31.10.12

Mont Saint-Michel

Absurde Touristenroute – Bürgermeister vor Gericht

Derzeit müssen Touristen zum weltberühmten Klosterberg in Frankreich sehr lange laufen. Das soll anders werden – entgegen dem Willen des Bürgermeisters. Der muss sich vor Gericht verantworten.

Foto: picture alliance / Arco Images G

Der Mont-Saint-Michel in der französischen Normandie...

13 Bilder

Der Fall könnte als Provinzposse abgetan werden, wären da nicht Hunderttausende Touristen aus aller Welt, die sich seit Monaten damit herumschlagen müssen: Am weltberühmten Klosterberg Mont Saint-Michel in Frankreich müssen Besucher vom neuen Parkplatz aus ein gehöriges Stück Weg zu Fuß zurücklegen, um zum Abfahrtspunkt der Pendelbusse zu gelangen.

Denn die Touristenbusse zu der Felseninsel fahren just dort ab, wo auch die Restaurants des Bürgermeisters vom Mont Saint-Michel liegen. Nun endlich – nach Monaten – fiel der Beschluss, dass die absurde Fahrtroute geändert wird.

Die Fahrtroute wird geändert

Das lokale Betreiberkomitee, das aus mehreren Gebietskörperschaften der Region an der nordwestfranzösischen Atlantikküste besteht, stimmte bei einer Sitzung fast einmütig für eine Änderung der Verträge zur Fahrtroute der Shuttle-Busse.

23 örtliche Abgeordnete votierten laut einem Sprecher des Betreiberkomitees für eine Abfahrt der Touristenbusse direkt vom Parkplatz für die Besucher des berühmten Benediktinerklosters – nur einer enthielt sich: der Bürgermeister von Mont Saint-Michel, Eric Vannier.

Bürgermeister vor Gericht

Vannier wird sich ab Januar vor einem Strafgericht verantworten müssen. Ihm wird Amtsmissbrauch im Zusammenhang mit dem Abfahrtspunkt der Touristenbusse vorgeworfen.

Denn weil die Shuttle-Busse seit Ende April vor seinen Restaurants abfahren, müssen die Touristen bei der Hin- und Rückfahrt insgesamt rund zwei Kilometer vom Parkplatz aus zu Fuß zurücklegen. Viele Gewerbetreibende in der Region führen den Rückgang der Besucherzahl am Mont Saint-Michel darauf zurück.

Die Besucher bleiben aus

Jedes Jahr kommen zwischen 2,4 und 3,5 Millionen Touristen zu dem Klosterberg, der von der Unesco als Weltkulturerbe eingestuft ist. In den vergangenen Monaten waren die Besucherzahlen aber auffällig zurückgegangen.

Mit Genugtuung reagierten denn auch Gegner des derzeitigen Bussystems wie Yannick Duval, der Chef des Bekleidungshauses für maritime Mode Tricots Saint-James. Mit Blick auf die bisherige Bus-Fahrtroute sagte er: "Man fragt sich, wie eine so absurde Entscheidung – ein Abfahrtspunkt 900 Meter (vom Touristenparkplatz entfernt) – getroffen werden konnte. Ist ja gut, wenn jetzt Einsicht einkehrt."

Kloster droht zu versanden

Hintergrund der Streitigkeiten ist ein großangelegtes Umbauprojekt am Mont Saint-Michel, mit dem die Behörden die Versandung des "Wunders des Abendlandes" stoppen wollen – ohne die Eingriffe säße das berühmte Kloster auf der Felseninsel eines Tages komplett auf dem Trockenen. Der alte Fahrdamm, der den Berg seit 1879 mit dem Festland verbindet, soll bis 2015 durch eine Brücke auf Stelzen ersetzt werden.

Wegen des Touristenansturms wurde bereits der gigantische Parkplatz vom Fuß des Berges auf das Festland verlegt. Dort müssen die Touristen also derzeit noch ihr Auto stehen lassen und dann erst einmal einen ordentlichen Fußmarsch hinlegen, um zu den Pendelbussen zu kommen.

Das wird sich auch nicht sofort ändern, denn nun müssen zunächst die Verträge mit dem für den Busverkehr zuständigen Unternehmen Veolia Transdev neu verhandelt werden. Bis Jahresende soll die Änderung allerdings unter Dach und Fach sein.

Quelle: AFP/nics
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