14.02.13

Flughafen

Dubai eröffnet Giga-Terminal allein für den A380

Während in Berlin die Eröffnung des Pannenairports BER in den Sternen steht, erweitert das Emirat seinen Großflughafen mit einem glitzernden Mega-Neubau – pannenfrei. Wie machen die das bloß?

Von Sönke Krüger
Foto: REUTERS/JUMANA EL HELOUEH

Während man in Berlin noch rätselt, wann wohl endlich der geplante Großflughafen BER eröffnet, präsentiert man in Dubai schon das nächste gigantische Airportprojekt: …

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Der neueste Weltrekord ist 645 Meter lang, gut 90 Meter breit, elf Stockwerke hoch, sieht aus wie ein Gürteltier aus Glas und Stahl und geht auf das Konto von Dubai: In dem Rekord-verliebten Emirat am Persischen Golf wurde jetzt das weltweit erste und einzige Terminal ausschließlich für A380-Jets, die größten Passagierflugzeuge der Welt, eröffnet. Und zwar vorzeitig.

Eigentlich sollte das Concourse A genannte Terminal erst im März vollständig in Betrieb gehen, doch die Bauarbeiten und der fünfwöchige Testbetrieb verliefen so erfolgreich, dass der Termin auf das zweite Februar-Wochenende vorgezogen wurde. Eine Nachricht, die gerade in Deutschland aufhorchen lässt, wo die Eröffnung des geplanten Berliner Großflughafens BER schon mehrmals verschoben wurde – aber anders als in Dubai nicht nach vorn, sondern nach hinten.

Concourse A ist zwar "nur" ein eigener Erweiterungsbau von Terminal 3 auf dem Gelände von Dubai International, aber gleichwohl ein Mega-Projekt. Es erweitert die Kapazität des Flughafens, der 2012 gut 57 Millionen Passagiere zählte, auf einen Schlag um 15 bis 19 Millionen.

Zum Vergleich: Der Airport in Hamburg verzeichnete 2012 rund 13,7 Millionen Fluggäste, Berlin-Tegel kam auf rund 18 Millonen, das Flughafenprojekt BER ist auf jährlich 27 Millionen Passagiere ausgelegt.

Marmor, Wasserfälle und Kandelaber

Anders als der zweckmäßig-schlicht ausgelegte BER ist Concourse A indes ein glitzernder Hingucker. Jede Menge Marmor und polierter Edelstahl wurden für insgesamt 528.000 Quadratmeter Nutzfläche verbaut, von den Wänden plätschern Wasserfälle, an den Decken hängen Kandelaber – wie es sich gehört für ein Scheichtum, das mit seinem Reichtum nicht hinter den Berg hält. Man denke nur an den welthöchsten Wolkenkratzer Burj Khalifa (828 Meter hoch) oder die monströsen künstlichen Inseln in Palmenform vor der Küste.

Hierzulande wird das gern als orientalischer Größenwahn abgetan. Dabei wird zweierlei vergessen: Erstens ist Dubais Flughafen kein Geldgrab, er fährt nämlich satte Gewinne ein, zweitens lieben die Leute ihn, sonst würde er nicht derart gigantische Wachstumsraten aufweisen. 2013 werden bereits 66 Millionen internationale Passagiere erwartet – im Vergleich zu 2003, als 18 Millionen gezählt wurden, ein Plus von 366 Prozent, ein weiterer Weltrekord.

Hauptkunde des Flughafens und Triebfeder von Concourse A ist Emirates, Dubais staatliche Fluggesellschaft, die von ihrer Basis aus mittlerweile 129 Flugziele in 75 Ländern anfliegt, vier davon in Deutschland (Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf). Berlin ist nicht darunter, "obwohl wir schon seit 18 Jahren versuchen, die Genehmigung dafür zu bekommen", sagt Tim Clark, Präsident von Emirates.

