16.11.12

Reisestudie

Ängstliche Deutsche machen Russen im Urlaub Platz

Die Wirtschaftskrise treibt immer mehr Demonstranten in klassischen Urlaubsländern auf die Straße. Das schreckt die deutschen Urlauber. Ohne Osteuropäer ginge in Griechenland und Italien wenig.

Von Bettina Seipp
Foto: picture alliance / K. Kreder

Immer mehr Osteuropäer schlagen an den Mittelmeer-Stränden ihre Zelte auf – und füllen die Lücken, die durch das Wegbleiben der Urlauber aus nördlichen Ländern wie Deutschland und Großbritannien entstehen
Immer mehr Osteuropäer schlagen an den Mittelmeer-Stränden ihre Zelte auf – und füllen die Lücken, die durch das Wegbleiben der Urlauber aus nördlichen Ländern wie Deutschland und Großbritannien entstehen

Von Januar bis August 2012 hat Griechenland zwölf Prozent weniger Urlauber gezählt als noch im gleichen Zeitraum 2011. Insbesondere Reisende aus Deutschland zeigten dem Land die kalte Schulter, um bis zu 30 Prozent ging ihre Zahl zurück.

Nach Angaben des größten deutschen Reiseveranstalters TUI hat sich das Minus inzwischen zwar verringert hin zu einer "einstelligen Zahl", weil im zweiten Halbjahr 2012 die Buchungen der Deutschen wieder anziehen. Auch die wachsende Urlauberzahl aus den sogenannten neuen Märkten Osteuropas helfen, die Verluste der Hellenen zu minieren.

Das alles ändert aber nichts daran, dass Griechenland die Saison 2012 wohl mit einem negativen Saldo abschließen wird, während Spanien, Italien und Portugal zumindest kleine Zuwachsraten verzeichnen können.

Es sind nur diese vier südeuropäischen Länder, die im Rahmen des aktuellen World Travel Monitor von der ITB Berlin und dem Münchner Marktforschungs-Institut IPK International näher betrachtet worden sind, da sie sich in zwei entscheidenden Punkten ähneln: Sie sind beliebte Sonnenziele in Europa, und hier gibt es seit Anfang des Jahres teils gewaltsame Demonstrationen.

Die Wissenschaftler interessierte die Frage, ob und wie weit sich die negative Krisen-Berichterstattung auf die Tourismuszahlen ausgewirkt hat. Das Fazit: Ja, es gibt einen Zusammenhang – und die Griechen leiden am stärksten unter den Fernsehbildern.

Deutsche und Briten meiden auch Italien

Mit einer Einschränkung: Betrachtet man lediglich das Reiseverhalten der vorsichtigen Deutschen, hat auch Italien Verluste hinnehmen müssen; die Zahl der Bundesbürger, die ins Land der Zitronen reisten, sank um drei Prozent. Die Zahlen für Spanien stagnierten auf Vorjahresniveau, während Portugal vier Prozent mehr Deutsche begrüßen konnte.

Ähnliches gilt für die Briten, die ebenfalls in besonders starkem Maße Griechenland mieden (minus 20 Prozent) und weniger nach Italien fuhren (minus ein Prozent).

Dass drei südeuropäische Länder unterm Strich dennoch ein positives Saldo verzeichnen – Italien plus zwei Prozent, Spanien und Portugal jeweils um plus drei Prozent –, haben sie Reisenden aus Skandinavien und vor allem aus den osteuropäischen Ländern zu verdanken.

Während in Griechenland nicht zuletzt die Rumänen in die "Lücke" springen, sind es in Italien auch die polnischen Reisenden, die dafür sorgen, dass die Rückgänge aus Nordeuropa kompensiert werden. Und von den reiselustigen Russen profitieren alle vier Mittelmeer-Destinationen gleichermaßen.

Das könnte an der ihnen gern zugeschriebenen "Unerschrockenheit" liegen – oder auch daran, dass schockierende TV-Bilder demonstrierender und randalierender Griechen und Italiener seltener von den Moskauer Medien ausgestrahlt werden. Schon aus Sorge vor Nachahmungstätern im eigenen Land.

FTI Touristik will Flugangebot in die Ägäis ausweiten

"Die Studie zeigt, wie komplex die Zusammenhänge zwischen Eurokrise und Reisen in den Ländern Südeuropas sind. Die Nachfrage aus Mitteleuropa ist weitgehend stabil, aus den neuen Märkten (gemeint ist Osteuropa, Anm. d. Red.) sogar positiv", sagt Martin Buck von der Messe Berlin.

Inzwischen teilte das Münchner Reiseunternehmen FTI Touristik mit, dass es sein Griechenland-Angebot im Sommer 2013 auf 275 Hotels und drei Rundreisen ausbauen will. Auch das Flugangebot nach Korfu, Kreta und Rhodos soll um 55 Prozent steigen.

Insgesamt hat FTI Touristik elf Inseln sowie die Festland-Regionen Chalkidiki, Peloponnes und Parga im Programm. Die TUI will nach Angaben einer Sprecherin ihr Griechenland-Angebot "im Großen und Ganzen" unverändert lassen.

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