04.01.13

St. Anton

Wahnsinn – Après-Ski in der schlechtesten Hütte

Der "MooserWirt" in St. Anton ist das Après-Ski-Epizentrum der Alpen – RTL II sendet von hier seine Après-Ski-Hits. Ein Besuch bei dem Macher der "wahrscheinlich schlechtesten Skihütte".

Von Raimund Haser
Foto: RTL II

Zweieinhalb Stunden lang präsentiert Moderatorin Gülcan Kamps die „Après-Ski-Hits 2013“ auf RTL II.

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Die Franzosen haben das Après-Ski "erfunden" – doch erst die Tiroler und Salzburger erhoben es zum Kult und zu einem Massenphänomen. Heute ist die laute Party nach dem Skitag im Schnee für viele wichtiger als das sportliche Naturerlebnis an sich.

Nicht umsonst ist daraus inzwischen ein riesiges Geschäft und ein eigener Markt geworden – mit Schlagerstars wie DJ Ötzi, mit haufenweise Musikproduktionen und Merchandise-Artikeln – und mit einem Getränkeumsatz in den Skihütten von Ischgl, Saalbach-Hinterglemm oder St. Anton, von dem herkömmliche Gasthäuser in Nicht-Skigebieten nur träumen können.

Hüttenzauber und Luxushotel

Wer dem Erfolgsmodell Après-Ski auf den Grund gehen will, kommt am berühmten "MooserWirt" in St. Anton nicht vorbei. In der "wahrscheinlich schlechtesten Skihütte am Arlberg", wie sich das direkt an der Talfahrt gelegene Etablissement nahe der Galzig-Bahn seit Jahren selbstironisch nennt, werden seit 2001 die aktuellen Après-Ski-Hits vorgestellt.

RTL II strahlt die frische Aufzeichnung der Ausgabe 2013 am 5. Januar ab 17.30 Uhr aus. Eugen Scalet, Besitzer, Betreiber und geistiger Kopf des inzwischen auf 85 Mitarbeiter angewachsenen Hüttenzauberkomplexes inklusive Luxushotel, wird dann wahrscheinlich auch vor dem Fernseher sitzen. Oder auch nicht.

Denn für den 52-jährigen Familienvater, den wir an einem nasskalten Winterabend im hoteleigenen Restaurant "Vinzenz im Mooser" bei einem Glas Wasser und einer Schachtel Marlboro treffen, ist der "MooserWirt" in erster Linie ein Geschäft. Privat hat der unscheinbare, eher philosophisch veranlagte Querdenker andere, feinsinnigere Interessen.

Der Skilehrer fährt nicht mehr Ski

Seit 16 Jahren hat der einstige Skilehrer nicht mehr auf den Skiern gestanden. "Ich kann das ja schon. Also muss ich es nicht mehr jeden Tag machen", sagt er.

Privat trifft man ihn so gut wie nie im "MooserWirt" an. Denn auch wenn sich der Chef des Hauses noch immer über ein gutes, gefrierschrankkaltes Pils freut, ist ihm die lauschige, eher den an unserem Nebentisch dinierenden Weinliebhabern gewidmete Atmosphäre des mit nur 17 Zimmern sehr exklusiven Vier-Sterne-Superior-Hotels inzwischen lieber als der stickige Tanzpalast zwei Etagen tiefer.

Mit 29 Jahren hat der Ur-Tiroler, der jeden und alles in und um St. Anton herum kennt, den elterlichen Hof übernommen. "Meine Eltern waren Bergbauern. Wir hatten vier Gästezimmer und keine Gastronomie im Haus. Was ich geerbt habe, war ein verschuldeter Bauernhof. Und von Gastronomie hatte ich nur von der anderen Seite des Tresens her Ahnung."

Ungeahnter Après-Ski-Erfolg

Keiner ahnte damals, dass das Thema Après-Ski jemals so einschlagen würde. Auch Eugen Scalet, der älteste von vier Geschwistern, nicht. "Wie will man so etwas wie unseren Erfolg hier denn planen. Das hat doch keiner für möglich gehalten."

Aus dieser Erkenntnis heraus hat Eugen Scalet noch heute ein "Aber" gegen alles, was nach einem strategischen Konzept aussehen könnte. Stattdessen bespricht er sich gerne und oft mit seiner Frau AnnaMaria – "sie hat einen wunderbaren Geschmack" – und mit seiner Hotelchefin Isolde, mit seinem Bruder, der für die Logistik zuständig ist, oder auch mit den erfahrenen Saisonarbeitern, die immer alle wiederkommen wollen, wie er sagt.

Oder doch wieder Rinder züchten?

"Vielleicht züchte ich morgen wieder Rinder und vermarkte Tiroler "Kobe"-Fleisch an die Hotels im Dorf. Vielleicht auch nicht. Man muss als Unternehmer zur rechten Zeit die richtigen Entscheidungen treffen. Das haben wir in der Vergangenheit offenbar in Summe getan."

Dass auch schlechte, sprich teure Entscheidungen dabei waren, verschweigt er nicht. Aber wer jeden Tag eine Lastwagenlieferung Getränke bekommt und einen Lagerkeller von der Größe einer Tiefgarage braucht, um zwischen Dezember und April täglich zwischen 15.30 und 20 Uhr Tausende Gäste zu bedienen, scheint irgendwann mal etwas richtig gemacht zu haben im Leben.