Emirates ist der größte A380-Kunde weltweit

Derzeit sind 197 Flugzeuge im Einsatz, darunter 31 A380. Weitere 59 Airbus-Jumbos (jeweils mit Platz für 517 Passagiere) sind bereits bestellt. Damit ist Emirates – noch ein Weltrekord – der mit Abstand größte A380-Kunde, was wiederum die Notwendigkeit des jetzt eröffneten A380-Terminals in Dubai erklärt. Tim Clark: "Daher ist eine solche Einrichtung von Weltrang, die unsere Führungsposition widerspiegelt, die logische Konsequenz."

Das Besondere an Concourse A sind die doppelstöckigen Passagierbrücken, von denen das Terminal 20 Stück hat – bei voller Auslastung können also 20 A380-Jets gleichzeitig andocken. Die Fluggäste der First- und Business-Class besteigen über die obere Brücke das Oberdeck, während ein Geschoss tiefer die Passagiere der Economyclass über zwei Brücken ins Flugzeug-Hauptdeck gelangen.

Diese Konstruktion ermöglicht es, einen A380 in 90 bis 120 Minuten "umzukehren", also ankommende Passagiere aus- und abfliegende einsteigen zu lassen, die Maschine zu reinigen und zu betanken, das Gepäck ein- und auszuladen und die Trolleys mit der Bordverpflegung auszuwechseln. So schnell geht ein A380-Turnaround nur hier – ein weiterer Weltrekord.

Business-Class-Lounge für 2552 Passagiere

Und auch das Innenleben des neuen Terminals birgt einige Superlative. Da wären zum Beispiel die Wartezimmer: Die Business-Class-Lounge im zehnten Stock erstreckt sich über eine komplette Etage und hat Platz für 2552 Gäste, die darunterliegende First-Class-Lounge fasst bis zu 1491 Besucher.

"Das Besondere ist, dass unsere First- und Business-Class-Passagiere direkt von der Lounge ins Flugzeug steigen können", sagt Tim Clark, "wir haben uns da von der früheren Concorde Lounge von British Airways in London inspirieren lassen".

Dass die beiden Lounges in Concourse A weltweit die größten ihrer Art sind, versteht sich von selbst. Beide sind edel möbliert, man sieht einige arabische Akzente, viel Leder, viel Holz, viele Nischen und Ruheräume. Trotz der Größe herrscht keine Großraumatmosphäre.

Das Angebot an Speisen und Getränken ist auf bemerkenswert hohem Niveau – anders als bei vielen europäischen Fluglinien, bei denen man in der Lounge mit Gummibärchen und Trockengebäck abgespeist wird. In der First-Class-Lounge gibt es sogar einen Fine-Dining-Bereich, wo die Gäste à la carte bestellen können.

Wer sich die Wartezeit mit einer Massage, einem Friseurbesuch oder einem Detox Body Wrap vertreiben möchte, geht ins "Timeless Spa". First-Class-Gästen werden dort einige Gratisanwendungen spendiert, Business-Gästen werden Sonderpreise eingeräumt; aufwendigere Anwendungen kosten bis zu 275 US-Dollar.

Alkohol an der Bar, dazu ruft der Muezzin

Raucher können eine Art Lounge in der Lounge benutzen, die mit Ledersesseln, ihrer rustikalen Dekoration und der gut bestückten Bar an einen englischen Club erinnert. Verräuchert zwar, aber gemütlich.

Wein, Champagner und hochprozentige Drinks werden in den Lounges an diversen Tresen gratis ausgeschenkt; das in den Vereinigten Arabischen Emiraten eigentlich geltende Alkoholverbot ist hier ausgesetzt, sodass sich auch arabische Gäste munter das eine oder andere Gläschen genehmigen.

Für gläubige Muslime stehen aber Gebetsräume zur Verfügung, und fünfmal am Tag erschallt der Ruf des Muezzins per Lautsprecher durch das Terminal, um zum Gebet zu rufen.

