07.09.12

Billigabsteige

Das "schlechteste Hotel der Welt" steht in Holland

Komfort wie im Knast: Das "Hans Brinker Budget Hotel" in Amsterdam bezeichnet sich bewusst als miese Herberge – und wirbt offensiv damit. Die Rechnung geht auf, an Gästen mangelt es nicht.

Foto: hans-brinker.com/de

Das "Hans Brinker Budget Hotel" in Amsterdam ist stolz darauf, das „schlechteste Hotel der Welt“ zu sein...

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Schmutzige Zimmer, spärliche Beleuchtung, Lebensmittelvergiftungen – normalerweise sind das gute Gründe für einen Reisemangel. Das "Hans Brinker Budget Hotel" in Amsterdam wirbt jedoch explizit damit. Es ist stolz darauf, das "schlechteste Hotel der Welt" zu sein, und daran soll sich auch künftig nichts ändern.

Keinerlei Haftung für Cholera und Krätze

Seit rund 16 Jahren ist das Billighaus mittlerweile erfolgreich mit konfrontativer Anti-Werbung. Damit hat man es immer wieder in die Schlagzeilen geschafft – und Gäste angelockt, die testen wollen, ob der Laden tatsächlich so schäbig ist wie behauptet.

"Das Hotel übernimmt keinerlei Haftung für Lebensmittelvergiftungen, Nervenzusammenbrüche, Cholera und Krätze" – " rostige Betten", "Komfort wie im Knast", heißt es beispielsweise auf der Webseite. Schonungslose Ehrlichkeit oder ein gelungener Werbegag? Sicher ist: An Cholera ist in dem Haus bisher noch niemand erkrankt, aber abgewohnt und schrammelig ist es durchaus. Die Gäste kommen trotzdem.

Im Hotel gibt es sogar Matratzen

"Mancher bringt seinen eigenen Schlafsack mit, weil er glaubt, das Hotel würde das nicht bieten", sagt der Marketing-Verantwortliche Dave Bell. "Die sind dann überrascht, dass wir Matratzen haben und geben uns eine positive Bewertung".

Allerdings klappt das nicht immer, wie in Hotelbewertungsportalen nachzulesen ist. "Ignorante Angestellte, schlechtes Frühstück, Bettwanzen", "Handtücher klein und dreckig, aus der Dusche kommt nur spärlich Wasser", "Haare vom vorigen Gast im Bett, zerrissene Bettwäsche, Klodeckel gab es keinen", schreiben beispielsweise Nutzer auf Tripadvisor, Hostelbookers.com und Holidaycheck.de über ihre Erfahrungen im "Hans Brinker Budget Hotel".

Doch beschweren können die sich eigentlich nicht, schließlich hat das Amsterdamer Haus nur gehalten, was es versprochen hat. Dave Bell: "Wir sehen das so: Selbst eine schlechte Bewertung ist für das 'Brinker' eine gute".

Ab 22,50 Euro im Achtbettzimmer

Immerhin: Die Übernachtung ist günstig zu haben. 22,50 Euro kostet der billigste Schlafplatz, der befindet sich dann allerdings im Achtbettzimmer. Jedes Schlafzimmer verfügt über eine Toilette und eine Dusche, ob letztere funktioniert "ist fraglich", so steht es im Kleingedruckten bei der Buchung.

Was das Haus, benannt nach der Erzählung um den niederländischen Jungen Hans Brinker, der ein Loch im Deich mit seinem Finger stopfte und so seine Umgebung vor der Überschwemmung rettete, auch noch zu bieten hat: einen zubetonierten Innenhof, ein mediokres Restaurant (Werbespruch: "Wenn man Glück hat, ist sogar die Kantine geöffnet, die zu unverschämten Preisen bemerkenswert öde Kost kredenzt") und eine Art Disko, die angepriesen wird als "eine spärlich beleuchtete Kellerbar ohne richtige Belüftung", in der die Gäste "wasserverdünntes schales Bier" genießen können.

"Die Geschichten, die kursieren, machen unser Haus erst zum 'schlechtesten Hotel der Welt', sagt Bell. "In Wahrheit ist es ein mehr oder weniger sauberes Hotel in zentraler Lage. Sicher, es hat seine Schattenseiten, dazu gehören schlichtes Inventar, der Blick durchs Fenster auf eine Mauer und das Putzpersonal, das die Gäste auch mal in aller Herrgottsfrühe aufweckt."

Mit Mängeln werben

Wie alles begann? Mit einem Buch. Es trägt den Titel "The Worst Hotel in the World" und karikiert mittels Plakatkampagnen die bescheidenen Anfänge des Hauses – quasi als Gegengift zu all den Büchern über schicke und luxuriöse Hotels auf der Welt.

Die Motive zeigen zum Beispiel eine Großaufnahme von einem Hundehaufen, in dem ein Fähnchen steckt mit der Aufschrift "Jetzt noch mehr Hundekot im Eingangsbereich" oder das fröhliche Gesicht eines jungen Mannes beim Einchecken und dasselbe Gesicht beim Auschecken – diesmal aschfahl, mit diversen Blessuren versehen. Das Hotel preist sich in dem Buch als einen Ort "ähnlich wie die Hölle, nur nicht so gut geheizt."

Und wie reagiert das Hotel auf ernstgemeinte Beschwerden von Gästen? Gar nicht. Strategie des Hauses sei, statt Mängel kostspielig zu beheben, bewusst mit ihnen zu werben. Dave Bell: "Wer das 'Brinker' bucht, der weiß, worauf er sich einlässt." Ein Grundsatz, der in der Hotellerie mit ihrem Hang zur Schönfärberei leider wenig verbreitet ist.

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