08.01.13

Indonesien

Beim Genuss von Alkohol drohen drastische Strafen

Für viele gehört ein Glas Wein am Abend oder ein Cocktail am Strand zum Urlaub einfach dazu. In Indonesien soll damit aber bald Schluss sein: Die Regierung denkt über ein Verbot von Alkohol nach.

Foto: picture alliance / Tone Koene

Nachtleben auf Bali: Touristen lassen in Seminyar den Tag in einer Strandbar ausklingen
Nachtleben auf Bali: Touristen lassen in Seminyar den Tag in einer Strandbar ausklingen

Freundliche Menschen, weiße Strände, mystische Tempel und leuchtend grüne Reisfeldterrassen – für viele ist Bali ein Paradies. Auch auf ein reges Nachtleben mussten Urlauber bislang nicht verzichten. Das allerdings könnte schon bald eingeschränkt werden. Denn Indonesien erwägt, den Genuss von Alkohol zu verbieten und Verstöße dagegen mit mit Haft zu bestrafen.

Wie das australische Nachrichtenportal "The Age" berichtet, wurde ein solcher Gesetzentwurf von der islamischen United Development Party eingebracht, die zur Regierungskoalition in Indonesien gehört. Danach soll das strikte Alkoholverbot im gesamten Staatsgebiet von Indonesien gelten.

Nach Vorstellung der Politiker sollen Hersteller von Alkohol dann mit bis zu zehn Jahren Gefängnis oder Geldbußen über bis zu umgerechnet 780.000 Euro bestraft werden. Verkäufern drohen bis zu fünf Jahren Haft und Geldstrafen bis 400.000 Euro. Wer Alkohol konsumiert, muss mit Haftstrafen bis zu zwei Jahren und Geldbußen von 15.000 Euro rechnen.

"Moral der Nation muss geschützt werden"

Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt. 86 Prozent der 232 Millionen Einwohner sind Muslime, die in der Mehrheit keinen Alkohol trinken. In Nachtclubs, Bars und einigen Cafés wird Alkohol aber dennoch angeboten.

Ahmad Kurdi Moekri, ein Parlamentsmitglied der United Development Party, erklärte den Gesetzentwurf damit, dass die "Moral der Nation geschützt werden müsse". Der Einfluss, den der Genuss von Alkohol auf das Volk habe, sei vorwiegend negativ und "alles, was negativ für das Volk ist, ist der Feind des Volkes", sagte der Politiker. Der Vorstoß sei aber nicht als ein Akt von religiösem Radikalismus zu verstehen.

Einbußen im Tourismus befürchtet

Hoteliers und Gastronomen sind dennoch gegen ein generelles Verbot von Alkohol. Sie fürchten starke Einbußen aufgrund sinkender Besucherzahlen. So verkündete der Vorsitzende von Balis Tourismusbehörde, Ngurah Wijaya, er würde jeden Versuch, Alkohol zu verbieten und Konsumenten mit Gefängnisaufenthalten zu bestrafen, "kategorisch ablehnen". Das Trinken von Alkohol "ist ein Teil der internationalen Welt, und wir sind hier, um Touristen anzuziehen", sagte er.

Der Tourismus ist für Bali von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Nachdem nach den Bombenanschlägen im Oktober 2002 mehr als die Hälfte der sonst üblichen Gäste zwei Jahre lang ausgeblieben waren und viele kleinere Hotels hatten schließen müssen, brummt das Geschäft mit den Urlaubern inzwischen wieder. Allein 2012 wurden über drei Millionen Besucher erwartet.

Vielleicht überdenkt die indonesische Regierung also doch noch einmal ihren Gesetzentwurf. Immerhin war 2008 ein Versuch islamischer Politiker, das Tragen von Bikinis zu verbieten, nach Protesten aus der Tourismusindustrie nicht durchgebracht worden.

19-Jähriger stirbt an gepanschtem Alkohol

Vorsicht beim Konsumieren von Alkohol ist in Indonesien aber auch dann angebracht. Denn da Alkohol teuer ist, wird viel Selbstgebrautes angeboten – mit immer wieder tödlichen Folgen. Erst zum Jahreswechsel hatte ein australischer Jugendlicher auf der indonesischen Ferieninsel Lombok gepanschten Alkohol getrunken und ist gestorben.

Der 19-Jährige hatte in einer Bar mit Freunden Silvester gefeiert, als er den mit Methanol gestreckten Cocktail trank. Erkrankt wurde der Jugendliche wenige Tage später in seine Heimat geflogen. Dort starb er in einem Krankenhaus in Perth, wie die Zeitung "West Australian" berichtete.

"Wir möchten die Menschen auf das Risiko aufmerksam machen, vor Ort gebrauten Alkohol zu trinken", sagte seine Familie dem Blatt. Auf Lombok und Bali wird gepanschter Alkohol Jugendlichen immer wieder als "Jungle Juice" (Dschungelsaft) verkauft. Erst im Dezember war eine 18-jährige Astralierin erblindet, nachdem sie einen mit Methanol gestreckten Cocktail getrunken hatte.

Quelle: nics mit dpa
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