16.01.13

Bildband

Von "Angst" bis "Zweiffel" – lauter obskure Hotels

Möchten Sie in der "Pension Trauer" wohnen? Oder im "Hostel Blues"? Conny Habbel und Franz Adrian Wenzl besuchten ominöse Gasthäuser in Europa. Ihre Bilder und Texte entfalten eine besondere Wirkung.

Foto: Orange Press

So gediegen schläft es sich in der „Pension Flucht“. Besonders hübsch ist der Ausblick auf die Mühle am Kopfende.

23 Bilder

Der Deutsche an sich will seine Klischees. Und wenn er dann auf Reisen ist, mag er gern ein Hotelzimmer bewohnen, das seine Erwartungen an das Gästehaus erfüllt.

Die Hotels müssen verheißungsvolle Namen traen wie wie "Sunrise Beach", "Paradiso" oder gar "Das beste Haus der Stadt". Fleckige Bettwäsche und geschmacklose Möblierung treffen uns dann in unserem tiefsten Inneren.

Der Gast soll sich in einem, auf das Wesentliche reduzierten, knapp 30 Quadratmeter großen Raum mit Bett, Schrank und an der Wand hängendem winzigem Fernseher wie zu Hause fühlen. Dass das gründlich schief gehen kann, beweisen die unzähligen Internetforen und Fernsehsendungen, die Hotels bewerten.

Imageschädigende Namen

Alles eine Frage des Anspruchs, meinen die Fotografin Conny Habbel und der Autor Franz Adrian Wenzl. Sie haben für ihr Buch "Herzbrechhotel" Unterkünfte in ganz Europa besucht, deren Namen man durchaus als imageschädigend bezeichnen kann.

Sie landeten etwa in der Pension "Flucht" in Paaren im Glien und entdeckten dort im Frühstücksraum ein Wildschweinfell samt Speer und sieben Pistolen an der Wand. Oder im Hotel "Verloren" in Belgien, wo auf dem Bett sitzende Plüschbären Gemütlichkeit verbreiten.

Die Fotografien sind beeindruckende Stilleben, auf denen kein Menschen zu sehen ist, nur Einrichtungen und Details, Fassaden.

Duschvorhang mit Regenschirmen

Zum Beispiel einen Duschvorhang mit kleinen, rosafarbenen Regenschirmen in der Pension "Trauer" in Dresden, den man lange betrachten muss mit dem Gedanken: Wer kommt nur auf eine solche Idee?

Es sind Bilder, die jedes für sich genommen eine mehr oder weniger melancholische Geschichte erzählen – und wer ein bisschen Erfahrung hat mit Hotels oder Pensionen, der wird diese Details durchaus wiedererkennen.

Zu Gast im Hotel "Angst"

Hotels haben Dichter und Filmemacher schon immer inspiriert, sei es das Hotel im Sofia Coppola Film "Lost in Translation" in Tokio oder das Hotel "Angst" im italienischen Bordighera in der Novelle von John von Düffel.

Letzteres haben Habbel und Wenzl auch für ihr Buch besucht und zeigen eine marode Schönheit, die bröckelt. Der Schriftzug verblasst, und vom Glanz des Grandhotels aus dem Jahre 1887 ist rein gar nichts mehr zu sehen.

Die Autoren wollten mit ihrem Buch hinter die Fassade merkwürdiger Hotels und Pensionen blicken, das ist gut gelungen.

Keine Bildunterschriften

Leider haben sie gänzlich auf Bildunterschriften verzichtet, weswegen der Leser nie weiß, wo zum Beispiel jener geschmacklose runde Läufer oder dieses grüne Himmelbett steht.

Die Antwort findet man erst hinten im Fotoverzeichnis. Beides steht übrigens im Hotel "Zweiffel" in Euskirchen. Da will man jetzt unbedingt seinen Urlaub verbringen. Kein Zweifel.

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