Schüleraustausch

Ein Super-Jahr in den USA

Fast ein Jahr lebte der Berliner Marosch Schweigel, 17, in St. Louis, Missouri. Schaffte sein Highschool-Diplom und fand eine neue Familie. Mit gemischten Gefühlen setzte er sich jetzt ins Flugzeug, das ihn zurück in die alte Heimat brachte. In den letzten Wochen seines USA-Jahres hat Marosch besonders viel erlebt. Von der Prom bis zur Graduation-Party war alles dabei.

Ich konnte es nicht fassen, dass mein Austauschjahr schon bald zu Ende gehen sollte! Die Tatsache, dass ich bald wieder nach Berlin fliegen musste, wurde mir ganz plötzlich bewusst. Nach einem ganzen Jahr in St. Louis, Missouri, fühlte ich mich dort zu Hause.Deshalb versuchte ich, die letzten Wochen meines Aufenthaltes so gut wie möglich zu nutzen. Doch bevor ich meine Abschiedsparty organisieren konnte, standen erst noch zwei wichtige Events in der Schule an. Zuerst kam die Prom, der bekannte amerikanische Abschlussball, der mit der Abi-Feier zu vergleichen ist. Die Prom ist eine gesellschaftlich und sozial wichtige Veranstaltung für Schüler, Lehrer und Eltern. Die Kleiderordnung an meiner "Seckman Senior High School" orientierte sich diesmal am Motto: "A Sea of Dreams" (Meer der Träume).

Nachdem ich mich schon am frühen Morgen für den Abend vorbereitet hatte, traf ich mich mit meinen Freunden gegen Mittag vor der Schule. Eine Limousine fuhr uns in die Innenstadt zum Fototermin und im Anschluss zur Prom, die im 15. Stock eines der nobelsten Hotels der Stadt stattfand. Bevor es losging, mussten die Prom-King- und Prom-Queen-Kandidaten über einen roten Teppich an uns vorbeilaufen. Natürlich verlief nicht alles wie geplant, denn das Favoriten-Paar des Abends fiel hin und war der Lacher des Abends. Der Höhepunkt war die spätere Kür des Prom-Kings und der Prom-Queen. Ich selber war, obwohl ich nicht selbst teilnahm, sehr aufgeregt, denn mein bester Freund strebte den Titel an - verlor am Ende aber mit seiner Partnerin gegen das Favoriten-Paar. Um Mitternacht sind wir dann in ein sehr vornehmes Restaurant gefahren - mit der Limo.

Mit der großen Limo zur Party

Noch ein zweites Event beschäftigte mich in den letzten Wochen meines Austauschjahres: die Graduation, eine große Abschlusszeremonie für unsere Highschool in der Chaifetz Arena in der St. Louis University. Schon Wochen vorher sprach man in den Hallen über nichts anderes, auch bei mir wuchs die Spannung von Tag zu Tag.

An einem Samstagmittag machte ich mich schließlich - angezogen mit meinem blauen Gewand - genannt ,,Cap & Gown"- auf den Weg zur großen Arena. Die Kleidung stammt ursprünglich aus dem Mittelalter, war die Kleidung der Akademiker an den europäischen Universitäten. In den USA kann man anhand der Farben erkennen, welcher Highschool man angehört.

Pünktlich um 16 Uhr war es dann soweit und wir liefen in Zweierreihen in die Arena. Angefangen haben wir mit der amerikanischen Nationalhymne. Es folgten zahlreiche Reden und die Vergabe von Auszeichnungen sowie Stipendien. Endlich war es soweit: Wir wurden einzeln aufgerufen und bekamen auf der Bühne eine Hülle für unser Abschlussdiplom - damit die Schüler, die kein Diplom bekommen hatten, nicht mit leeren Händen über die Bühne laufen mussten. Das eigentliche Diplom bekam man nach der Zeremonie hinter der Bühne.

In den letzten Wochen meines USA-Aufenthalts verbrachte ich viel Zeit mit meiner Gastfamilie und meinen Freunden. Es war so viel los, dass ich nur wenig Schlaf bekam, aber das war es mir wert. Je näher mein Abflugtermin rückte, desto größer war auch die Vorfreude auf mein altes Leben zu Hause. Mir fiel der Abschied schwer, doch wurde mir bewusst, dass ich immer wieder zurückkommen kann und bei meiner neuen Familie immer herzlich willkommen bin. Mir war auch klar, was für ein Glück ich hatte, denn nicht jeder Jugendliche in meinem Alter bekommt die Chance, ins Ausland zu gehen. Mit diesem Wissen war es nicht mehr schwer, die letzten Türen am Flughafen zu überwinden. Als ich wieder zurück in Berlin war, konnte ich meine Freude kaum in Worte fassen. Mein Deutsch ist nicht das Beste, doch weiß ich, dass ich nach einiger Zeit wieder ein ganz normales Deutsch sprechen werde und mich wieder an die Lebensumstände hier gewöhnen werde. Und wenn ich jetzt über das zurückliegende Jahr nachdenke, dann hat es mir viele Veränderungen im positiven Sinn gebracht. Es hat meinen Mut, meine Selbstständigkeit und meine Unabhängigkeit gefördert. Vor allem die Erfahrung, dass ich, so wie ich bin, geliebt und akzeptiert worden bin, hat dieses Jahr zu einem der schönsten überhaupt gemacht.

Marosch Schweigel, 17 Jahre

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