Eine Flasche Whisky für 200.000 Dollar

Eine Besonderheit in der First-Class-Lounge ist die exquisit bestückte Duty-free-Boutique mit eigenem Wachpersonal. Das ist erforderlich, weil hier nur Hochwertiges verkauft wird – zum Beispiel eine Rolex-Herrenuhr für umgerechnet 8120 Euro oder eine Damenuhr aus dem Hause Chaumet für 45.000 Euro.

Am teuersten ist ein Royal Salute Scotch Whisky, der in einem abschließbaren Glasschrank ausgestellt wird: Die Flasche ist mit 413 schwarzen und weißen Diamanten besetzt und kostet 200.000 US-Dollar. Verkauft habe man seit Eröffnung des neuen Terminals aber noch keine, sagt der charmante Verkäufer.

Deutlich günstiger sind die Preise in der zentralen Abflugebene, von der aus die Economyclass-Gäste ins Flugzeug steigen. Hier gibt es auffallend wenige Sitzgelegenheiten und Ruhemöglichkeiten, was allerdings System hat, denn die Leute sollen nicht rumsitzen, sondern in den 14 Restaurants, in den Bars und Cafés, vor allem aber in den Duty-free-Shops Geld ausgeben.

11.000 Quadratmeter messen die Geschäftsflächen, in denen es von Zigaretten und Alkoholika über Uhren und Schmuck bis zu Spielzeug und Elektronik eine Warenfülle gibt, die es mit jedem besseren Kaufhaus aufnehmen kann. Zudem wird pro Woche zum Lospreis von 100 Euro ein Luxusauto verlost, mal ein Bentley, mal ein Mercedes, der kostenlos an den Wohnort des Gewinners geliefert wird. Der durchschnittliche Kunde gibt in Dubai denn auch 46 US-Dollar aus, etwa dreimal so viel wie in Europa, auch das also – wen wundert's – ein Weltrekord.

6000 freiwillige Flughafentester

Bleibt die Frage, wie man es schafft, ein neues Terminal oder gar einen neuen Flughafen ohne Verspätung zu bauen. Zunächst sollte man nie einen konkreten Termin nennen, sagt Paul Griffith, Chef von Dubai Airports: "So eine Aufgabe ist eine ungeheure Herausforderung, das ist nur als Teamwork zu bewältigen. In Concourse A stecken über 159 Millionen Arbeitsstunden, da muss jedes einzelne Detail analysiert, jede einzelne Person eingebunden werden. Und vor der Eröffnung haben wir über Monate insgesamt 6000 Freiwillige hier gehabt, die jeden Quadratzentimeter auf Herz und Nieren getestet haben." Es hat augenscheinlich funktioniert.

Zu den aktuellen Schwierigkeiten des Berliner Pannenflughafens BER sagt Griffiths: "Ich habe vollstes Verständnis für die Probleme dort, ein neuer Flughafen ist immer eine immense Herausforderung. Und ein gutes Beispiel für die Neigung des Menschen, zu viel zu versprechen und zu wenig zu liefern."

Ob er sich, angesichts seiner Erfahrung und Qualitäten, einen Wechsel auf den vakanten Sessel des BER-Flughafenchefs vorstellen könne? Hat vielleicht schon jemand aus Berlin angerufen und ihm den freien Job angeboten? Griffiths verneint. Er habe noch viel vor in Dubai. "Und außerdem ist das Wetter in Berlin viel schlechter als hier."

Die Recherchereise wurde unterstützt von Emirates. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit.

Foto: REUTERS

Das Restaurant "Special Class" in Chongqing in China ist der First-Class-Kabine eines Airbus A380 nachempfunden. Der A380 ist das derzeit größte Passagierflugzeug der Welt. Fluggesellschaften wie beispielsweise Lufthansa, Emirates, Singapore Airlines und Air France haben den Riesenjumbo bereits im Einsatz.

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