27.07.12

Lukrative Klientel

Burka-Verbot treibt arabische Touristen nach Bayern

Der Freistaat profitiert vom Burka-Verbot in anderen Ländern: Es kommen immer mehr Urlauber aus den arabischen Golfstaaten. Hotels locken mit ungewöhnlichen Extras, denn die Gäste haben viel Geld.

Foto: picture-alliance/ dpa

Schwarz verschleierte arabische Frauen ziehen ihren Koffer durch die Münchner Innenstadt.

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Sie werfen Schneebälle auf der Zugspitze, flanieren durch Münchens Einkaufsmeilen oder bestaunen Luxuskarossen in der BMW-Welt: Immer mehr Touristen aus den arabischen Golfstaaten zieht es nach Bayern.

Viele der Frauen sind von Kopf bis Fuß in schwarze Gewänder gehüllt, ihre Gesichter verschleiert – sie tragen Burka oder Niqab. Dass dieses Bild im Freistaat zur Gewohnheit geworden ist, liegt auch am Burka-Verbot in anderen Ländern Europas.

In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der arabischen Urlauber in Bayern kontinuierlich an: Dem Wirtschaftsministerium und dem Tourismusverband Bayern Tourismus Marketing zufolge hat sie sich seit 2002 vervierfacht. Allein von Januar bis Mai 2012 kamen knapp 36.000 Gäste – eine Steigerung von mehr als 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

In dieser Periode verzeichnete München nach Angaben des Tourismusamts sogar ein Plus von fast 28 Prozent. Die BMW-Welt zählte von April bis Juni 15.000 arabische Gäste. Im Vergleichsquartal 2008 waren es nur halb so viele. Und für die Sommermonate – die Hauptreisezeit der arabischen Touristen – werden noch mehr Besucher erwartet.

Burka-Verbot in Frankreich kommt Bayern zugute

"Generell ist es so, dass Bayern und besonders München wichtige Reiseziele für Gäste aus den arabischen Ländern sind", sagt der Sprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, Frank-Ulrich John. Der Freistaat sei eine sichere Destination mit einem angenehmen Klima. Hinzu komme die gute medizinische Versorgung.

Aber vor allem der Verbotseifer der Nachbarn begünstige die steigende Beliebtheit Bayerns: Frankreich und Belgien verprellten in den vergangenen beiden Jahren Urlauber mit einem Burka-Verbot. "Ich bin mir sicher, dass viele Araber ausweichen und Bayern eine gute Alternative ist", meint John.

München ist das neue Paris

Die Annahme belegen Zahlen aus dem Wirtschaftsministerium: Kamen 2009 "nur" 89.000 arabische Touristen, explodierten die Zahlen 2010 förmlich: Rund 125.000 Gäste urlaubten in Bayern, nachdem das französische Parlament das Tragen des Ganzkörperschleiers in der Öffentlichkeit untersagt hatte.

Damals begann das Tourismusamt Nürnberg sogar, die Gäste aus den Golfstaaten gesondert aufzuführen. Auch in Nürnberg sei die Zahl der arabischen Gäste gestiegen, hieß es.

Das neue Paris oder London für die Gäste aus dem arabischen Raum ist jedoch München, rund 85 Prozent verweilen in der Landeshauptstadt. Das Tourismusamt bestätigt: "Tatsache ist, dass die arabischen Gäste sich in München sicher, willkommen und in ihrer Kultur angenommen fühlen", sagt eine Sprecherin. Entsprechend viel Geld geben sie aus: Bis zu 1000 Euro am Tag liegen im Budget.

Minibars ohne Alkohol und ein Kompass

Für Hotelbetreiber sind die zahlungskräftigen Besucher ein Segen. "Die bayerische Hotellerie freut sich sehr über arabische Gäste, weil sie mehr Geld ausgeben, länger bleiben und in der Regel mehrere Zimmer oder ganze Etagen buchen", erklärt John.

Um die Kundschaft anzulocken, lassen sich die Hotels einiges einfallen. Die Extras reichten von speziell geschulten Köchen über alkoholfrei bestückte Minibars bis hin zu Beduinenzelten im Vorhof, zählt John auf.

Gern wird in höherklassigen Hotels ein Kompass als Willkommensgeschenk gereicht – damit der religiöse Gast weiß, wo Mekka liegt. Darüber hinaus arbeiten die Hotels eng mit Markenläden zusammen, bieten "Personal Shopping" oder kooperieren mit Automobilherstellern.

Arabische Gäste werden selbst zur Attraktion

Auch Ausflüge auf die Zugspitze stehen bei der wachsenden Kundschaft aus dem arabischen Raum hoch im Kurs. Die Gästezahlen galoppierten regelrecht davon, berichtet der Marketingleiter der Zugspitzbahn, Klaus Schanda.

"Wir werden in diesem Jahr 20.000 bis 25.000 Gäste auf dem Berg haben", schätzt er. Für die anspruchsvolle Klientel wurde ein Gebetshaus errichtet und für die Flyer hat die Marketingabteilung ein Bild ohne das Zugspitzkreuz gewählt.

Zugleich werden die arabischen Gäste selbst zum Touristenmagneten. Es soll laut Schanda bereits Menschen geben, die extra zum "Araber-im-Schnee-Watching" anreisen: Es gleiche einem Spektakel, wenn die Besucher aus dem Orient erstmals Schneebälle formten, in Sandalen über das weiße Pulver stiefelten und ihre Familien – samt Frauen in Burka – quietschend über die Rodelbahn sausten.

Quelle: dpad
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Fakten zur Verschleierung
  • Die Burka

    Die Burka ist ein Ganzkörpergewand zur vollständigen Verschleierung des Körpers, das von muslimischen Frauen getragen wird. Am verbreitetsten ist die Burka in Afghanistan, gefolgt von Pakistan und Indien.

  • Blau oder schwarz

    Während die afghanische, meist blaue Burka das gesamte Gesicht verdeckt, sind die Gewänder in anderen muslimischen Ländern in der Regel schwarz und lassen die Augen frei. Bei letzteren verdeckt der Kopfteil des Ganzkörperschleiers das Haupthaar und die untere Gesichtshälfte bis zur Nase. Bei Bedarf, etwa zum Essen, kann der untere Stoffteil abgenommen werden.

  • Der Niqab

    Der Niqab wird oft mit der Burka verwechselt. Bei dem Niqab handelt es sich um einen Gesichtsschleier, der meist in Verbindung mit einem schwarzen Gewand getragen wird. Je weniger sichtbar die Haut um die Augen ist, desto mehr ähnelt der Niqab der Burka.

  • Verbote der Burka

    In einigen europäischen Ländern ist das Tragen der Burka in der Öffentlichkeit verboten. Beispielsweise beschloss das französische Parlament 2010 ein entsprechendes Verbot, das 2011 in Kraft trat. Auch in Belgien ist das Tragen der Burka seit 2011 untersagt. Ein Zuwiderhandeln wird mit Geldstrafen bis zu 30.000 Euro geahndet – etwa für Männer, die ihre Frauen zum Tragen des Ganzkörperschleiers zwingen.

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