Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
18.12.11

Endlich Urlaub!

Der FKK-Strand, das Schlauchboot und die Sandbank

In einer Serie blicken jeden Sonntag Redakteure von Morgenpost Online auf unvergessliche Abenteuer zurück, die sie bei Reisen in ihrer Kindheit und Jugend erlebt haben.

pa/dpa

Das Reisebewertungsportal TripAdvisor hat die zehn schönsten FKK-Strände der Welt zusammengestellt: Platz 1: Cap d'Agde Überregional bekannt wurde Cap d’Agde durch die mit Abstand größte FKK-Anlage Europas. Allein der Strand hat eine Länge von gut zwei Kilometern.

9 Bilder

Das Ferienparadies meiner Kindheit begann gleich hinter dem Elbtunnel.

Wenn wir diesen mit unserem hellblauen VW Variant überstanden hatten, begann der Urlaub. Erst Bad Schwartau – das kannte ich von den Marmeladengläsern –, dann Oldenburg (Holstein), bis wir endlich nach Weißenhaus zum Gästehaus der Familie von Grass kamen.

Das Ritual war stets das gleiche: Wir stürmten in das Haus und sicherten uns die Schlafplätze in der Kammer unterm Dach. Und liefen dann durch den Park des Schlosses Weißenhaus, der immer der Park meiner Sehnsucht bleiben wird, an die Ostsee, die uns rauschend empfing.

So war das fast jedes Jahr in den 70er-Jahren, ich bin als Vierjähriger 1971 erstmals mitgefahren und mit elf das letzte Mal. Es sollte ein eindrückliches letztes Mal werden, was ich damals nicht wusste, denn die Kindheit schien endlos wie der Strand an der Ostsee.

Und doch ist mir 1978 fühlbar in Erinnerung geblieben, denn da gab es so etwas wie den Sündenfall im Paradies, und der hat mit meinem Cousin Christoph zu tun, der zu Besuch war.

Ich weiß bis heute nicht, wie wir auf die Idee kamen, aber irgendwo hatten wir gehört, dass am nahe gelegenen Weißenhäuser Strand ein FKK-Strand sein sollte.Dazu muss man wissen, dass allein schon dieses Wort damals zumindest in meiner Familie den Ruch des Verbotenen hatte.

In Weißenhaus trug frau Badeanzüge mit der Stoffmenge eines ausgewachsenen Drei-Mann-Zeltes, der Mann klemmte seine gewaltige Badehose knapp über den Nabel, und das Umziehen am Strand geschah stets unterhalb eines Bademantels.

Da war die Verheißung purer Nacktheit für einen Elfjährigen sehr verlockend. Bloß – wie hinkommen? Durch den Sand stapfen bis zum Ziel? Zu anstrengend!

Es war meine Idee, sich das gelbe Schlauchboot meiner Eltern zu schnappen, mit dem uns sonst immer Papa am Strand entlanggerudert hatte. Also auf ins Boot, die beiden Paddel gegriffen – und los Richtung FKK-Strand! So weit der Plan.

Dumm nur, dass wir gar nicht richtig vorankamen. Wir ruderten und ruderten – aber die Menschen am Strand hatten immer noch so viel Kleidung an. Wir wollten nicht zu nah am Ufer sein (das war uns mit unseren Badehosen peinlich), wir wollten aber auch nicht zu weit weg (das war uns zu gefährlich und voyeuristisch zu unergiebig), also wählten wir den goldenen Mittelweg – immerhin mit Fernglas.

Jedoch hatte der liebe Gott vor den Anblick der Nacktheit eine starke Strömung sowie die Angst meines Vaters gesetzt.

Der hatte nun wiederum selbst ein Fernglas und uns die ganze Zeit damit vom Ufer aus beobachtet. Er wusste, dass es dort, wo wir den FKK-Strand vermuteten, eine Sandbank gab, und sah, dass wir nicht vorankamen.

Wir ruderten und ruderten, wir schwitzten und schimpften, aber wir kamen nicht vorwärts. Ergo reagierte er – und sprang ins Wasser. Als guter Schwimmer hatte er uns bald erreicht, er zog uns schwimmend ans Ufer.

Wir waren erschöpft ein paar Hundert Meter geschafft, während der FKK-Strand bestimmt fünf Kilometer entfernt war.

In der Kindheit gibt es keine Entfernungen, nur Ziele. Wir haben unseres damals nicht erreicht. Ein Jahr später fuhren wir an den Staffelsee in Bayern. Dort gab es keinen FKK-Strand.

Der Autor arbeitet in der Reiseredaktion

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote