16.02.13

Himmelskörper

Wo stecken die Reste des Russland-Meteoriten?

Nach dem Meteoriteneinschlag in Russland hat das große Aufräumen begonnen. Weil strenger Frost herrscht, bemühen sich Arbeiter, die Fensterscheiben zu ersetzen. Ein paar Fragen sind immer noch offen.

Foto: AP

Erst Lichtblitze, dann gewaltige Detonationen: In Russland sind fast 1000 Menschen bei einem Meteoriteneinschlag verletzt worden, Tausende waren in Panik.

18 Bilder

Es ist bitterkalt in Russland. In der Nacht auf Samstag sind die Temperaturen in Tscheljabinsk auf Minus 20 Grad gefallen. Die Einwohner der Millionenstadt mussten zu Sperrholz, Decken und Folie greifen, um nach dem Meteoriteneinschlag von Freitag die Löcher in den Fenstern abzudecken.

Es wird noch mindestens eine Woche dauern, bis alle Fenster repariert werden, sagen die Behörden. Die Bilder aus der Stadt zeigen zerbrochene Rahmen und Türen, eingestürzte Decken.

25 Millionen Euro Schaden

Rund 80 Kilometer von der Stadt entfernt schlug der Himmelskörper ein. Der Schaden wurde durch die starke Druckwelle der Explosion verursacht. Mehr als 3700 Mehrfamilienhäuser in Tscheljabinsk wurden beschädigt. Insgesamt sind 200.000 Quadratmeter Glas zerbrochen, teilte das russische Katastrophenschutzministerium mit. Der materielle Schaden wird auf etwa 25 Millionen Euro geschätzt.

Etwa 1200 Einwohner benötigten medizinische Hilfe, die meisten wurden von den Glassplittern verwundet. 50 Menschen bleiben noch im Krankenhaus, darunter 13 Kinder. Eine Frau musste nach Moskau zur Behandlung geflogen werden. Durch die Druckwelle wurde sie von einer Treppe gerissen und verletzte sich an der Wirbelsäule.

Der See wird untersucht

Im Eis des Tschebarkulsees im Gebiet Tscheljabinsk klafft ein acht Meter breites Loch. Hier soll der größte Bruchteil des Himmelskörpers gelandet sein. Doch vergeblich suchten Taucher am Samstag dort nach Gesteinen aus dem All. Sie konnten keine Spuren des Meteoriten im See finden. Die Wasserproben aus Tschebarkul werden noch von Wissenschaftlern analysiert.

Der Himmelskörper, der am Ural niedergegangen ist, war nach Einschätzungen der Nasa 7000 bis 10.000 Tonnen schwer. Er hatte einen Durchmesser zwischen 15 und 17 Meter. Damit war er aber immer noch zu klein, um von Astronomen noch rechtzeitig entdeckt zu werden. Erst ab einem Durchmesser von 45 bis 50 Metern hätte dieser von Teleskopen registriert werden können.

Der Himmelkörper raste mit einer Geschwindigkeit von 64.000 Stundenkilometer in die Erdatmosphäre. Auf einer Höhe von 19 bis 24 Kilometer explodierte er. Die Nasa schätzt, dass dabei etwa 500 Kilotonnen Energie freigesetzt wurden. Das würde einer Explosion von 30 Atombomben entsprechen, wie sie 1945 auf Hiroschima abgeworfen wurde. Der Großteil des Himmelskörpers ist in der Atmosphäre verglüht und verdampft. Doch der verbliebene Brocken war groß genug, um erheblichen Schaden in Tscheljabinsk anzurichten.

Erste Verschwörungstheorien

"Ein Ereignis von diesem Ausmaß passiert einmal in hundert Jahren", sagte Paul Chodas von der Nasa. Der Meteorit von Tscheljabinsk sei der größte gemeldete seit 1908. Damals schlug ein deutlich größerer Meteorit im sibirischen Tunguskatal ein. Die Explosion war so stark, dass sie noch aus der Entfernung von 800 Kilometern zu hören war. Es gibt Dutzende Verschwörungstheorien und Legenden, die die Ereignisse von Tunguska zu erklären versuchen, von der Landung eines außerirdischen Raumschiffs bis zum Zusammenstoß der Erde mit einem schwarzen Loch.

Auch im Fall von Tscheljabinsk sind sofort einige Verschwörungstheorien entstanden. Der russische Politclown Wladimir Schirinowski erklärte prompt, die USA hätten eine neue Waffe über Russland getestet, das habe zur Explosion geführt. Der neue Außenminister John Kerry habe sogar versucht, Russland vorzuwarnen, konnte jedoch den russischen Außenminister Sergei Lawrow nicht telefonisch erreichen, behauptet Schirinowski.

Im russischen Internet löste der Meteorit am Freitag ein Witzfeuerwerk aus. Ein Photoshop-Bild, das den russischen Präsidenten Wladimir Putin zeigt, der mit nacktem Oberkörperauf auf dem Meteoritenschweif reitet, verbreitete sich in den sozialen Netzwerken.

Internet-Nutzer schlugen Putin vor, er solle dem Himmelskörper wie dem französischen Schauspieler Gérard Depardieu einen russischen Pass schenken.

Dutzende Videos von Augenzeugen sind den Russen nicht nur durch die spektakulären Aufnahmen aufgefallen, sondern auch durch die heftige Sprache der Kommentare im Off. Manchmal bestand die Reaktion von schockierten Menschen nur aus russischen Schimpfwörtern.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Bei den Lohnverhandlungen gab es eine Einigung bei den BVG
15:55Lohnverhandlungen
Beschäftigte werden an Erfolg der BVG beteiligt

Die Löhne der BVG-Beschäftigten sollen in drei Schritten bis 2015 erhöht werden. Das ist das Ergebnis der Tarifverhandlungen. Außerdem gibt es eine Erfolgsbeteiligung. Ein Streik ist abgewendet. mehr...


Sängerin Beyoncé ist in der O2 World in Friedrichshain zu Gast
18:54Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Donnerstag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Donnerstag, den 23. Mai. mehr...


Tiger Lampun ist ein beeindruckender Bewohner des Tierparks. Doch auch die Tierhaltung macht dort Probleme
18:13Friedrichsfelde
Viele Tiere sollen aus dem Tierpark weichen - damit er bleibt

Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling will den Tierpark in Friedrichsfelde verkleinern. Sie bringt Bewegung in die Debatte um die Zukunft des Hauses. Das wird auch Zeit: Mitarbeiter wollen streiken. mehr...


In einem Zug der Berliner S-Bahn beleidigten Männer andere Bahnreisende mit fremdenfeindlichen Bemerkungen
18:49Gewalt in Berlin
Männer beleidigen Bahnfahrer und werfen Flaschen

Ein 27-Jähriger und ein 30-Jähriger randalierten auf dem S-Bahnhof Humboldthain und warfen Flaschen auf eine Gruppe Punks. Die Polizei nahm die Männer fest - sie sind bereits einschlägig bekannt. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Oklahoma Wiedersehen nach dem schweren Tornado
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
US-Kongress Apple verteidigt Steuersparmodell
Xbox One Microsoft stellt neue Spielkonsole vor
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote