21.09.12

La Palma

Die schönste Kanareninsel ist ein Naturparadies

Für die Unesco ist La Palma eine der drei schönsten Inseln der Welt. Das Eiland ist ideal für Wanderer, die auf Abenteuer aus sind – in Höhlen, an heiligen Orten oder in einem der weltgrößten Krater.

Foto: picture alliance / Bildagentur Huber

La Palma ist die nordwestlichste der sieben großen Kanarischen Inseln im Atlantischen Ozean.

22 Bilder

Mike rammt seinen Speer in den Erdboden und drückt sich ab wie ein Hochspringer. Er fliegt über zwei Büsche und landet auf einem Felsvorsprung, zwei Schritte vor dem Abhang der Steilküste. Hundert Meter geht es in die Tiefe, unten schlagen die Wellen des Atlantiks gegen die Felsen.

Mike strahlt. Das hier, die Nordküste von La Palma, ist sein Paradies. Und er teilt es gern mit Besuchern.

"La Bonita", die Schöne, nennen die Einwohner die nordwestlichste der kanarischen Inseln. 70 Pflanzenarten gibt es hier, die nirgendwo sonst zu finden sind. Palmen, Kieferwälder, Drachenbäume – fast überall ist es grün. Ein Biosphäre-Reservat und laut Unesco neben Bora Bora und Jamaica eine der drei schönsten Inseln der Welt.

Und obwohl im August auf La Palma einige Waldstücke brannten, gab und gibt es für Touristen kaum Einschränkungen. Die Bewohner hatten die Lage schnell unter Kontrolle.

Schlafen in einer Höhle

Mike Keim ist hier seit sechs Jahren Wanderführer, und Wandern bedeutet auf La Palma nicht Spazierengehen, ein paar Lieder pfeifen und im nächsten Café einkehren. Wandern wird auf La Palma zum Abenteuer. Und das ist auch Mike zu verdanken.

Der 52-Jährige zog von Tübingen auf die Insel und studierte die Geschichte ihrer Ureinwohner. Von ihnen hat er sich auch die Klettertechnik mit Speer abgeschaut. Früher nutzten Bauern und Hirten sie, um mit ihren Tieren schnell vom Berg ins Tal zu kommen.

Auf längeren Touren übernachteten sie in Höhlen. Und die will Mike seiner Gruppe jetzt zeigen.

Über einen schmalen Pfad geht es die Steilküste entlang. Eidechsen huschen durch das Gebüsch. In einer Schlucht hinter einer Gruppe Bäume ist sie plötzlich da: "Eine Familienhöhle", sagt Mike. Auf dem Boden entdeckt er eine Muschel: "Müll der Ureinwohner."

Die Höhle sieht aus wie eine überdachte Terrasse mit Meerblick. Die Ureinwohner hatten sie wie eine Wohnung unterteilt: Links Wohnzimmer, rechts Schlafzimmer, dazwischen Waschküche. Noch heute ist das Steinbecken zu erkennen, in denen die Frauen Kleidung und Nahrung reinigten.

Mike übernachtet mit seinen Gruppen oft in sogenannten "Komfort-Höhlen", in die inzwischen Türen und Betten eingebaut wurden. Abends grillen die Wanderer, sitzen am Lagerfeuer – und besuchen die heiligen Plätze der Insel.

Massentourismus gibt es nicht

Einer von ihnen ist ein Fels, auf denen einst Anführer saßen und die gesamte Bucht überblicken konnten. Es ist vollkommen still. Die Stelle ist windgeschützt, über der Gruppe zieht ein Adler seine Kreise.

Wer hier sitzt, der spürt, dass es tatsächlich ein besonderer Fleck Erde ist. Eine höhere Kraft? Einfach die Magie des Moments? Oder Einbildung? Das entscheidet jeder für sich.

In einem sind sich alle in der Gruppe einig: Das Besondere an La Palma ist die Ursprünglichkeit. Nur 60 Kilometer trennen die Insel von Teneriffa, und doch wirkt sie wie ein eigenes Land.

Massentourismus gibt es nicht, nur rund 85.000 Menschen leben auf der Insel. Keine Disco, nur ein einziges All-Inclusive-Hotel. Die meisten Besucher wohnen in kleinen Pensionen oder Apartments.

