25.12.12

Skiurlaub in Tirol

Carver und Kühe – Das Dorf Serfaus hält Balance

Vor den beiden Schweizer Skigebieten Saas Fee und Aletsch-Arena wurde Serfaus-Fiss-Ladis zum "Best Ski Resort 2012" gewählt. Wie sich ein Bergbauerndorf zum Top-Reiseziel in den Alpen entwickelt hat.

Von Karl-Heinz Ludwig
Foto: Mayer Serfaus

Serfaus ist ein kleines Dorf mit vielen Besuchern. Der sonnenverwöhnte Wintersportort in Tirol will vor allem Familien ansprechen.

16 Bilder

Nichts zeigt die Entwicklung eines Skigebietes besser als ein Blick auf alte Pistenpläne: Auf Anhieb wird deutlich, wie es über Jahrzehnte ausgebaut wurde. In besonderem Maße gilt dies für die Tiroler Urlaubsregion Serfaus-Fiss-Ladis.

Die im Oberinntal etwa auf halber Strecke zwischen Landeck und Pfunds westlich der Reschenstraße auf einem Hochplateau gelegene Skiarena ist zwar um vieles jünger als so traditionsreiche Wintersportzentren wie St. Anton oder Grindelwald, steht diesen kaum mehr nach.

Erst im November 2012 wurde das Tiroler Skigebiet in einer internationalen Studie zum "Best Ski Resort 2012" gewählt. Servus-Fiss-Ladis setzte sich unter dem Aspekt der Kundenzufriedenheit der Skiurlauber auch gegen die Konkurrenz aus Frankreich und der Schweiz durch.

Früher wurde viel geschmuggelt

Die Anfänge waren schwer. Nach dem Krieg verlegte man sich zunächst auf den riskanten Schmuggel von Luxusgütern wie Kaffee aus dem acht bis neun Stunden Fußmarsch entfernten schweizerischen Samnaun. Erst in den frühen Fünfzigerjahren ging es mit dem Tourismus ein wenig bergauf, wobei das 1929 auf der Komperdell-Alm (1950 Meter) eröffnete Kölner Haus für die Unterbringung der Gäste eine wichtige Rolle spielte.

Um diesen den mühsamen Aufstieg zu ersparen, baute man 1951 dessen Materialseilbahn von 1940 um in eine Pendelbahn mit einer Tageskapazität von 150 Personen. Im Jahr darauf folgte der erste Schlepplift mit zwei (!) Bügeln auf dem Alpkopf (2023 m). Da viele Skifahrer lieber zu Fuß zum Komperdell aufstiegen, als stundenlang Schlange zu stehen, errichtete man parallel zur bestehenden 1959 eine neue Bahn, die stündlich 200 Gäste befördern konnte.

Im selben Jahr öffnete in Serfaus das erste Hotel: das Cervosa. Es hatte schon damals hundert Betten. Heute ist es ein Fünf-Sterne-Wellnesshotel. In den Sechzigerjahren folgten das Bergrestaurant Komperdell sowie – an Aufstiegshilfen – eine Handvoll Schlepper und ein Einsessellift zum Alpkopf. Das Wachstum war also noch recht bescheiden.

Kampf gegen den Autoverkehr

Das änderte sich in den Siebzigern, als man begann, den Pistenbereich nach Süden in Richtung Masner-Alm zu erweitern. Da dies immer mehr Skifans anzog, wurde die alte Komperdell-Bahn 1973 durch eine Umlaufbahn ersetzt, was dazu führte, dass die Zahl der Fahrten die Millionengrenze dauerhaft überstieg.

Zugleich wurde aber auch der Autoverkehr durch das Dorf so unerträglich, dass man für den Winter ein Fahrverbot erließ und zwischen dem Parkplatz am Ortseingang und der Talstation der Seilbahnen einen kostenlosen Busverkehr einrichtete.

Weitere zehn Jahre später war das weitläufige Masnergebiet mit vier Schleppliften bis zum Mindersjoch (2700 m) erschlossen und die Zahl der Fahrten hatte sich mit 4,8 Millionen mehr als vervierfacht. Da der Massenandrang selbst den Busverkehr zur Plage machte, fasste der Gemeinderat den wahrlich kühnen Beschluss, zwischen Parkplatz und Talstation nicht nur eine U-Bahn, sondern statt eines herkömmlichen Systems auf Rädern eine Lufkissenstandseilbahn zu bauen. So schweben seit Ende 1985 die Skifahrer in Serfaus auf Luft zum Lift.

Kinder stehen hoch im Kurs

Die nächste Maßnahme zu dem bereits seit 1977 systematisch betriebenen Ausbau zum kinderfreundlichsten Ferienort der Alpen war 1990 die Einrichtung der heute rund 80.000 Quadratmeter großen "Kinderschneealm" auf dem Komperdell, einem Lern- und Spielgelände, das mit allem ausgestattet ist, was die Herzen der Knirpse begehren.

Seither können Eltern ihre Sprösslinge je nach Wunsch ganztags oder auch nur stundenweise der Obhut erfahrener Betreuerinnen und des Maskottchens "Murmli" überlassen, während sie selbst unbeschwert die weiten Abfahrten genießen.

Da sich die benachbarten, untereinander mit den Gondeln der Sonnenbahn verbundenen Dörfer Fiss und Ladis ebenfalls durch Angebote für eine Rundumbetreuung des Nachwuchses – unter anderem mit einem eigenen "Kinderland" und der "Kuh Berta" als Maskottchen – intensiv um Familien mit Kindern bemühten, lag es nahe, beide Gebiete in einem Skiverbund mit gemeinsamem Skipass zusammenzuführen.

Serfaus-Fiss-Ladis seit 1999 in neuer Dimension

Mit der Eröffnung der Kabinenbahn "Sunliner" und des Sessellifts "Puinzbahn" gab es Ende 1999 erstmals eine direkte Verbindung zwischen beiden Skigebieten. Damit hatte die Skiregion Serfaus-Fiss-Ladis eine ganz neue Dimension gewonnen.

Bei der weiteren Entwicklung lag der Schwerpunkt weniger auf der Erhöhung der Zahl der Seilbahnen und Pistenkilometer als der Kapazität und Qualität. So entstand unter anderem die neue Kabinenbahn zum Pezid (2770 m) und vier Sesselbahnen anstelle der alten Schlepper – darunter der so lange wie langweilige Arrez-Kurvenlift – wurden bis in eine Höhe von 2828 Metern im Masner-Gebiet grandiose neue Abfahrten geschaffen.

Am nördlichen Rand des Gebietes, an den weiten Hängen des Fisser Schönjochs, wurde der Schöngamplift durch einen Sessel ersetzt. Hinzu kam die Almbahn zum Zwölferkopf (2596 m) als eine besondere Attraktion für Kinder, denn in 17 der 53 Gondeln erzählt eine Stimme unterhaltsam von den Eigenarten und der Lebensweise der jeweiligen, auf den Fenstern abgebildeten Alpentiere wie Schneehuhn, Waldameise oder Murmeltier.

212 präparierte Pistenkilometer

Mittlerweile hat sich die Wintersportregion Serfaus-Fiss-Ladis mit 212 Kilometern bestens präparierter Pisten aller Schwierigkeitsgrade und 119 Kilometern gespurter Loipen in Höhen zwischen 1200 und fast 3000 Metern zur Spitzendestination entwickelt.

Mit 12 Kabinenbahnen, 16 Sesselliften, 11 Schleppern und 30 Förderbändern – die Gesamtkapazität beträgt nun über 90.000 Personen pro Stunde – und einem Fun- und Freizeitangebot, das von A wie Adrenalinstoß bis Z wie Zwergerlkurs keinen Wunsch unerfüllt lässt, scheinen die Grenzen des Wachstums jedoch allmählich erreicht.

Angesichts der im vorigen Winter rund 660.000 Nächtigungen in nur 14.500 Gästebetten bei gerade einmal 2600 Bewohnern – davon knapp 1100 in Serfaus, 1000 in Fiss und etwas über 500 in Ladis – wäre eine weitere Steigerung wohl nur durch den Bau zusätzlicher Unterkünfte möglich.

