30.09.12

Weinlese in Zypern

Warum die Trauben des Olymps viel süßer schmecken

Auf Zypern wird besserer Wein gekeltert als bislang angenommen. Ein Besuch bei den Winzern im Troodos-Gebirge – darunter ein Ex-Geheimdienstchef und ein Abt mit dem Namen Dionysos, Gott des Weines.

Foto: Getty Images/Jonathan S. Blair/National Geographic

So lustig ist die Weinlese in Zypern: Ein Erntehelfer auf seinem Maulesel auf 1200 Meter Höhe im Troodos-Gebirge
So lustig ist die Weinlese in Zypern: Ein Erntehelfer auf seinem Maulesel auf 1200 Meter Höhe im Troodos-Gebirge

Nach Zypern fährt man nicht wegen der Strände", erklärt ein Brite im alten Steinhaus "Stou Kir Yianni" im Winzerdorf Omodos, in dem am Wochenende zu Gitarrenmusik Köstliches aufgetragen wird: Meze heißen die vielen kleinen Speisen, darunter zartrosa Spanferkel am Spieß mit einer Bratensoße aus dem Dessertwein der Insel, dem süßen Commandaria, der nach Pflaume schmeckt.

Gebirgstouren statt Strandurlaub

"Nach Zypern", urteilt er, "kommt man, um zu feiern, um erstklassig zu essen und zu trinken." Recht hat er. Denn die feinweißen Strände sind rarer als gedacht, sie liegen vor allem rund um das touristische Epizentrum Agia Napa und auf der Halbinsel Karpas, im Norden, seit 1974 türkisch besetzt. Wer auf Bananenboote im Wasser und Bässe am Strand verzichten kann, das ursprüngliche Zypern entdecken will, reist besser ins Gebirge.

Im Nebenraum der Steintaverne speist der Rotary Club. Rosa Wolken hängen an den Berggipfeln. Still ist es im Dorf; nur ein paar Schwalben fliegen durch die dunklen Gänge des unbewohnten Klosters Stavros. Ein Pope sitzt mit den älteren Männern des Dorfes am Marktplatz unter Maulbeerbäumen. Abends, wenn die Tagestouristen weg sind, wirkt Omodos verwunschen wie vor hundert Jahren.

Ländlicher Geheimtipp

2009 hat die EU die Region Vouni Panagias mit dem Eden-Award für nachhaltigen Tourismus ausgezeichnet, als ländlichen Geheimtipp, zu Recht. Warum? Weil die Vermieter von Landhäusern ihren Gästen solche Orte zeigen wie Loullas Farm bei Choirokoitia, einem der ältesten Dörfer der Insel. Ihre sieben Kinder und ihre sieben Enkel wollen die Farm jedoch nicht weiterführen: Sie bedeutet zu wenig Geld für zu viel Arbeit.

Um vier Uhr morgens ist Loulla Efthimiou, 48, bereits aufgestanden und hat Ziegen gemolken. 200 der Tiere grasen auf der kleinen Farm im kargen Bergland. Aus der Milch hat sie Halloumi gekocht, den berühmten Zypernkäse. Zehn Euro kostet hier ein großes, cremiges Stück Käse. Gegrillt wird er zu einer Delikatesse. Dazu passt am besten ein Glas Wein.

Rebberge auf 1200 bis 1500 Meter Höhe

Für Wein ist die östlichste Mittelmeerinsel berühmt. Seit 3000 vor Christus wird er schon hier gekeltert. Normalerweise heißt zu viel Sonne bei Wein zu viel Zucker und zu wenig Säure, doch Zyperns Rebberge liegen auf 1200 bis 1500 Meter Höhe. Die Weinberge zählen zu den höchsten in Europa. Höher liegt nur noch die Abona-Weinregion am Fuß des Teide auf Teneriffa.

Es wirkt bizarr: Unten, bei Paphos, wachsen auf Zypern Bananen, oben im Troodos-Gebirge Zedern. Am 1952 Meter hohen Olymp, dem höchsten Berg, kann man im Winter Ski laufen – und im Herbst Wein kosten, in der felsigen Landschaft mit orthodoxen Klöstern, Steineichen, Pinien, Kiefern und kurvenreichen Straßen.

Wein aus Zypern besser als sein Ruf

Lange war Wein aus Zypern verpönt, nicht mehr das, wovon Homer, die Kreuzritter und Richard Löwenherz schwärmten, sondern Verschnitt für die Ostblockländer, Billig-Sherryersatz für die Briten. Und einiges, erzählen die Winzer hier, endete auch als Glühwein auf unseren Weihnachtsmärkten.

Die Winzer sind das eigentlich Spannende auf der Traubentour, Aus- und Umsteiger, knorrige Typen und ehrgeizige, junge Rückkehrer, die im Ausland studiert haben, was aus heimischen Trauben noch so herauszuholen ist: eine Menge.