Wer nach La Palma kommt, der kommt wegen der Natur und Ruhe. Am besten zwischen September und Mai, dann ist es nicht zu heiß.

Geheimnisvolle Schriften der Ureinwohner

Die meisten Menschen leben hier von der Landwirtschaft. Unzählige Bananenplantagen sind über die Insel verteilt, fast jeder baut eigenes Gemüse an und hält Ziegen. In die Felsen haben Palmesen einfache Hütten gebaut. Ein paar Männer stehen davor, blicken auf das Meer, trinken Bier und grillen.

An den Felsen um sie herum stehen Symbole. Es sind Schriften der Ureinwohner. "Bis heute wissen wir nicht genau, was sie bedeuten", sagt Mike. Möglicherweise Notizen über das Wetter. Vielleicht aber kennzeichnen sie auch den Weg zu einem Schatz? Es würde passen zu dieser Abenteuerinsel, auf der früher Piraten auf Beutezug gingen.

Eine Mischung aus Rumpelkammer und Szenelokal

1553 überfielen Freibeuter die Hauptstadt Santa Cruz und brannten sie nieder. Die Einwohner bauten sie wieder auf, heute leben hier 17.000 Menschen. Im Hafen legen Fischerboote und Kreuzfahrtschiffe an, in den Gassen spielen Jungs Fußball, in den wenigen kleinen Bars unterhalten sich ältere Herren. Das Wort "Hauptstadt" kriegt hier eine neue Bedeutung: Santa Cruz ist überschaubar und friedlich.

Auf den Balkonen der Häuser an der Promenade blühen Blumen in lila, gelb, orange und rot. Verantwortlich für dieses floristische Feuerwerk ist Heiko Bartsch. Ein Aussteiger, von denen es auf La Palma viele gibt. Vor einigen Jahren verließ er Deutschland und machte sich hier als Landschaftsgärtner selbstständig.

Und er hatte noch eine Idee, mit der er die Insel bereichert hat: Mit seinem Freund Karl eröffnete er den Essensklub "Los bien me sabios", ein inoffizielles Restaurant. Der Klub befindet sich in ihrem Wohnhaus in Villa de Mazo und ist eine Mischung aus Rumpelkammer und Szenelokal. Chaos zum Wohlfühlen.

Um sich von Heiko und Karl bewirten zu lassen, müssen sich Gäste telefonisch anmelden (0034/922/42 85 61) und dann den versteckten Sandweg finden, der zum Haus der beiden führt.

Einer der größten Erosionskrater der Welt

Perfekt zum Wandern ist die Caldera de Taburiente, seit 1954 Nationalpark und einer der größten Erosionskrater der Welt. In den Wäldern gibt es Picknickplätze, vor allem an Wochenende verwandeln die Einwohner die Strecke in eine Familien-Meile. Und auch der Ausflug zum Vulkan San Antonio lohnt sich.

Als am letzten Tag der Reise die Sonne untergeht, leuchtet die Küste golden. La Palma strahlt in diesem Moment eine enorme Ruhe und Bescheidenheit aus. Sie ist eine natürlich, zurückhaltende Schönheit, diese Isla Bonita.

Die Palmesen haben ein passendes Sprichwort: "Es zählt nicht, was du hast oder wer du bist. Sondern wie du bist." Das haben sie offenbar von ihrer Insel gelernt.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Jahn Reisen. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit.

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Tipps für La Palma
  • Anreise

    Zum Beispiel mit Condor von Düsseldorf oder Frankfurt oder mit Air Berlin von Berlin, Hamburg oder Nürnberg nach Santa Cruz.

  • Preisbeispiele

    „Hotel Parador de La Palma“, San Jose, sechs Nächte im Doppelzimmer mit Frühstück mit Flug ab 795 Euro pro Person, buchbar über www.jahnreisen.de;

    „Casa Florentina“, Fuencaliente, sechs Nächte im Doppelzimmer mit Flug und Mietwagen ab 729 Euro, buchbar über www.ltur.com

  • Wandertouren

    Eine siebentägige Wanderung mit Mike Keim kostet 749 Euro, inklusive Übernachtungen in Höhlen und Hotels, mit Halbpension, www.graja-tours.de;

    Natour Trekking (www.natour-trekking.com) organisiert Wanderungen ab 32 Euro pro Tour.

  • Auskunft

    Spanisches Fremdenverkehrsamt, www.spain.info

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