Unterwelten-Touren
Das unterirdische Berlin
Verregnete Osterferien sind kein Problem: Unter der Erde ist es immer trocken. Die Berliner Unterwelten bieten spannende Touren an.
Viele Berliner kennen ihre Stadt nur "oberflächlich", doch von unten haben sie sie noch nie gesehen. Und das, obwohl sie vielleicht jeden Tag an einem der Bunker vorbeilaufen, die in manchen U-Bahnhöfen zu finden sind. Der Verein Berliner Unterwelten e.V. zeigt bei interessanten Touren, wie es unter der Oberfläche der Stadt aussieht und wie man sich früher vor Bomben geschützt hat. Der Verein besteht seit 1997, erforscht und dokumentiert geschichtsträchtige Bauwerke im Untergrund Berlins. Außerdem bietet er eine Vielzahl von unterschiedlichen Touren an. Von Mutter-Kind-Touren bis hin zu Führungen, bei denen man die Unterwelten mit eigener Taschenlampe erkunden kann, ist alles dabei.
Da auch wir die Berliner Unterwelten interessant finden, haben wir für unseren Artikel die Tour 3 ausgewählt: Sie heißt "U-Bahn, Bunker, Kalter Krieg". Bei dieser Führung geht es um Bunker in U-Bahnhöfen, die teilweise im Zweiten Weltkrieg erbaut und im Kalten Krieg restauriert und durch weitere Bunkeranlagen ergänzt wurden. Die Tour zeigt, wie im Westteil der Stadt in Vorbereitung auf einen möglichen atomaren Konflikt alte Bunkeranlagen für den Schutz der Bevölkerung reaktiviert worden sind. Bei der Führung ist alles so gut erklärt worden, dass auch Menschen, die kein großes Hintergrundwissen haben, alles verstehen konnten. Da vieles noch sehr gut erhalten ist, konnten wir uns die damaligen Verhältnisse leicht vorstellen.
Der Leiter der Führung zeigte uns zwei verschiedene Bunker: Die erste Anlage befindet sich direkt über dem U-Bahnhof Gesundbrunnen. Daher wurde dieser auch nicht von den Alliierten am Ende des Zweiten Weltkriegs gesprengt, da man damals befürchtete, den gesamten U-Bahnhof mit zu zerstören. Der Bunker war für exakt 1318 Menschen konzipiert und wurde von 1945 bis in die 1970-er Jahre als Lagerraum genutzt. Da man damals immer mehr Angst vor einem Atomkrieg hatte, wurde er mit Millionenaufwand renoviert. Für dieses Geld hat man jedoch nur die Wände gestrichen und neue Toiletten eingebaut, aber keine extra Sicherheitsvorkehrungen getroffen.
Anschließend fuhren wir mit der U-Bahn zur Haltestelle Pankstraße, um den nächsten Bunker zu besichtigen. Die Tickets dafür waren im Preis der Führung enthalten. Eine Besonderheit des U-Bahnhofs Pankstraße ist, dass dieser selbst schon zur Bunkeranlage gehört. Im Falle eines Angriffes hätte man zwei Züge in die Station gefahren, die als Sitzmöglichkeiten gedient hätten. Anschließend hätte man die U-Bahnschächte mit riesigen Stahlbetonwänden, die theoretisch heute noch funktionieren würden, abgeschottet, damit nichts und niemand mehr in den Bunker hätte kommen können. Bei den Personeneingängen hätte man ebenfalls Betonwände in die Durchgänge geschoben, sodass man nur noch durch einen Dekontaminationsraum in den Bunker hätte gelangen können.
Damit die rund 3300 Menschen, die dort Platz gefunden hätten, vor Gift- und Gasangriffen geschützt waren, herrschte ein stetiger Überdruck – um die Innenluft nach außen zu pressen.
Für die Anlage galten im Ernstfall eine Vielzahl an Sicherheitsvorkehrungen, damit die dort untergebrachten Menschen nicht sich oder andere Personen umbringen oder verletzen konnten. Es gab zum Beispiel keine Toilettendeckel in den Toiletten, statt Spiegeln wurde poliertes Blech aufgehängt, damit man das Glas nicht als "Waffe" missbrauchen konnte. Insgesamt gab es in Berlin 23 Bunkeranlagen: Sie hätten nur etwa ein Prozent der Bevölkerung (30000 Menschen) aufnehmen können.
Für uns hat es sich auf jeden Fall gelohnt, eine Tour durch die Berliner Unterwelten zu machen und wir würden sie jedem weiter empfehlen, der sich ein wenig für den Untergrund und die Geschichte Berlins interessiert.
Mehr Infos zu den Touren des Vereins, zu Terminen und Preisen gibt es im Internet unter der Adresse "www.berliner-unterwelten.de".















