Festival
14plus: Berlinale-Filme für junge Kinofans
Drei Morgenpost-Jugendreporter haben in diesen Tagen kleine Augen: Sie sind in Sachen Berlinale unterwegs. Schreiben auf, welche Filme ihr nicht verpassen solltet. Denn das Festival hat einen eigenen Wettbewerb für Jugendliche: Unter dem Label "Generation 14plus" laufen 14 Langfilme, die ins Rennen um den gläsernen Bären der Jugendjury gehen. Zu den Stars von 14plus gehört Rupert Grint. Lest hier die Filmtipps der jungen Morgenpost-Kritiker.
Gläserner Bär der Jugendjury für "My Suicide"
"Ist Selbstmord die endgültige Lösung eines vorübergehenden Problems?" Und: Wie wird man über Nacht vom Nobody zum Highschool-Skandalfall? Was Archie betrifft, war es eine Sache von Minuten. Seit er in seiner Videoklasse sein neues Projekt angemeldet hat, steht die Welt um ihm herum Kopf. Der Grund: Archie's Projekt ist sein angekündigter Selbstmord vor laufender Kamera. Verständlich, dass Archie ab sofort von besorgten Lehrern, Psychologen und geschockten Schülern umringt wird. Die angenehme Ausnahme bildet allerdings Sierra, das schönste Mädchen der Schule, die dem Video-Nerd und ehemaligen Nobody nun ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt. Natürlich nicht ohne Hintergedanken, denn sie weiß, dass Archie alles für sie tun würde. Aber wird er auch bis zum Äußersten gehen...?
Der von der Jugendjury zu Recht mit dem "Gläsernen Bär" der Berlinale ausgezeichnete Film "My Suicide" behandelt ein heikles Thema, denn Selbstmord ist die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen. Das Team um David Lee Miller hat mit "My Suicide" einen außergewöhnlichen Film geliefert. Er blickt tief hinter die Fassaden und Klischees eines gewöhnlichen Teenagerfilms und offenbart dabei Abgründe. Auch wenn die Anfänge für manche mit animationstechnischen Spielereien vielleicht überladen wirken, geht die Thematik tief unter die Haut. Hinter dem Film steht eine fünfjährige Drehzeit und Entwicklung, die einzigartig ist, wie David Lee Miller betont, denn auch die Hauptdarsteller wie Gabriel Sunday wirkten dabei aktiv mit. Ein einzigartiger Film, der nicht nur mit charakterstarker Besetzung glänzt: Seine Geschichte wird im Kopf des Zuschauers noch lange nachklingen. (11.2., 16.30 Uhr, Cinemaxx 3; 12.2., 9 Uhr, Babylon; 15.2., 14.30 Uhr, Babylon) Laura Külper (17)
Glowing Stars
"Wenn du stirbst, Mama, will ich mit dir gehen." Schwere Worte für eine 14-Jährige und doch beschreiben sie Jennas harte Realität. Hin- und hergerissen zwischen Partyleben, Alkohol und dem ersten Mal auf der einen Seite und einer todkranken Mutter, einer allzu besorgten Oma und einem unbekannten Vater auf der anderen Seite, muss sie den Alltag in einer schwedischen Kleinstadt meistern. Jenna erlebt die Extreme der Gefühle. Die gemeinsame Reise nach Thailand zum Schnorcheln scheint durch den fortschreitenden Krebs ihrer Mutter unerreichbar zu werden. Jenna reagiert heftig und bisweilen ziemlich ignorant, doch sie lernt ihr Leben auch neu zu schätzen.
Ein großer Teil der Anmut und Bodenständigkeit dieses Films sind auf die Hauptdarstellerin Josefine Mattsson zurückzuführen. Sie spielt die Jenna mit einer Authentizität und einem Einfühlungsvermögen, das den Zuschauer 90 Minuten lang gefesselt hält. Immer wieder sucht der Film auch szenisch die Konfrontation zwischen der schönen Traumwelt eines Teenagers und der ernüchternden Wirklichkeit. Lisa Siwe reiht sich mit ihrem Erstlingswerk ein in die lange Generation nordischer Jugendfilme, die das Publikum mit ihrer Klarheit und ihrer Einfachheit immer wieder faszinieren. (10.2., 11.30 Uhr, Babylon; 11.2., 17 Uhr, Babylon; 12.2., 15.30 Uhr, Cubix 8). Lorenz Wünsch
I know you know
"I know you know" ist ein spannender Film, der voller Überraschungen steckt. Jamie zieht mit seinem Vater Charlie um, will ein neues Leben anfangen. Bald erfährt Jamie, dass sein Vater Agent ist und er eine neue Mission hat. Jamie darf ihm dabei helfen und wenn die Mission beendet ist, dann ermöglichen ihnen die zwei Millionen Pfund den Umzug in die USA, wo sie endlich ihre Träume verwirklichen können. Doch was genau ist diese Mission? Jamie wird mehr und mehr in die Sache verwickelt, bis er schließlich etwas Unerwartetes herausfindet. Über seinen Vater.
Das hört sich nach einem typischen Agententhriller an. Der Film geht aber viel tiefer, denn im Mittelpunkt steht die liebevolle Vater-Sohn-Beziehung, die im Laufe der Ereignisse immer intensiver wird. Wer wen beschützt, das ist die Frage. Der Film ist sehr emotional, hat auch viele traurige Momente. Und der Zuschuer staunt über die fantastische schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller Robert Carlyle und des jungen Arron Fuller. "I Know You Know" ist ganz besonderer Film – schaut ihn euch an. (11. 2. 14.30 Uhr, Babylon; 14.2. 19.30 Uhr, Babylon) Viktoria Hensler (14)
Cherrybomb
Der Film "Cherrybomb" gibt einen Einblick in das Leben von Malachy (Rupert Grint) und Luke (Robert Sheehan), zwei irischen Jugendlichen, die sich nach ihren Abschlussprüfungen in der Schwebe befinden. Ihre Freizeit verbringen sie mit Jobben und exzessivem Partyleben. Zwei Feuerwerkskörper, die ohne Feuer keinen großen Schaden anrichten können. Bis Michelle, die Tochter des Sportparkbesitzers, in ihr Leben stolziert und die Lunte zündet. Die Zündschnur brennt - und nicht nur im Wettbewerb um Michelle wird es zunehmend heißer. Malachy und Luke geben sich dem Rausch vollkommen hin und bei dem Versuch, einander in Zugzwang zu bringen, nähern sie sich unaufhaltsam einem explosiven Finale.
Cherrybomb ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnlicher Film. Schonungslos zeigt er, was passiert, wenn man die Lunte tatsächlich zündet. Der Film überzeugt mit ausdrucksstarken Bildern und großartigen Hauptdarstellern. Er hat es nicht nötig, durch Spezialeffekte zu schocken oder mit überladenen Dialogen auf die Tränendrüse zu drücken. Durch seine schnörkellose Direktheit bleibt das Jugenddrama authentisch und tiefgründig. Die Eigendynamik, die sich durch den Wettkampf um Michelle ergibt, ist schlüssig. Auch die unvermeidbare Explosion am Ende hinterlässt bleibenden Eindruck beim Zuschauer. Ein überzeugendes, ja mitreißendes Gesamtkunstwerk. (Vorstellungen: 8.2.: 14.30 Uhr, Babylon; 9.2.: 16.30 Uhr, Cinemaxx 3; 15.2.: 11 Uhr, Babylon) Laura Külper (17)
Unmade Beds
Betten - Orte der Ruhe, der Geborgenheit und Tore zur Traumwelt. Die Sektion Generation eröffnet ihr Jugendprogramm mit einem eher ungewöhnlichen Beitrag aus Großbritannien. Der Spanier Axl steht in "Unmade Beds" an der Schwelle von "dafür bist du noch zu klein" zu "aus dem Alter bist du raus", aber er weiß selbst nicht genau, was er eigentlich will. 20 Betten hat er schon hinter sich gelassen auf dem weiten Weg nach London. Endlich glaubt er, in einem Immobilienmakler seinen leiblichen Vater gefunden zu haben. Sein 21. Bett ist mehr eine einfache Matratze und steht in einer sehr gechillten, multikulturellen Wohngemeinschaft. Hier ist nichts zu absurd, kein Abenteuer zu aufregend und kein Chaos zu unübersichtlich.
Es scheint, als wäre es genau das, was Regisseur Alexis Dos Santos in "Unmade Beds" vermitteln möchte: ein Lebensgefühl aus längst vergangenen 68er-Zeiten. Maßstäbe wie Spannungsbogen oder Aktualität sind an "Unmade Beds" nicht anzulegen. Wer sich identifizieren kann mit einem sehr ruhigen "Flow" und skurrilen Begegnungen, wird mit diesem Eröffnungsfilm zufrieden sein. Liebhaber gradliniger Geschichte sollten den Film jedoch meiden.
Fazit: Make love not war – nicht jedermanns Lebensmotto. (7. 2. Cinemaxx 3, 16.30 Uhr; 15. 2. Babylon, 17 Uhr) Lorenz Wünsch (17 J.)
Das andere Ufer (The other bank; Generation/Kplus)
Tedo ist Flüchtlingskind. In der georgischen Hauptstadt Tiflis hält er sich mit kleinkriminellen Machenschaften über Wasser. Innerlich zieht es ihn aber zurück zu seinem Vater in den Norden, nach Abchasien. Doch das ist von russischen Truppen besetzt und überhaupt sind "Georgier" in dieser Region nicht gern gesehen. Tedos Weg wird lang und mitunter sehr gefährlich.
Mit starken Bildern von einem Land in Ruinen und nahezu unberührter Natur zieht unsGeorge Ovashvili "aufs andere Ufer". Dabei tritt die - zugegebenermaßen nicht sehr abendfüllende – Handlung in den Hintergrund und macht einem Gesamteindruck Platz. Eher dokumentarisch erzählt der Film von einem Land, in dem das Leben auf unterschiedliche Weise aus den Fugen geraten ist. Angesichts der jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Russland und Georgien wirkt "Gagma Napiri" aktueller denn je. Wie es mit dem gespaltenen Land am Schwarzen Meer weitergehen soll, weiß auch Ovashvili nicht: "Georgien ist noch nicht am Ende des Konflikts, es ist gerade mittendrin."
Ein Film, der zum Nachdenken anregt. Er macht deutlich, dass es höchste Zeit ist. (9. 2., 14 Uhr, Cinemaxx 3) Lorenz Wünsch















