Tod
"Durch die Erinnerungen ist meine Mutter immer bei mir"
Für Laura Altmann, Abiturientin an der Katholischen Theresienschule, war die Vorbereitung auf die Prüfungen mit einem tragischen Ereignis verbunden. Während ihrer letzten beiden Schuljahre verstarb ihre allein erziehende Mutter. Wie Laura trotzdem die Kraft fand, ihr Abitur zu meistern und welche Veränderungen dieser Tod mit sich brachte, schildert sie im Interview mit zwei Schülerredakteuren.
Margareta & Margarethe: Deine Mutter litt an einer schweren Krankheit, warst Du auf ihren Tod vorbereitet?
Laura: Meine Mum ist im September 2010 gestorben. Irgendwie kann man auf solch ein Ereignis nie vorbereitet sein. Meine Mum, bei der ich lebte, hatte seit zehn Jahren Krebs, und ich wusste, dass ihr Tod bald passieren konnte. Trotzdem trifft es einen dann ganz plötzlich.
Weißt Du noch, was Du gedacht oder gefühlt hast, als Du vom Tod Deiner Mutter erfahren hast?
Meine Mutter habe ich ja selbst tot aufgefunden. Ich saß morgens bei ihr im Zimmer und habe ein bisschen Fernsehen geguckt. Ich dachte, sie schläft. Aber eigentlich war sie der totale Frühaufsteher. Und als ich dann langsam mitbekam, was los war, wollte ich es einfach nicht wahrhaben. An den Rest des Tages kann ich mich nicht so gut erinnern. Da ist einfach alles schwarz. Dann fängst Du an, langsam das gemeinsame Leben noch einmal abzuspulen. Das Gute und das Schlechte.
Hast Du mit Deinen Freunden darüber gesprochen und wie bist Du überhaupt mit der Situation umgegangen?
Nein, eigentlich gar nicht. An dem Tag war ich halt nicht in der Schule. Unser Lehrer hat meinen drei besten Freundinnen Bescheid gesagt und sie sind sofort zu mir gekommen. Dann ist es immer weiter durchgesickert und viele kamen auf mich zu. Es ist nett gemeint, aber in so einer Situation konnte ich damit nicht so gut umgehen. Ich habe ein großes Problem damit, meine Gefühle nach außen zu tragen und habe dann richtige Nervenzusammenbrüche bekommen und bin auch zum Psychologen gegangen. Jetzt komme ich auch noch nicht so gut damit klar.
Was passiert mit Dir, wenn Du solche Nervenzusammenbrüche erlebst?
Ich hyperventiliere, mir wird schlecht, ich kann überhaupt nichts mehr wahrnehmen. Deswegen habe ich auch öfter in der Schule gefehlt.
Und wie genau hast Du Dich jetzt verändert?
Das ist eine schwierige Frage … (lacht). Ich fühle mich leerer. Am Anfang habe ich kaum noch einen Sinn in irgendwas gesehen. Aber durch meine Freunde und die restliche Familie findet man doch wieder Freude am Leben.
Du singst gerne und viel und hast eine tolle Stimme. Hat Dir die Musik geholfen?
Auf jeden Fall. Wie man so schön sagt: Musik ist Heilung für die Seele (lacht).
Wer ist jetzt zu Deiner nahsten Person geworden?
Meine Schwester. Ich war ja noch nicht volljährig und sie hat meine Vormundschaft übernommen. Wir wohnen jetzt zusammen und sind uns sehr nahe. Vorher hatten wir kein enges Verhältnis, sie ist elf Jahre älter als ich, aber jetzt können wir uns fast alles sagen.
Gibst Du jemandem die Schuld am Tod deiner Mutter?
Nein, denn sie ist wegen einer Krankheit gestorben. Ich habe es zwar versucht, aber es geht nicht.
Hast Du jetzt Angst vor dem Tod?
Ja, große Panik und sie verschlimmert sich. Diese Vorstellung: Man ist nicht mehr da und kann die Personen, die man mag, nicht mehr sehen. Das ist Hardcore.
Du hast einmal gesagt, dass Du ein Problem mit Friedhöfen hast. Besuchst Du trotzdem das Grab deiner Mutter?
Nein, leider nicht. Auf ihrer Beerdigung bin ich zusammengebrochen, und ich kann mich auch noch immer nicht damit auseinandersetzen. Ich habe sie ja gefunden und das geht einfach nicht.
Glaubst Du, dass Deine Mutter jetzt über Dich wacht und Dich beschützt?
Naja, dieses Bild, dass sie im Nachthemd auf einer Wolke über mir sitzt, ist natürlich Unsinn. Aber sie ist durch die Erinnerungen immer bei mir und in meinem Leben immer noch präsent.
Margareta Adomat, Margarethe Meinhold, Kl. 8b, Kath. Theresienschule, Weißensee















