07.01.2013, 16:22

Kambodscha Tourismus bedeutet Hoffnung für Delfine im Mekong


Selten: Irawadi-Delfine leben nur in drei Flusssystemen in Südostasien, die Population in Kambodscha ist die größte

Foto: Alain Compost / WWF / picture alliance / dpa

Selten: Irawadi-Delfine leben nur in drei Flusssystemen in Südostasien, die Population in Kambodscha ist die größte Foto: Alain Compost / WWF / picture alliance / dpa

Die seltenen Irawadi-Delfine sind akut vom Aussterben bedroht. In Kambodscha kämpft man um das Überleben der letzten Exemplare im Mekong. Der starke Anstieg an Touristen ist dabei durchaus hilfreich.

Als die beiden Delfine aus dem trüben Wasser auftauchen, juchzen die Touristen vor Freude. Die grauen Säuger tollen und toben durch den Fluss, die Begeisterung der Urlauber auf dem Holzboot ist riesig.

Doch der Grund für die Ausflüge auf dem Mekong im Osten Kambodschas ist ernst: Die seltenen Irawadi-Delfine sind unmittelbar vom Aussterben bedroht. Ökotourismus ist eine Strategie, um das Überleben der Art zu sichern.

Delfine verheddern sich in Netzen

Nur ein Stück weiter flussaufwärts ist die Gefahr sichtbar. Mit einem Seufzer hebt Flusshüter Pech Sokhan zwei große Netze in die Höhe. Trotz des Verbots findet er immer wieder solche Netze, die für Delfine, die sich darin verheddern, tödlich sind.

"Wir müssen die Leute Tag für Tag erziehen", sagt Pech. Er ist einer von 77 unbewaffneten Flusshütern, die entlang des kambodschanischen Teils des Mekong patrouillieren. Sie halten Ausschau nach allem, was den Tieren schaden könnte.

Inzucht und ein schrumpfender Lebensraum

Stellnetze, die über lange Zeit im Wasser bleiben, seien die Haupttodesursache für erwachsene Mekong-Delfine, sagt Gordon Congdon von der Naturschutzorganisation WWF. Aber auch Inzucht, eine hohe Sterblichkeit bei Jungtieren, Krankheiten und der schrumpfende Lebensraum tragen dazu bei, dass die Delfine immer weniger werden.

Die kambodschanische Regierung gibt die Zahl der verbliebenen Irawadi-Delfine mit bis zu 180 an, der WWF geht von 85 aus. Irawadi-Delfine leben nur in drei Flusssystemen in Südostasien, die Population in Kambodscha ist die größte.

Zuerst muss die Armut besiegt werden

Im August vergangenen Jahres richteten die kambodschanischen Behörden eine 180 Kilometer lange Schutzzone von der Stadt Kratie bis zur laotischen Grenze ein. Stellnetze und Fischkäfige sind in dem Gebiet seitdem verboten, andere Fangarten, zum Beispiel mit Keschern, aber weiter erlaubt.

Verstöße gegen das Verbot werden nicht bestraft, entdeckte Netze aber konfisziert. Für die armen Familien entlang des Mekong sei das hart genug, sagt Touch Seang Tana von der Regierungskommission zum Schutz der Delfine. Allein Anfang Dezember seien innerhalb weniger Tage 8000 Meter verbotener Fischernetze beschlagnahmt worden, zwei Delfine verendeten in den Netzen.

"Die Leute wissen, dass die Netze Delfine töten. Aber die Menschen denken erst einmal an ihren Magen", sagt Touch. Solange die Armut nicht besiegt sei, könne auch der Kampf gegen die todbringenden Fangmethoden nicht gewonnen werden.

Ökotourismus ist eine Alternative

Alternative Einkommensquellen wie zum Beispiel der Ökotourismus sollen die Menschen aus ihrer Armut befreien, so dass sie nicht mehr aufs Fischen angewiesen sind.

Im vergangenen Jahr kamen bereits 30.000 Touristen der Delfine wegen in die Region. Eine enorme Steigerung, sagt Touch. Im Jahr 2000 seien es nur 50 gewesen. Mit Bootsausflügen und dem Verkauf von Souvenirs lässt sich gutes Geld verdienen. In 37 Dörfern gibt es bereits Projekte für Ökotourismus.

Der Fischer Eam Mao aber profitiert nicht davon. Er wohnt ein paar Kilometer nördlich der beliebten Kampi-Delfinbecken "Für uns, die wir nicht so nah bei den Delfinen wohnen, ist es viel schwieriger, Geld zu verdienen", sagt der 55-Jährige, während er vor seiner Hütte sitzt und ein Netz flickt. Umgerechnet 1,50 Euro verdient er mit dem Fischen am Tag.

Flusshüter Pech ist dennoch zuversichtlich, dass sich mit den neuen Regeln in der Schutzzone etwas ändern wird. "Wenn wir jetzt Stellnetze konfiszieren, wagen es die Leute nicht zu widersprechen, weil sie wissen, dass es illegal ist. Früher jagten sie uns mit Messern fort."

(AFP/nics)
Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter