25.01.13

Japan-Tourismus

Wie groß die radioaktive Gefahr in Tokio ist

Seit der Katastrophe in Fukushima trauen sich viele nicht mehr nach Japan. Um Urlaubern ihre diffuse Strahlenangst zu nehmen, wurde nun ein Experte engagiert – der verblüffende Zahlen präsentiert.

Von Sönke Krüger
Foto: picture alliance / Bildagentur-online

Wo sind die Touristen? In Tokio liegt die Zahl ausländischer Besucher noch immer weit unter den Werten vor der Atomkatastrophe im März 2011
Wo sind die Touristen? In Tokio liegt die Zahl ausländischer Besucher noch immer weit unter den Werten vor der Atomkatastrophe im März 2011

2010 war die touristische Welt in Tokio noch in Ordnung, in dem Jahr wurden fast sechs Millionen Besucher in der japanischen Hauptstadt gezählt. Dann kam der 11. März 2011 und mit ihm die Dreifachkatastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Atomunfall in Fukushima. Schlagartig gingen die Besucherzahlen in ganz Japan in den Keller, auch in Tokio, wo 2011 nur noch 4,1 Millionen Touristen und Geschäftsreisende registriert wurden.

Auch die Zahl der deutschen Besucher sackte deutlich ab, 2011 um 35 und 2012 um 13 Prozent, sie hat längst noch nicht wieder das Niveau von 2010 erreicht. Hauptgrund hierfür ist eine diffuse Strahlenangst der Deutschen, zweitens gilt Tokio als (zu) teuer.

Um diese Ängste zu zerstreuen, haben sich Tokios führende Touristiker eine Deutschland-Kampagne ausgedacht. Ihre Hauptbotschaft: Tokio ist sicher vor Radioaktivität.

Und tatsächlich: Die Strahlenbelastung in Tokio ist niedriger als beispielsweise in New York, London oder Berlin. Noch interessanter: In weiten Teilen der deutschen Mittelgebirge ist die Belastung höher als in der japanischen Kapitale – trotzdem kommt bei Rhön- oder Westerwald-Urlaubern keine Strahlenpanik auf.

Entwarnung bei den Lebensmitteln

Die Tokioter haben eigens einen unabhängigen Fachmann engagiert, Professor Rolf Michel, Strahlenschutzexperte der Leibniz-Universität Hannover. Der sagt: "Ganz Japan hat eine mittlere natürliche Strahlenexposition von 1,50 Millisievert pro Jahr. Das ist deutlich geringer als der deutsche Mittelwert von 2,10. Schweden und Finnland haben noch höhere Strahlenwerte. Die Belastung in Tokio Ende 2012 entsprach etwa der von Niedersachsen."

Und was ist mit Lebensmitteln? Auch da gibt der Experte Entwarnung: "Japans Lebensmittelüberwachung funktioniert und die Grenzwerte wurden ab 1.4.2012 verschärft, obwohl das radiologisch gar nicht erforderlich gewesen wäre. Die Belastung von Lebensmitteln selbst aus der Präfektur Fukushima ist gering, anderswo ist sie zu vernachlässigen" – soll heißen: Sie liegt unter den (neuen, strengen) Grenzwerten.

Lediglich bei Bambussprossen und Süßwasserfischen aus der Präfektur Fukushima habe man Cäsium-Belastungen über den Grenzwerten gefunden, aber die würden ohnehin nicht in den Handel kommen.

Gute Werte auch für das Tokioter Trinkwasser: Dort liegt der Grenzwert für Babynahrung bei 10 Becquerel pro Kilogramm, seit 26.4.2011 wurden aber nur noch Werte gemessen, die unter 0,1 Becquerel pro Kilo liegen, zum Teil wurde überhaupt keine Belastung festgestellt. Das Fazit des Professors fällt, was Lebensmittel betrifft, so knapp wie eindeutig aus: "Peanuts".

Hotspots ohne radiologische Relevanz

Immer mal wieder wird jedoch in Medien und Internetforen von radioaktiven Hotspots in Tokio berichtet. Laut Professor Michel handelt es sich dabei jedoch stets um "kleinräumige Stellen, an denen Regenwasser zusammengelaufen ist", an denen also auf die Erde gerieselter Fallout konzentriert zu finden ist, etwa in Abwassergräben.

"Derartige Hotspots haben aber keinerlei radiologische Relevanz", sagt Michel, "man müsste schon ein ganzes Jahr auf einem solchen Fleck sitzen, um eine erhöhte Strahlenexposition zu haben". Das tun Touristen – und auch Japaner – in aller Regel jedoch nicht.

Bleiben die für Touristen abschreckend hohen Preise in Japan. In der Tat ist der Wechselkurs für Euro-Besitzer schlechter als vor fünf Jahren. Aber man kann auch mit niedrigem Budget gut über die Runden kommen, sagen Tokios Touristiker.

Als Beweis führen sie den Hamburger von McDonald's an: Der kostet in Japan umgerechnet 0,95 Euro. Aber keine Sorge, man kann in Japan auch typisch japanische Gerichte essen, die nicht teuer sind: Ramen-Nudelsuppen oder Sushi-Sets sind für unter 10 Euro zu haben.

Trinkgeld ist absolut unüblich

Teure Hotels? Gibt es in Tokio, aber eben auch eine Reihe von Budget-Hotels. Teure Souvenirs? Gibt es auch, doch man bekommt Andenken auch zum Schnäppchenpreis: in den 100-Yen-Shops, wo originelle japanische Produkte zum Stückpreis von umgerechnet einem Euro verkauft werden, empfiehlt Tokios Stadtverwaltung.

Und noch ein Argument für sparsame Deutsche: In ganz Japan ist Trinkgeld absolut unüblich, es wird weder im Taxi noch im Restaurant noch im Toilettenhäuschen erwartet. Und dass Japans stille Örtchen zu den saubersten rund um den Globus gehören, spricht ebenfalls für das Land, aber das ist eine andere Geschichte.

Foto: Getty Images/amana images RF

Wer in Japan ein dringendes Bedürfnis hat, findet den Weg zum stillen Örtchen recht einfach: Sie sind mit Männlein- und Weiblein-Symbolen gekennzeichnet.

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