13.08.12

40 Jahre Interrail

Fußball-Weltmeisterschaft 1982 – im Zug verpasst

Frankreich, Portugal, Spanien: Unsere Autorin machte sich 1982 gemeinsam mit einem Freund auf, Europa zu entdecken. In jenem Sommer hat sie gelernt: Interrail ist etwas für andere.

Foto: DB Museum Nürnberg/dpa

Europa entdecken: Interrail sollte die Jugendlichen Europas zusammenbringen; Werbung aus dem Jahr 1975 (links im Bild), als Deutschland noch zweigeteilt war
Europa entdecken: Interrail sollte die Jugendlichen Europas zusammenbringen; Werbung aus dem Jahr 1975 (links im Bild), als Deutschland noch zweigeteilt war

Interrail, das klang aufregend, nach Freiheit und vielen Menschen, die man auf einer solchen Reise kennenlernen kann.

Im Sommer 1982, da war ich fast 18 Jahre alt, machte ich mich mit einem Freund auf den Weg. Wir waren kein Paar, wollten aber gemeinsam Europa entdecken.

Von Frankfurt am Main also los mit Interrail-Karte, ein bisschen Geld, großem Rucksack, Isomatte und Schlafsack. Axel musste das Zelt zusätzlich tragen. Es ging in die Bretagne nach Nantes. Regen, Wind, Kälte.

Wir aßen warme Croissants, schauten in den grauen Himmel und fuhren weiter nach Madrid. Wir schliefen auf den Bänken vor dem Bahnhof. Was heißt schlafen? Ich hatte Panik, bestohlen zu werden, und tat die Nacht kein Auge zu. Weiter gen Süden.

Fußball-WM in Spanien

Wir trafen auf den Fahrten viele Menschen aus aller Welt, denn damals fand gerade die Fußball-Weltmeisterschaft in Spanien statt. Erinnern Sie sich noch an die "Schande von Gijón"? Deutschland gegen Österreich – 1:0, damit waren beide Mannschaften weiter.

Um das zu erreichen, hatten sich die Teams aber nur noch den Ball hin- und hergeschoben oder zum Torwart zurückgespielt. Axel und ich hatten davon nichts mitbekommen und fragten im Zug die Mitreisenden, wie das Spiel denn ausgegangen sei. Höhnisches Gelächter.

Wir kamen über Lissabon an die portugiesische Küste. Einsamer Zeltplatz, zwei müde Reisende. Ich hatte einen schrecklichen Husten; am Morgen liefen auch noch rote Ameisen über die Schlafsäcke. ,Ich hustete mir die Seele aus dem Leib – und entschied: "Abbruch".

Mit dem Zug fuhr ich allein nach Hause, mit der Bronchitis kämpfte ich anschließend noch wochenlang. Interrail – das war von diesem Sommer an etwas für andere. Gereist bin ich seitdem viel und weit, aber nicht mehr mit dem Zug.

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Infos zu Interrail heute
  • Interrail Global-Pass

    Der Interrail Global-Pass gilt für 30 europäische Länder. Gab es früher nur eine Variante, wird beim aktuellen Interrail-Pass nach Altersgruppen (Jugendliche unter 26, Erwachsene, Senioren ab 60 Jahren) und in 2. und 1. Klasse (letztere für Erwachsene und Senioren) unterschieden. Der Preis hängt zudem von Geltungsdauer und Reisetagen ab. Möglich ist es, 5 Tage in 10 Tagen oder 10 Tage in 22 Tagen zu reisen; wer will, kann auch durchgehend 15 oder 22 Tage oder einen Monat lang Bahnfahren.

  • Interrail

    Ein-Land-Pass ermöglicht Bahnfahrten in einem bestimmten Land. Innerhalb eines Monats kann an 3, 4, 6 oder 8 Tagen gereist werden. In der teuersten Ländergruppe (Deutschland, Frankreich, Großbritannien) zahlt ein Jugendlicher für 8 Tage 211 Euro, in der günstigsten (Bulgarien, Mazedonien, Serbien, Türkei) 82 Euro (2. Klasse).

  • Preisbeispiele

    Für den Klassiker, also jenen Fahrschein, der dem Urpass von 1972 entspricht, zahlen Jugendliche für einen Monat 422 Euro (Erwachsene: 638 Euro, Senioren: 575 Euro). Jugendliche, die nur 22 Tage durch Europa touren wollen, kaufen ein Ticket für 329 Euro. Wer in diesen 22 Tagen nur an 10 Tagen Bahnfahren möchte, zahlt 257 Euro. Die günstigste Karte kostet 175 Euro. Sie gilt 10 Tage, an 5 davon ist Zugfahren erlaubt.

  • Ausstellung

    „40 Jahre Interrail“ im DB Museum in Nürnberg ab 29. September, www. dbmuseum.de

  • Auskunft

    www.interrailnet.com

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