Noch immer gibt es 25 Bauernhöfe

Das aber würde nicht bloß den dörflichen Charakter – allein in Serfaus gibt es noch immer 25 Bauernhöfe – der rätoromanisch geprägten Bergdörfer zerstören, sondern widerspräche auch dem familienfreundlichen Tourismuskonzept.

Stefan Mangott von der Seilbahn Komperdell sieht denn auch nur noch Bedarf für eine einzige Entlastungsseilbahn. Statt die Lift- und damit Bettenkapazität weiter zu erhöhen, investiert man zunehmend in – vor allem Kinder- – Sicherheit und Komfort der Seilbahnen, ist sehr um eine Verringerung der durch Pistenbau und Skibetrieb verursachten Schädigung der Almwiesen bemüht und setzt beim Bau neuer Berghütten auf den Einsatz umweltfreundlicher Sonnenenergie und Erdwärme.

Langsam scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass bloßes Wachstum die Zukunft nicht wird sichern können. Es gelte, hört man häufig, das Erreichte nicht durch Masse zu gefährden, sondern verstärkt auf Qualität zu setzen und exklusiv zu bleiben, um ein zahlungskräftiges Publikum anzusprechen. In dieses Bild passt der Trend zu Wellness-Hotellerie und Gourmet-Gastronomie.

Familie Schalber geht mit der Zeit

Einer, der stets früh die Zeichen der Zeit erkannt hat, ist Alois Schalber. 1971, er war gerade 23 Jahre alt, hatte ihm die Mutter – der Vater war 1952 verstorben – ihren mitten im Dorf gelegenen Bauernhof übertragen, in dem sie und ihre Kinder sich schon seit Jahren durch Vermietung von ein paar Zimmern an Feriengäste ein Zubrot verdient hatten. Außerdem arbeitete der junge Alois, seit er achtzehn war – zuvor auch schon aushilfsweise – als Skilehrer.

Bereits 1972, er hatte gerade geheiratet, betrieb er neben der Landwirtschaft eine Kegelbahn und ein Café mit Live-Musik zum Après-Ski. Die Geschäfte liefen gut, und so baute er den Hof um zum Hotel Serfauser Hof, errichtete dafür aber 1980 auf einer Wiese am Ortseingang ein neues Gehöft. Wenige Jahre später verlegte er den landwirtschaftlichen Betrieb weiter hinaus vor das Dorf und zog an der Stelle des abgerissenen Hofes ein Luxushotel hoch.

Vom Bauernhaus zum besten Hotel des Ortes

Da das 1989 eröffnete Haus im Sommer nicht genügend ausgelastet war, wandte er sich dem Wellness-Bereich zu und baute den Spa-Bereich ständig weiter aus. Eingestuft als 5-Sterne-Superior Hotel – vom Relax-Guide mit 4 Lilien und 19 Punkten ausgezeichnet – ist die "Wellness Residenz Schalber" heute das erste Haus am Platze.

Sein Aufstieg vom Bergbauernbuben zu einem der führenden Hoteliers Österreichs hat Alois Schalber aber nie die Bodenhaftung verlieren lassen. Seine Kinder teilen diese Einstellung. So sagte ihm einmal sein Sohn Gregor, derzeit Marketingleiter des Familienunternehmens: "Vater, wir sollten nicht größer werden!"

Es wäre zu wünschen, dass dies auch zum Motto für die gesamte Skiregion Serfaus-Fiss-Ladis wird, damit sie nicht eines Tages alle Dimensionen sprengt.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Serfaus-Fiss-Ladis Information/Tirol. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

Quelle: dapd
26.12.12 0:45 min.
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Reisehinweise
  • Anreise

    Mit dem Auto über München - Garmisch - Fernpass - Imst - Landeck - Ried nach Serfaus.

    Mit dem Zug über Landeck. Vom Bahnhof Landeck weiter mit dem Bus.

  • Skipasspreise

    Hauptsaison/Erwachsene: 6-Tage-Pass für 205 Euro mit Gästekarte (Kinder: 119,50).

  • Auskunft

    Serfaus-Fiss-Ladis Information, A–6534 Serfaus/Tirol, Tel. 0043/5476-62 39, Fax 0049/5476/6813, E-Mail: info@serfaus-fiss-ladis.at, www.serfaus-fiss-ladis.at

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