt und vertritt die Interessen von knapp 300000 Berliner Schülern: Beatrice Knörich ist seit einem halben Jahr Vorsitzende des Landesschülerausschusses. Sie besucht die neunte Klasse des Gebrüder-Montgolfier-Gymnasiums in Treptow. Im Interview mit Jugendreporterin Tomke Schubert (15) spricht sie über ihre politischen Ziele:
Berliner Morgenpost: Was macht man eigentlich als Landesschülersprecherin?
Beatrice Knörich: Meine Grundaufgabe ist es, die Schüler zu vertreten. Man versucht, die Meinungen aller Schüler so gut wie möglich zusammenzufassen, um sie dann an andere Gremien wie den Landesschulbeirat weiterleiten zu können. Der Landesschulbeirat berät die Senatsbildungsverwaltung in Angelegenheiten, die von grundsätzlicher Bedeutung sind.
Wie kamst Du dazu, Landesschülersprecherin von Berlin zu werden?
Wir standen im Ausschuss vor der Frage, wer Vorsitzender wird, denn es hatte sich keiner gemeldet. Deswegen bekam ich ein bisschen Bedenkzeit und habe mich dann gemeldet.
In Berlin werden Lehrer seit geraumer Zeit nicht mehr verbeamtet – und auch sonst sind die Bedingungen vor allem für die jungen Lehrer im Vergleich zu anderen Bundesländern schlechter. Dadurch verlassen viele junge und qualifizierte Lehrer Berlin. Wie kann man das ändern?
Ich denke, die Lehrer, die nicht verbeamtet sind, regen sich nicht so sehr darüber auf, dass nicht mehr verbeamtet wird, sondern regen sich mehr über die Ungleichheit zwischen den verbeamteten und den nicht verbeamteten Lehrern auf. Es gibt immer noch Gehaltsunterschiede und bei den Leistungen, die sie bekommen, wenn sie das Lehramt nicht mehr ausführen, und in Rente gehen. Und ich glaube diese Ungleichheit ist das Problem. Man sollte die Lehrer gleichstellen, was beispielsweise das Gehalt angeht.
Thema beiden Schülern sind derzeit auch zu große Klassen. Wie stehst Du dazu?
Ein Problem ist dabei der Unterschied zwischen Sekundarschulen und Gymnasien. Dass bei den Gymnasien 32 Schüler in eine Klasse kommen können, weil sie angeblich schneller lernen können als die Sekundarschüler und ihnen deshalb die großen Klassen weniger ausmachen – das ist nicht so. In den Sekundarschulen ist es so, dass nur 24 bis 26 Schüler in eine Klasse kommen. Ich finde, eine Klassengröße von 32 Schülern ist viel zu viel, weil der Lehrer sich nicht individuell um die Schüler kümmern kann. Bei 24 oder 26 Schülern ist das schon leichter. Die Klassen sind auch viel zu groß. Ich finde, das ist einfach ungünstig.
Deine eigene Schule ist seit fast einem Jahr eine gebundene Ganztagsschule. Was hat sich für die Schüler verändert?
Ich bekomme davon nicht so viel mit, aus dem einfachen Grund, dass ich nicht im Ganztagsbetrieb bin und dieser nur die siebten und achten Klassen betrifft. Im Grunde geht die gebundene Ganztagsschule länger, man hat Unterricht, dann kommt die große Mittagspause, dann Hausaufgabenzeit und noch einmal Unterricht. Und ich denke, allein schon durch diese Riesenpause wird einem die Konzentration geraubt, da diese eine Stunde alles total nach hinten verschiebt.
Ist diese Schulform allen Schulen zu empfehlen?
Ich bin nicht so für Ganztagsschulen: Bis 15.30 Uhr oder 16 Uhr Unterricht zu haben, das macht die Konzentration einfach nicht mit. Ich könnte mich nicht bis 16 Uhr hinsetzen und konzentriert dem Unterricht folgen und zwischendurch noch essen, Hofpausen haben und Hausaufgaben machen, das würde ich nicht hinkriegen. Es gibt Schüler, die haben damit kein Problem, die machen auch bis 17.30 Uhr Unterricht, es gibt aber auch Schüler, denen reicht Unterricht bis 14 Uhr. Ich finde, man sollte beide Schulformen beibehalten.
Erwiesenermaßen führt Sitzenbleiben nicht zur Verbesserung der schulischen Leistungen. Deshalb wurde es schon im Jahr 2008 den Schulen freigestellt, auf das Sitzenbleiben zu verzichten. In den Sekundarschulen wurde Wiederholen einer Klassenstufe ab dem Schuljahr 2010/2011 sogar ganz abgeschafft. Freiwilliges Sitzenbleiben ist weiterhin erlaubt. Wie siehst du das?
Freiwilliges Wiederholen finde ich okay, zum Beispiel, wenn jemand sagt, ich habe dieses Schuljahr so gar nicht aufgepasst und muss alles wiederholen. Es ist gut, dass es diese Möglichkeit gibt, die auch einige nutzen. Ich würde das Wiederholen nicht ganz abschaffen, weil es den Schülern nicht viel nutzt, wenn sie in die nächste Jahrgangsstufe kommen und von der letzten gar nichts mitgenommen haben.
Eigentlich ist es so, dass das Wiederholen unter der Bedingung abgeschafft wurde, dass sich stattdessen Schüler, Eltern und Fachlehrer zusammensetzen sollen und gemeinsam Förderpläne entwerfen sollen.
Wenn die Förderpläne dann auch eingehalten werden, sind sie sinnvoll. So kann zum Beispiel festgehalten werden, dass Mitschriften nach der Stunde dem Lehrer zu zeigen oder die Hausaufgaben abzugeben sind, damit man sieht, dass der Schüler sich im Fach engagiert. Für ein oder zwei Fächer ist das okay, aber wenn es mehrere Fächer betrifft, kann man nicht immer mehr Förderplane schreiben. Also kein Schüler kann sich einen Förderplan für fünf Fächer schreiben lassen und das wird auch nicht funktionieren.
Umstritten ist auch der Mittlere Schulabschluss (MSA) an Gymnasien. Findest du, dass Gymnasiasten weiterhin den MSA schreiben sollten?
Ja. Der MSA ist eine Art Vorbereitungsprüfung für das Abitur, also wenn man das Abitur schreibt und vorher keinen MSA hatte, dann weiß man nicht wirklich, wie eine Prüfungssituation abläuft. Oder wie es ist, Klausuren über einen so langen Zeitraum zu schreiben. Im Abitur gibt es auch wie beim MSA eine Präsentationsprüfung. Ich denke, das ist auch eine Erfahrung, die man machen muss, bevor man das Abitur schreibt.