Die erste richtige Entscheidung von Eugen Scalet und den Seinen war, ausgerechnet mit der Hilfe seines Nachbarn, der ebenfalls eine Skihütte – die "Sennhütte" – betreibt, den "MooserWirt" zu planen. "Ohne den Senn Karl hätte ich das nie geschafft. Er hat mit mir sogar über die Bierpreise mit den Brauereien verhandelt – 'damit die den Bub nicht b'scheißen', wie er meinte."

Den "MooserWirt" kennt praktisch jeder

Heute streiten sich Bier- und Weinhändler, Spirituosen- und Jagertee-Produzenten um einen Platz hinter der "MooserWirt"-Theke. Jährlich zischen hier immerhin mehrere hunderttausend Liter durch die Getränkeschläuche.

Dass die "wahrscheinlich schlechteste Skihütte am Arlberg" heute weltberühmt ist und spätestens seit der jährlichen Après-Ski-Hits-Sause auch den deutschen Stubenhockern mit RTL-II-Knopf an der Fernsehbedienung ein Begriff ist, war einer der vielen Zufälle, die den "MooserWirt" groß gemacht haben, wie Eugen Scalet sagt.

"Wir sind nur zufällig in die Auswahl gekommen. Und als das Produktionsteam fürs Briefing bei mir war, hab ich einfach immer ,Ja' gesagt. Könnt ihr den Balkon wegmachen? Ja. Kriegt ihr das mit der Beleuchtung hin? Ja. Und so weiter. Und am Schluss wurde das Ding bei uns gedreht. Das geht jetzt schon seit zwölf Jahren so."

Après-Ski – in Chamonix fing alles an

Wie lange der Hype um das Après-Ski noch anhält, weiß keiner. Gewandelt hat es sich heute schon: So wie einst in Chamonix, wo der Legende nach im 19. Jahrhundert alles mit einem Glas Rotwein, leichter Kleidung und sanften Klavierklängen zur winterlichen "Tea-Time" begann, endet es teilweise schon wieder. Die Lautstärke weicht der Qualität.

Es gibt immer mehr ausgefallene Events – das Après-Ski entwickelt sich weiter. "Es gibt keinen klassischen Après-Ski", sagt Eugen Scalet. "Wir entwickeln und verändern ihn laufend. Das Après-Ski von 2013 hat mit dem von 2003 nichts mehr tun. Und auch das Après-Ski von 2023 wird anders sein."

"Nichts ist für die Ewigkeit"

Muss er wohl auch: Die internationalen Gäste am Arlberg, in St. Moritz, Laax oder Saalbach-Hinterglemm schätzen den Après-Ski zwar – mit deutschen Schlagern haben sie aber wenig am Hut.

Also wird sich bald etwas tun. Ob der "MooserWirt" sich in seiner jetzigen Form dann überlebt? "Was weiß ich?", fragt Eugen Scalet zurück und drückt seine Zigarette aus. "Nichts ist für die Ewigkeit."

Aus seinem Mund klingt es so, als sei das eher spannend als schlimm.

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Tipps für St. Anton
  • Après-Ski-Hits auf RTL II

    Bereits zum zwölften Mal hat RTL II seine Sendung „Après Ski Hits“ im legendären „MooserWirt“ in St. Anton am Arlberg aufgezeichnet (Sendetermin: Samstag, 5. Januar 2013, 17.30 Uhr).

  • Noch mehr Mooser: Das Hotel

    Drei Jahre lang war das Mooser-Areal eine Baustelle, seit dem Winter 2011/2012 ragt neben der Skihütte das Vier-Sterne-Superior-Hotel MOOSER aus dem Felsen (www.mooserhotel.at).

    17 Zimmer, mit vielen qualitativ hochwertigen Details beeindruckend, in klaren Formen angelegt und mit einer wahrhaften Ruhe-Oase im Keller ausgestattet, ist der respektable Hotelkomplex in bester Lage an der Piste ein neues, zusätzliches Highlight am ohnehin leuchtenden St. Antoner Hotelhimmel.

    Das Restaurant „VINZENZ im MOOSER“ im Obergeschoss ist zudem auch für Nicht-Hotelgäste geöffnet und bietet kulinarische Höhepunkte – kombiniert mit einem traumhaften Blick über das Dorf.

  • St. Anton für „Ladies“

    Wer sich die schönen Seiten von St. Anton am Arlberg anschauen möchte, ohne im „Das Mooser Hotel“ einzuchecken, kann zurzeit von zahlreichen Schnäppchen-Angeboten im Rahmen der Aktionen „Ladies First“ und „Pulverschneewochen“ profitieren.

    Bei den „Ladies First – Die Wohlfühlwochen“ stehen noch bis zum 26. Januar die weiblichen Gäste im Mittelpunkt. Freundinnen, Mütter und Töchter werden auf und abseits der Piste mit zahlreichen Vergünstigungen und Goodies verwöhnt.

    Der Zeitpunkt ist günstig: Die Ladies können zusätzlich die Pauschale „Pulverschneewochen“ buchen und treffen zudem auf internationale Freerider, die im Januar auf die morgendliche First Line am Arlberg aus sind.

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