29.09.2012, 08:50

Horrmanns Hoteltest Ein Grandhotel, geführt mit Schweizer Präzision

Foto: Copyright Hotel Savoy Baur en Ville, Zurich, Switzerland / „Savoy Baur en Ville“

Von Heinz Horrmann

Er hat rund 2000 Top-Hotels getestet und 35 Hotelbücher geschrieben: Heinz Horrmann. In der „Welt“ stellt er regelmäßig ein Hotel vor – heute ist es die Luxusherberge „Savoy Baur en Ville“ in Zürich.

Die beiden besten Hotels der Schweiz wurden um 1830 von einem Hotelier namens Baur in Zürich initiiert: " Baur en Ville" im Stadtzentrum und " Baur au Lac" am See. Das "en Ville" bekam zur besseren Unterscheidung den Zusatznamen Savoy. Das Hotel wird ständig mit Frischzellen versorgt; gerade erst wurden die Zimmer renoviert und einige der kleineren zu Junior-Suiten zusammengelegt.

Garant für die absolute Klasse ist das Ehepaar Hörger, das von frühmorgens bis zum Abend jedermanns Gastgeber ist. Am laufenden Band werden Details in der Hardware und im Service gästeorientiert verbessert.

Einziger Nachteil sind allgemein die Hotelpreise im Nachbarland. Unter 490 Euro läuft im Savoy nichts. Zum Glück ist alles inklusive, Frühstück, Minibar, Internetzugang, Zeitung.

Die Zimmer

Die 104 Zimmer und 24 Suiten mit einer Größe ab 30 Quadratmeter aufwärts haben alle eine komplett handbemalte Wand als optischen Genuss. Von den alten Straßenbahnen, die draußen ständig rattern und so laut quietschen, dass einem die Ohren abfallen, ist in den Zimmern des Grandhotels nicht das Geringste zu hören, dank der aufwendig verglasten und isolierten Fenster.

Eigentlich selbstverständlich für ein Top-Hotel sollte man meinen, meine Erfahrungen sind aber völlig andere.

Als mustergültig bewerte ich ebenfalls die geräumigen Bäder mit begehbarer Dusche und Doppelbecken, die meisten haben auch eine separate Toilette oder sogar ein zweites Bad. Der Ankleidebereich bietet ebenfalls viel Platz.

Essen & Trinken

Das Frühstück wird à la carte am Platz serviert. Endlich mal kein Buffet! Zwei Restaurants stehen für den täglichen Genuss zur Auswahl: die klassische Escoffier-Küche im "Restaurant Baur" und das italienische "Orsini".

Von den Speisen und der Weinkarte her ist dieses Restaurant der beste "Italiener" in Zürich, das Ambiente ähnelt allerdings eher einem deutscher Ratskeller. Da das Hotel an der zentralen Bahnhofsstraße liegt, ist auch die Bar ein gut besuchter Treffpunkt.

Der Service

Der Service ist geradezu sensationell, weil Christina und Manfred Hörger schon in aller Frühe für Perfektion sorgen. Das schafft eine Signalwirkung vom Portier bis zum Maître im italienischen Restaurant, für mich überhaupt der charmanteste, den ich in den letzten Test-Jahren erleben durfte.

Und heute längst keine Selbstverständlichkeit: Nicht nur die Stammgäste und Promis, sondern jeder Gast wird geradezu liebevoll gepflegt. Das ist denn auch in der mustergültigen Schweiz nicht immer der Fall. Mein Negativbeispiel: das " Dolder Grand " in Zürich.

Das Urteil

Cäsar Ritz, der Schweizer Urvater der Grand Hotellerie, würde über das Savoy jubeln. So hat er sich vor schon mehr als 100 Jahren das klassische, gästeorientierte Grandhotel vorgestellt, als er formulierte: Der Gast sei dem Gastgeber heilig.

Fraglos sind die Züricher Hotels für uns ein teures Vergnügen. Es gibt aber keinerlei Abstriche an der Qualität. Darum sind das für mich absolut fünf ehrliche Sterne.

Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter