22.02.13

Russland

Kleinstadt rüstet sich für "Meteoriten-Tourismus"

Der spektakuläre Meteoriten-Einschlag am Ural lockt Touristen in die abgelegene Region. Nun sollen Straßen ausgebessert werden, und Hotels müssen her. Doch nicht alle sind begeistert von dem Ansturm.

Von Benedikt von Imhoff
Foto: picture alliance / dpa

Die russische Millionenstadt Tscheljabinsk und der Ort Tschebarkul mit seinen 40.000 Einwonern sind auf einen Schlag berühmt geworden.

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Wer dem Meteoriten, der am 15. Februar in der russischen Region Tscheljabinsk einschlug, ganz nahe kommen will, braucht umgerechnet etwa 2500 Euro. Flug, Unterkunft, Transport, gerne auch ein Dolmetscher – in Windeseile stellen sich Anbieter rund um die abgelegene Absturzstelle am Ural auf "Meteoriten-Touristen" aus aller Welt ein. "Es wäre eine Sünde, diese Gelegenheit nicht zu nutzen", meint der regionale Kulturminister Alexej Betechtin.

Der spektakuläre Absturz hat die russische Millionenstadt Tscheljabinsk und vor allem das Örtchen Tschebarkul auf einen Schlag berühmt gemacht. Von einem "zweiten Geburtstag" für die Kleinstadt und ihre 40.000 Einwohner spricht Tschebarkuls Bürgermeister Andrej Orlow. Die Stadt habe riesiges Glück gehabt, niemand kam zu Schaden. Nun will Orlow den Meteoriten-Einschlag versilbern.

Denn im eisbedeckten Tschebarkul-See, rund 80 Kilometer westlich von Tscheljabinsk, vermuten Forscher das Kernstück des 10.000 Tonnen schweren Meteoriten, der zur Erde gerast war. Aufnahmen des Absturzes machten schnell im Internet die Runde und erlaubten Einblicke in das seltene Naturspektakel.

Bootsfahrten für Touristen sind umstritten

"Die Leute wollen herkommen und sich den Meteoriten-Ort anschauen", sagt Betechtin. Bürgermeister Orlow rief die Einwohner bereits dazu auf, sich Gedanken zu machen, wie der Ort von dem Meteoriten profitieren könne.

Eine Idee ist, Bootsfahrten über den See anzubieten. Doch der ist zugleich ein wichtiges Trinkwasserreservoir – Umweltschützer warnen vor erheblichen Schäden durch die erwarteten Touristen-Horden.

Noch aber ist die Region rund 1500 Kilometer östlich von Moskau ein weißer Fleck auf der touristischen Landkarte. "Tschebarkul ist nicht bereit für Besucher, es gibt kein adäquates Hotel, die Infrastruktur ist kaum ausgebaut", meint die Reiseveranstalterin Olga Gerwik.

Selbst Tscheljabinsk ist bislang alles andere als ein Touristen-Mekka. Der Reiseführer Lonely Planet nennt als Höhepunkt eines Besuches eine mit Skulpturen gespickte Fußgängerzone.

Nun aber können sich Reiseveranstalter vor Anfragen aus aller Welt kaum retten, vor allem in Japan soll das Interesse groß sein. Auch die häufig noch sowjetisch geprägte Wirtschaft des Gebiets hofft darauf, dass der Meteorit sich als zugstarke Marke erweist und dringend benötigte Investitionen folgen lässt. Die lokale Regierung kündigte bereits an, schnell die Straßen rund um den als Kurort genutzten See in Schuss zu bringen.

Bei eisigen Temperaturen ohne Fenster

Weniger begeistert von dem unerwarteten Ansturm auf Tschebarkul sind hingegen die Astronomen an der örtlichen Universität. Sie fürchten, dass Meteoriten-Jäger Fragmente mit nach Hause nehmen und der Wissenschaft dadurch wichtige Informationen verloren gehen. Der "Meteorit von Tschebarkul" war immerhin der größte Einschlag eines Himmelskörpers auf der Erde seit Jahrzehnten.

Ganz andere Sorgen haben auch eine Woche nach dem Meteoriten-Einschlag viele Einwohner von Tscheljabinsk. Noch immer sind zahlreiche Fenster zersplittert. Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt warten Tausende Menschen auf Hilfe.

Zivilschutzminister Alexej Putschkow treibt zur Eile. Anti-Korruptionskämpfer warnen, dass Händler die Not der Menschen ausnutzen und die Glaspreise in die Höhe treiben könnten.

Quelle: dpa
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