Dionysos' Erben

Am höchsten liegen die Reben von Minas Mina in Kyperounda, einem Winzer, der in Glasgow studiert hat und einen Weißwein keltert, einen Xynisteri, der nach Honig, Zitronen, Blüten schmeckt: "Petritis" nennt er ihn, wegen der steinigen Böden.

Minas Mina zählen Weinmagazine vollmundig zu "Dionysos' Erben", genau wie Sophocles Vlassides, der im Bergdorf Kilani einen im Barrique gereiften, tiefroten Shiraz verkauft, einen der besten Zyperns. Er schmeckt nach Tabak, Pfeffer, Schokolade und Beeren.

Mit einer Garagenkellerei hat der 38-Jährige begonnen und mit dem großväterlichen Dorfladen. Lange wies kein Schild auf ihn hin. Man klopfte, entweder wurde geöffnet oder nicht. Romantisch war das, Wein unter Apfel- und Orangenbäumen zu trinken, in seinem Hof vor Tonkrügen und hellblauen Türen. Nun baut er eine moderne Kellerei, will aus der alten Zyperntraube Maratheftikto einen Wein keltern, der es in sich hat.

"Heilige Jungfrau des goldenen Granatapfels"

Dagegen ist Marios Kolios, 46, Autodidakt. Er war Fleischer, bevor ein Supermarkt in Statos-Agios Fotios neben ihm öffnete und sich das Schlachten nicht mehr lohnte. Er wurde Winzer, verkauft einen exzellenten trockenen Rosé (Cornetto), gute, günstige Weiß- und Rotweine, nahe dem Kloster Chrysorrogiatissa, "Heilige Jungfrau des goldenen Granatapfels" heißt das. 1152 wurde es von einem Mönch gegründet, bis heute ein magischer Ort, trotz der vielen Besucher.

Abt Dionysos ist weißhaarig und bärtig, wie aus dem Prospekt, er ist Önologe und heißt praktischerweise wie der Gott des Weines. 1984 hat er die Tradition des Klosters, den Weinbau, wiederbelebt. Lässt aber heute keltern, ist ein Experte für byzantinische Ikonen. Die Kellerei hat geschlossen. Auf der Terrasse aber wird Klosterwein serviert, mit weitem Blick über die Weinberge.

Ein Geheimdienstchef wird Winzer

Der Abt kommt aus dem Norden Zyperns, wie Herodotos Herodotou, Gründer der Linos-Kellerei in Omodos. 30 Jahre lang war er Chef der Geheimdienstpolizei in Limassol, wurde während der Invasion der türkischen Armee von seinen Ländereien vertrieben. Dann zog er ins Heimatdorf zurück und begann mit 60, Wein anzubauen, ohne jedes Eichenfass. "Ein guter Wein braucht das nicht", findet der 77-Jährige. Heute leitet sein ältester Sohn die Kellerei.

Ähnlich selbstbewusst ist Costas Tsiakkas, Grünen-Politiker und Ex-Bankdirektor. Mit 43 stieg er aus und begann als Winzer in der Heimat seines Großvaters. Die Gegend um Pelendri war arm, das Land günstig und es lag hoch genug für den Weinanbau.

Alle seine Weine sind Bioweine. Tsiakkas ist ein leidenschaftlicher Winzer, ein ehrlicher dazu: "Unser Cabernet Sauvignon im Eichenfass hat die Kritiker überzeugt, sich aber nicht verkauft. Am besten geht der Rosé."

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von FTI, Condor und Paphos-Weine. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

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  • Anreise

    Zum Beispiel mit Lufthansa, Condor, Air Berlin, Cyprus Airways nach Larnaca.

  • Unterkunft

    „Thalassines“-Villen mit Privatstrand bei Sotira: Eine Woche im DZ in einer Drei-Zimmer-Villa ab 386 Euro, mit Flug ab 655 Euro pro Person (bei Belegung mit vier Erwachsenen), buchbar über FTI Landhaus mit Pool: „Filokypros Houses“ bei Tochni: Eine Woche in einem der sechs Studios ab 203 Euro inkl. Mietwagen (mit Flug ab 429 Euro), buchbar über FTI; Weindorf: „Lavender House“ in Omodos, buchbar über Omodos Village Homes

  • Weinversand

    Domaine Vlassides in Kilani: Shiraz 2010 (17 Euro), Kyperounda: Petritis 2011 (14 Euro), Versand über Paphos-Weine. Ein anderer Anbieter ist Frieder Zimmermann: Tsiakkas Xynisteri 2011 (7 Euro), Aes Ambelis White (8 Euro), Vlassides Cabernet Sauvignon (13 Euro), buchbar bei „Wein aus Zypern“.

  • Auskunft

    Fremdenverkehrsamt Zypern, Tel. 030/23 45 75 90

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